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Alles nur schöner Schein? Victoria`s Secret, ein dunkles Geheimnis

Jedes Top-Modemagazin präsentiert die Fashion von Victoria`s Secret. Frauen lieben die Bademode- und Wäschekollektionen. Es gibt sogar eine «Fairtrade»-Baumwoll-Linie. Gerade diese gerät jetzt unter Beschuss. Die US-amerikanische Heimatschutzbehörde hat sogar Ermittlungen aufgenommen. Der Verdacht: Kinderarbeit.

Modenschau Victoria's Secret

Victoria's Secret Modenschau 2011  Foto: © Victoria`s Secret

Bloomberg News, ein hoch seriöser Global Player in der Nachrichtenszene, hat bereits Anfang Dezember düstere Arbeitsbedingungen in einem der weltweit wichtigsten Anbaugebiete für Bio- und Fairtrade-Baumwolle, im westafrikanischen Burkina Faso, dokumentiert. Dort hat ein Kamerateam ein 13-jähriges Mädchen begleitet, das von haarsträubenden Lebens- und Arbeitsbedingungen berichtete. Das Mädchen schildert mit traurigem Blick, dass sie unzählige Stunden am Tag auf den Baumwoll-Feldern für Bio- und Fairtrade-Baumwolle schuften muss. Nur wenn ihre Zieheltern, die Betreiber der Baumwoll-Farm gnädig sind, gibt es zumindest eine warme Mahlzeit aus Maisbrei. Oft aber auch gar nichts. Schläge seinen nicht unüblich.

Kauft Victoria`s Secret nur vermeintlich «saubere»Ware?

Nachgewiesener Einkäufer sei Victoria`s Secret, eine Marke der Firma Limited Brands, die mit der vermeintlichen Fairtrade-Baumwolle eine «faire» Wäsche-Kollektion im High-End-Bereich produzieren. Die Vize-Präsidentin für externe Kommunikation von Limited Brands, Tammy Roberts Myers, sagte in einem Bloomberg-Artikel vom 15. Dezember, dass das in dem Filmbeitrag beschriebene Verhalten konträr zu der Unternehmensphilosophie sei, gegen den Verhaltenskodex bezüglich Arbeitsweise und Herkunft, die Limited Brands, somit auch Victoria`s Secret von all ihren Zulieferern erwarte. Und weiter wurde Meyers zitiert, dass Untersuchungen angestrebt werden, um den vorgetragenen Sachverhalt peinlichst genau aufzudecken

Fairtrade: Sind Logos und Zertifikate geduldig?

Die investigative Berichterstattung über vermeintliche Fairtrade-Baumwolle und der hierfür verbotenen Kinderarbeit in einer Victoria`s Secret-Kollektion durch Bloomberg News zog und zieht weite Kreise. Es ging sogar so weit, dass die US-amerikanische «Homeland Security», die Heimatschutzbehörde, Anfang Januar verkündete, Untersuchungen anzustellen. Es bestehen sogar Pläne, dass bei dem kleinsten Verdacht auf Kinderarbeit in der Baumwol-Produktion, ein Einfuhrverbot in die USA erteilt werde.

Aufgerüttelt von der Geschichte und den Vorwürfen, schickte Fairtrade International Ende Dezember 2011 eine Untersuchungskommission nach Burkina Faso, um die Anschuldigungen zu überprüfen. Seitdem geht es hin und her. Fairtrade International gibt am 4. Januar in einer Pressemeldung bekannt, dass das Mädchen aufgrund einer Geburtsurkunde nicht minderjährig wäre und zu den Aufnahmen unter fadenscheinigen Gründen überredet wurde. Sie sei überhaupt nicht auf dieser Baumwoll-Farm beschäftigt, die Berichterstattung sei erfunden. Bloomberg indes konterte, dass die Geburtsurkunde jene einer älteren, bereits verstorbenen Schwester sei. Entsteht ein hin und her, dass die Wahrheit niemals ans Tageslicht bringen wird?

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Studie von 2008 belegt bereits Kinderarbeit

Bloomberg berichtete bereits im Dezember von einer Studie aus dem Jahre 2008. Diese belege eindeutig, dass für Kinderarbeit bei der Bio-Baumwoll- und Fairtrade-Produktion in Burkina Faso «gewisse Risiken identifiziert»* seien. Fairtrade entgegnete, dass sie diese Studie niemals erhalten habe. Pikanterweise ist diese Studie vom UNPCB durchgeführt, der nationalen Vereinigung Baumwolle produzierender Hersteller in Burkina Faso. Und diese Studie wurde auch im Auftrag von Fairtrade International durchgeführt.

Fairtrade-Skandal oder nicht: Bewegung beim Thema Kinderarbeit

Ist die Kollektion für Victoria`s Secret nun aus Fairtrade-Baumwolle durch Kinderarbeit entstanden oder nicht. Derzeit suchen alle Seiten nach der Wahrheit. Doch, die Geschichte hat auch ihr Gutes. Fairtrade International kündigt in Ihrer Stellungnahme vom 4. Januar an, noch stärker zertifizierte Produzenten auf Kinderarbeit zu durchleuchten und die ermittelnde Heimatschutzbehörde plant, ein Einfuhrverbot für Baumwolle in die USA einzuführen, wenn der Verdacht besteht, dass diese in Kinderarbeit entstand.

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Ist der Schutz vor Kinderarbeit in der Realität durchführbar?

Wie der Bloomberg-Beitrag belegt, wird die Fairtrade-Baumwolle aus Westafrika zunächst zur Weiterverarbeitung nach Indien geschickt, dann zur Fertigung nach Sri Lanka, um dann an die Firmenzentrale in die USA geschickt zu werden.

Einsatz gegen Kinderarbeit oder nicht, ist bei den verschiedenen Stationen eine 100-prozentige Sicherheit überhaupt zu bewerkstelligen. Zumal eine Studie sagt, dass die Baumwoll-Produktion neben dem Goldabbau jene ist, die mit den meisten Zwangsarbeitern und dem größten Anteil an Kinderarbeit produziert.

Die UNICEF schätzt, dass mehr als 158 Millionen Kinder zwischen fünf und 14 Jahren zur Kinderarbeit gezwungen werden. Viele unter gesundheitsschädlichen Bedingungen.

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Und, nicht zuletzt heißt es: nachfragen und auf Qualität setzen. Woher kommen die Produkte die ich kaufe? Das kann jeder im Supermarkt, im Modekaufhaus oder bei den Unternehmen selbst erfragen. Steigt der öffentliche Druck, ist ein Wandel wahrscheinlicher.

Quellen: Fair Trade International, Bloomberg News, Terres des Hommes

* Zitat aus einer Erklärung der an der Studie beteiligten Helvetas, eine der größten Schweizer Entwicklungshilfeorganisation.

Text: Jürgen Rösemeier