Shareconomy oder kollaborativer Konsum auch auf Cebit im Trend
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Shareconomy: Kollaborativer Konsum auch auf Cebit auf dem Vormarsch

Das Teilen und Weiterleiten von Informationen ist schon längst zum Trend geworden. So verbreiten vier von fünf Internetnutzern aktiv digitale Inhalte im Netz. Doch auch das Teilen von Gegenständen, vom Werkzeug über das Auto bis zu Wohnung, ist gerade in Zeiten des Internets ein Boom, der nicht erst seit der aktuellen Cebit als ‚Shareconomy‘ bezeichnet wird.

Laut einer repräsentativen Studie des High-Tech-Verbandes Bitkom ergibt sich aus der Kultur des Informationteilens im Netz eine neue Offenheit und Transparenz der Deutschen. So stünden laut der Umfrage etwa 85 Prozent der Internetnutzer dem Teilen von Dingen grundsätzlich offen gegenüber. 52 Prozent der Befragten denken, dass dieser Trend sich in Zukunft noch verstärken wird und immerhin nahezu jeder fünfte, nämlich 17 Prozent Teilnehmer der Studie, teilen hin und wieder auch Dinge, worunter Autos, Werkzeuge oder ihre Wohnung fallen. Alles möglich heute dank Internet. Wo früher Freunde, Bekannte oder der Nachbar gefragt wurden, wird heute das Internet bemüht. Dementsprechend boomen einschlägige Dienste wie AirBnB, ein Portal bei der Menschen ihre Wohnung an Urlauber vermieten, im letzten Jahr drei Millionen, Nachbaschaftsauto.de und viele andere, die das Teilen, Leihen, Tauschen oder Mieten von Gegenständen oder Services organisieren. Shareconomy ist heuer sogar  auf weltgrößten IT-Messe in Hannover, der Cebit zum Leitthema der Messe geworden. Denn auch die digitale Welt setzt mehr und mehr auf das Teilen.

Shareconomy: Benutzen statt besitzen

Schon längere Zeit werden digitale Inhalte oder Wissen im Netz geteilt. Wikipedia ist ein Beispiel hierfür, der Boom von Musikbörsen, die nicht alle ganz legal waren oder sind ein anderes. Doch, das Teilen geht heute viel weiter, für Privatfrau und -Mann wie die für die Wirtschaft. „Wer teil gewinnt“ scheint nun auch das Motto der Cebit 2013 zu sein, auf der vielfältige Angebote rund um die Shareconomy präsentiert wurden. So auch das Angebot von „Carzapp“, ein Start-up, welches in Kürze in Berlin Privatleute dazu animieren möchte, ihre Autos mit anderen zu teilen.

Ein Paradebeispiel für ein mittlerweile sehr erfolgreiches Shaeconomy-Geschäftsmodell in der IT-Branche ist das Angebot von ‚Software as a Service‘, kurz SaaS, das ebenfalls auf der Cebit präsentiert wurde. In einer Welt, in der es kaum mehr ohne teure Hard- und Software geht, es daher auch für Start-ups schwierig werden kann, sich anfangs zu finanzieren, bietet SaaS die Miete von Anwendungen über das Internet an. Dies sei, so SaaS auch für Unternehmen interessant, die gewisse Anwendungen oder eine bestimmte Software nur eine bestimmte Zeit benötigen.

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Schon längst Alltag in einer Bilder geprägten Gesellschaft ist das Angebot für Werbetreibende, Verlage oder Websitebetreibern von Bilderbörsen wie Fotolia und Co. Tausende von Fotografen stellen hier Millionen von Bildern ein, die für eine geringe Gebühr von Jedermann genutzt werden können.

Andere Shareconomy-Projekte sind Portale wie Kickstarter oder Startnext. Diese Anbieter setzen auf Schwarmfinanzierung von Kunstprojekten oder innovativen Start-ups. Hier kann jeder Interessent, der ein geplantes Projekt gut findet mit Mikrobeträgen den Start eines Projektes finanzieren oder sich gar an den innovativen Unternehmen im Kleinen beteiligen. Andere Shareconomy-Modelle finden sich im Cloud Computing und ECM, Enterprise Content Management, die eine zentrale Verwaltung oder zielgerichtete Verbreitung von Informationen ermöglichen.

Shareconomy: Ein Generationenproblem?

„Mein Haus, mein Auto, mein Pferd“, ist eine allzu überbeanspruchte Werbebotschaft, die dennoch, geht es um die Shareconomy, ein Fünkchen Wahrheit beinhalten könnte. Denn laut der erwähnten Bitkom-Studie ist das Teilen für 97 Prozent der 14- bis 29-jähringen Teil des Alltags. Je älter die Befragten waren, desto geringer ist der Anteil an den Befürwortern des neuen gemeinschaftlichen Konsums. Fakt jedoch ist, insbesondere für den städtischen Bereich, dass immer weniger jüngere Menschen auf ein eigenes Auto verzichten, sich bei Bedarf eines leihen, vielleicht in Zukunft vermehrt mit anderen teilen.

Shareconomy: Auch der Umsatz stimmt

Für die Idealisten unter den Teilanbietern, so auch dem Chef von AirBnB, Martin Reiter, ist eine Motivation für das Teilangebot die Sorge um den Überkonsum. Dass laut dem US-Magazin Forbes auch 150 Millionen Dollar Umsatz im letzten Jahr mit diesem lukrativen Trendangebot gemacht werden, tritt schnell in den Hintergrund. Denn das Angebot ist mit drei Prozent Gebühren nicht kostenlos. Für viele Anbieter, so zeigt es auch die Cebit 2013, ist Shareconomy auch ein lukratives Geschäftsmodell, welches wiederum den Konsum fördert. Wenn auch nicht bei allen Shareconomy-Angeboten, doch bei vielen.

Andererseits profitieren auch viele durch die Shareconomy, die sonst nicht in den Genuss von beispielsweise einer neuen Touristengruppe gekommen werden. So errechnete das Forbes-Magazin, dass alleine in San Francisco letztes Jahr durch AirBnB-Touristen 56 Millionen Dollar ausgegeben wurden. Etwa 12,7 Millionen entfielen auf die gemieteten Wohnungen; der Rest ging in den Konsum in den Geschäften oder Lokalen der Stadt.

Quellen: Cebit, Forbes Magazine, www.internetworld.de, Handelsblatt, Bitkom

Text: Jürgen Rösemeier