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Vegetarismus Sport Wandern und Fotografie der Ecolifestyle des Mohrblogs
Tofu, Tatzen, Trainingsläufe

Mohrblog: Tofu, Tatzen, Trainingsläufe

Ein Blog für Katzengeschichten, Veggierezepte, Fotokunst, D.I.Y.-Kultur, Wanderstories und Crosscountry-Laufreports? Was sich wie ein halsbrecherisches Himmelfahrtskommando für hyperaktive Geschichtenerzähler anhört, funktioniert beim Mohrblog ganz hervorragend. Im Interview erzählt Daniela Mohr wie es zu der ungewöhnlichen Themenkombination kam und packt als Bonus auch gleich noch zwei ihrer Lieblingsrezepte dazu. 

Hallo Daniela. Stell dich doch bitte kurz vor.

Sowas hat ja immer ein bisschen was von Gruppentheraphie, oder? ‚Mein Name ist Daniela und ich bin eine Bloggerin’ – ‚Hallo Daniela’. Aber irgendwo muss man ja anfangen, und da bietet sich der Anfang ja förmlich an. Also, mein Name ist Daniela Mohr was für clevere Leser wohl auch schon erklärt, warum mein Blog "Mohrblog" heißt, ich zähle 40 Lenze und lebe im Rheinland in wilder Ehe mit dem Herzmann und 3 Miezekatzen – den tollsten und schönsten Katzen der Welt, übrigens. Das muss ja auch mal gesagt werden. Alle vier Mitbewohner finden natürlich auch regelmäßig im Mohrblog Erwähnung, seitens des Herzmannes allerdings eher unter Protest.

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Wann hast Du mit der Bloggerei angefangen?

Mein Name ist Daniela und ich bin eine Bloggerin

Mein Name ist Daniela und ich bin eine Bloggerin.

Irgendwann im Jahre 2004 habe ich meinen ersten Blog gestartet, mit kurzen Laufanekdötchen und Geschichten aus meinem Leben als schwerstblutiger Laufanfänger. Der hat auch gleich ziemlichen Anklang gefunden. Ich schätze, die Menschen mögen einfach gerne Stories, die Blut, Schweiß und Tränen enthalten und in denen sich andere Leute, also in dem Fall ich, blamieren und lächerlich machen. Später habe ich dann die Fotografie für mich entdeckt. also musste natürlich ein Fotoblog her, dem dann noch ein Veganfood- und ein Katzenblog folgte. Nun hatte ich also vier Blogs und vier verschiedene ‚Künstlernamen’ und war am Ende selbst total verwirrt und wusste gar nicht mehr, wie ich heiße vor lauter Synonymen. Als dann mal im Supermarkt ein Kind ‚Opa!’ gerufen hat und ich mich umdrehte und mit ‚Ja?’ antwortete, wurde mir klar, dass ich meine Persönlichkeiten wohl langfristig zusammenführen sollte. Das kann ja nicht gesund sein, sowas. Und letztlich ist mein Name ja gar nicht so schlecht, mit ‚Mohr’ kann man wunderbare Wortspiele basteln. Also habe ich im September 2014 alle Themenbereiche unter der Mohrflagge zusammengefasst.

Wie haben das die Leser aufgenommen?

Ich hatte anfangs meine Zweifel, ob das bei den Stammlesern der einzelnen Blogs gut ankommt, da sich der gemeine Wandersmann ja vermutlich weniger für Miezgeschichten interessiert oder der Pflanzenfresser an sich keine Lust hat, sich langweilige Lauffotos anzugucken, aber ich glaube, die Themenvielfalt macht den meisten Lesern sogar ziemlichen Spaß. Das Feedback ist zumindest größtenteils positiv und wie überall im Leben kann man ja auch im Mohrblog einfach weiterblättern, wenn einen irgendwas nicht interessiert.

Was machst jenseits der Blogarbeit?

Wenn ich nicht gerade in meinem Arbeitszimmer hocke und Beiträge in die Tastatur hacke oder als Schreibtischtäterin in einer Bonner Kartonagenfabrik meine Vollkorn-Brötchen verdiene, dann tue ich exakt das, worüber ich in meinem Blog berichte. Laufen, Wandern, Kochen, Kätzchen streicheln und mir total wichtige Gedanken über die großen Fragen des Lebens machen.

Im Gegensatz zu anderen Blogs bearbeitest Du Themen wie veganes/vegetarisches Kochen und D.I.Y. weder mit einem mahnenden Zeigefinger noch unter rein gesundheitlichen oder fitnessbezogenen Gesichtspunkten sondern angenehm unaufgeregt und persönlich. Ein besserer Weg um Leute zu erreichen?

Ich glaube, mein Blog funktioniert deshalb so gut, weil ich eigentlich niemand belehren oder überzeugen will. Ich will weder die Menschheit ‚veganisieren’, noch alle meine Leser zu Ausdauersportlern oder Wanderfreaks oder gar zu Mehrfachkatzenhaltern machen. In der Hauptsache schreibe ich über Dinge, die mich selbst begeistern oder bewegen, einfach weil ich meine Euphorie oder meine Gedanken in die Welt tröten möchte. Dass es trotzdem hin und wieder dazu führt, dass sich Leute mit veganem Essen, Ausdauersport, DIY oder Tierschutz auseinandersetzen, sehe ich eher als Kollateralnutzen, der mich natürlich trotzdem riesig freut. Jeder kleine Schritt in eine grünere Richtung oder Gedankenanstoß ist doch schon gut. Grundsätzlich möchte ich auch selbst ja auch von niemandem gemaßregelt oder beklugscheissert werden, und mache das deswegen eben auch in meinem Blog nicht. Letztlich taugt halt eben auch nicht alles für jeden, und nur weil ich selbst einen Heidenspaß mit gutem veganen Essen und Ausdauersport habe, heißt das noch lange nicht, dass das auf jeden einzelnen Menschen da draußen im gleichen Maß zutrifft und das jeder unbedingt so machen muss wie ich.

Seit wann setzt Du dich schon mit Vegetarismus, Tier- und Umweltschutz auseinander?

Seit wann setzt Du dich schon mit Vegetarismus, Tier- und Umweltschutz auseinander?

Tierschutz und vegetarische Ernährung lag mir eigentlich immer schon am Herzen, aber bis ich in der Hinsicht wirklich aktiv und konsequent geworden bin, hat es doch eine ganze Weile gedauert. Seit knapp zehn Jahren esse ich nun kein Fleisch mehr, seit knapp drei Jahren engagiere ich mich im Tierschutz, seit 15 Jahren trabe ich mehr oder weniger flotten Fußes durch die Botanik und nenne das dann Laufen oder Wandern. Irgendwie greift dadurch immer eins ins andere - wenn ich schon stundenlang durch den Wald renne und mich über die schöne Natur begeistere, rückt auch zwangsläufig das Thema Umweltschutz in meinen Fokus. Ich will ja schließlich, dass mein Wald und meine Gewässer sauber bleiben, damit ich noch lange fröhlich durch die Botanik marschieren kann.

Katzenliebhaber aufgepasst

Und wenn ich mich für Tierrechte einsetze, kann ich auch Menschenrechtsverletzungen nicht mehr übersehen und mache mich da stark. Hängt ja alles zusammen. Und so versuche ich einfach, überall soviel zu tun wie ich kann und vielleicht im klitzekleinen Rahmen die Welt ein klitzekleines bisschen besser zu machen. Und wenn sich dann jemand durchs Stöbern im Mohrblog motiviert fühlt, selbst auch ein bisschen aktiver und wachsamer zu werden, hat ja schon alles irgendwie genützt.

Deine Rezepte sind, wie Du es selbst beschreibst, für die schnelle und unkomplizierte Kocherei. Experimentierst Du im Vorfeld viel herum?

In meinem Blog erscheinen ja immer nur Gerichte, die ich selbst gerne koche und deren Zubereitung ohne großen Aufwand in einen entspannten Feierabend passt. Wie schon in der Frage angedeutet, esse ich am liebsten vollwertige, einfache Gerichte aus wenigen Zutaten, die ich in jedem Bioladen oder auf dem Markt bekomme. Entsprechend fix klappt es dann auch meistens mit den Rezepten, im Normalfalle brauche ich nur ein bis zwei Anläufe. Wenn mir spontan ‚Och, Süßkartoffeln mit Grünkohl und Kokosmilch könnten ja eigentlich ganz gut schmecken’ durch den Kopf schießt, überlege ich kurz, welche Gewürze da wohl passen könnten oder wie die mengenmässige Zusammenstellung der einzelnen Zutaten aussehen könnte und lege direkt los.

Oft passt es dann schon beim ersten Testkochen und das Rezept braucht dann nur noch ein bisschen Feintuning á la ‚Ein Hauch mehr Kreuzkümmel’ oder ‚Eine Handvoll Rosinen wäre bestimmt auch super’ und fertig ist die Kiste. Ich bin auch nicht unbedingt der geduldigste Mensch. Wenn ein Gericht nicht auf Anhieb oder zumindest beim zweiten Anlauf klappt, werde ich bockig und lege es erst einmal wieder weg. Einzig bei dem ‚Casheesio’, einem Frischkäse auf Cashewbasis habe ich ewig lange herumexperimentiert, mit probiotischen Pülverchen und Sauerkrautsaft, bis endlich bei Brottrunk als Ferment gelandet bin. Grundsätzlich muss das aber schon flotter gehen, sonst verliere ich Geduld und Lust - und koche dann halt was Anderes. Pöh!

Reiniger einfach selber machen

Hast Du schon einmal daran gedacht ein Kochbuch zu veröffentlichen?

Über ein Kochbuch habe ich schon ungefähr 236.395 Mal nachgedacht und auch schon mindestens genauso oft damit angefangen. Meine virtuelle Schreibtischschublade biegt sich förmlich vor lauter Manuskripten und digitalen Skizzenblöcken. Meistens schmeißt sich dann aber nach den ersten Seiten wieder eine andere spitzenmäßige Idee in meine Hirnwindungen, die ich ‚jetzt aber unbedingt sofort’ machen möchte, und schon plumpst das Kochbuch wieder aus den Augen und aus dem Sinn. Außerdem gibt es ja mittlerweile schon unzählige wirklich grandiose potenzielle Konkurrenzprodukte und da stellt sich mir schon öfter die Sinnfrage, ob die Welt denn jetzt unbedingt ausgerechnet auch noch ein Kochbuch von mir braucht.

Aber damit die jahrelange Manuskript-Herumschieberei mal ein Ende hat, steht für Ende 2016 tatsächlich jetzt mal ein Weihnachts-Backbuch auf der inneren To-Do-Liste, für das es auch schon Interessenten gibt. Bis das Teil dann in trockenen Tüchern ist, versuche ich mich derzeit in Sachen Fokussierung und habe meinem Hirnkasten Scheuklappen angelegt, damit nicht ständig wieder neue Ideen reinflattern, die mich vom Backen und Schreiben abhalten.

Hat Dein Tag tatsächlich nur 24 Stunden?

Die Tatsache, dass mir tatsächlich nur läppische 24 Stunden zur Verfügung stehen, sorgt bei mir tatsächlich manchmal für reichlich Unmut. Ich habe schon vor Ewigkeiten einen Antrag auf 48-Stunden-Tag gestellt, aber die Schnarchnasen in den göttlichen Amtstuben kommen einfach nicht aus dem Quark. Es ist ein Jammer. Mittlerweile hat der Mohrblog stramme 20.000 Zugriffe im Monat, und ich frage mich selbst oft, wo die Leute alle herkommen und ob die nix Besseres zu tun haben, als meine Ergüsse zu lesen. Aber ich bin natürlich auch mächtig stolz darauf, dass so viele Menschen meinen Blog besuchen und oft sogar auch mögen. Am meisten Zugriffe haben dabei die Rezepte und Kochthemen. Katzenfotos und -geschichten werden auch immer gerne genommen. Katzen gehen ja immer.

Die ganze Outdoor- und Ausdauersportecke ist eher nicht so stark besucht, das liegt vermutlich daran, dass die ganzen Wanderer und Läufer wohl lieber selbst draußen im Wald herumrennen und ihre eigenen Abenteuer erleben, statt im Netz darüber zu lesen. Das kann ich sogar verstehen, ich lese eigentlich selbst kaum Laufbücher oder ähnliches. Kochbücher hingegen kann ich gar nicht genug haben und genug Katzenfotos gibt es ja sowieso nicht.

Katzen vom Mohrblog

Dein Blog sticht durch seine perfekte Unperfektheit ziemlich heraus. Keine Lust auf die cleane Linie?

Nicht wirklich. Ich würde mir wünschen, dass in Blogs, Foren und Onlinemagazinen mehr Mut zur Unperfektion herrschen würde. Wenn man sich die meisten Foodblogs so anschaut, so scheint es für die Autoren nie auch nur das geringste Problem darzustellen, selbst nach dem längsten und nervigsten Arbeitstag noch mit strahlendem Zahnpastalächeln ein unfassbar gesundes Abendmahl wie aus dem Bilderbuch auf den staub- und katzenhaarfrei gedeckten Tisch zu zaubern. Und selbstverständlich kommt bei den meisten niemals irgendein ungesundes Fettzeugs oder Zuckerkram auf den Tisch und niemals würden sie auch nur daran denken, sich nach einem verregneten Scheißtag einfach mal 'ne Tüte Chips reinzustopfen. Oder die ganzen strahlenden Fitnessgötter, die natürlich immer absolut konsequent und eisern ihren Trainingsplan befolgen und niemals auch nur eine einzige Sekunde daran denken, heute einfach mal mit dem faulen Hintern auf der Couch zu bleiben und den Laufschuhen den Stinkefinger zu zeigen.

Die straighten Umweltaktivisten, die lieber 10 km bei Eisregen durch die Stadt zum nächsten Bioladen rennen würden, statt nur ein einziges Mal Supermarktgemüse in einer Plastikverpackung im Discounter um die Ecke zu kaufen. Als ich mit dem Laufen angefangen habe, haben mich diese reinweißen Superhelden oft eingeschüchtert und ich habe mich gefragt, ob ich denn wirklich der einzige Schlappsack im Universum bin, der es auch nach zwei Monaten nicht schafft, 30 Minuten am Stück zu laufen ohne die Omma-selig im gleißenden Licht am anderen Ende des Tunnels winken zu sehen. Oder ob ich der einzige Pflanzenfresser bin, den es tatsächlich hin und wieder einfach mal abfuckt, sich nicht einfach 'ne Currywurst mit Pommes an der Frittenbude reinstopfen zu können. Oder, oder, so... . Natürlich ist es wichtig, seine Ideale konsequent umzusetzen und sich weder ökologisch noch ethisch wie eine Axt im Walde zu benehmen. Aber manchmal ist ein korrekter Alltag auch ein bisschen anstrengend und es ist nicht immer ganz leicht, jederzeit das Richtige zu tun. Und das kann man auch ruhig mal zugeben. 

Zwei lecker vegetarische Rezepte:

Scharfe Vanillemöhren 

   
 1 rote Zwiebel 1-2 frische Chilischoten
1 Bourbon-Vanilleschote ca. 400 gr. Möhren
250 ml Sojasahne Öl, Salz

Scharfe Vanillemöhren

Vanille in einem herzhaften Gericht scheint zwar auf Anhieb nicht ganz zu passen, aber das Vanille-Aroma harmoniert wider Erwarten ganz bombig mit lecker Möhrchen und scharfer Chili. Zudem ist das Gericht im Nullkommanüscht zusammengerührt und schmeckt bestens zu Pasta. (Oder Kartoffeln. Oder Reis. Oder einfach ganz alleine für sich.) Die u.a. Menge füttert in Kombination mit Nudeln 2 hungrige Esser.

Zubereitung

 Zwiebel würfeln, Chilischote(n) hacken und mit ein wenig Öl in einer Pfanne andünsten. Die

Möhren der Länge nach halbieren, in Scheibchen schneiden und in die Pfanne geben. Die

Vanilleschote auskratzen, den Inhalt ins Pfännchen rühren und mit Sojasahne aufgießen. Die

leere Vanilleschote zugeben und eine Weile mitköcheln lassen. Mit Salz und nach Gusto ggf.

Chilipulver (siehe "persönliches Weichei-O-Meter") abschmecken. Auf kleiner Flamme noch ein wenig köcheln lassen, um die Chili- u. Vanille-Aromen ordentlich raus- und durchzukitzeln. Vanilleschote herausnehmen und Möhren anrichten. Frei nach der Sendung mit der Maus: Vanille und Chili mit Gemüse? Klingt komisch...ist aber so.

Prinz Zimtbohne mit Minzkrone

   
1 große Gemüsezwiebel 1 Dose Tomaten (in Stücken - 400 ml)
1 Eßl. brauner Balsamico 1 Eßl. Apfeldicksaft 
300 gr. gekochte Bohnen 2 rote Chilischoten
Salz, Zimt Öl zum anbraten
ca. 1 kleine Handvoll frische gehackte Minze  

Prinz Zimtbohne mit Minzkrone

Die Kombination Bohnen/Zimt/Chili/Minze klingt zwar ein wenig eigentümlich, aber dieses fixe Gericht ist auf jeden Fall einen Versuch wert. Das Zimtaroma, die Schärfe der Chili und die frische Minze sorgen für eine spannende Gaumenkirmes – und Bohnen sind ja sowieso immer gut. Proteine, Proteine! Die Zimtbohnen mit Minzkrone kann man durchaus solo als Hauptmahlzeit futtern, aber auch als Beilage zu allem, was einer Beilage bedarf (Reis, Kartoffeln, Couscous, Quinoa und sogar Pasta).

Zubereitung:

 Den Sojajoghurt mit der Minze verrühren und im Kühlschrank durchziehen lassen.

Die Gemüsezwiebel in nicht zu feine Stücke/Streifen schneiden und in einer Pfanne in etwas Ölglasig andünsten, bis sie leicht braun wird. Dann den Balsamico und Apfeldicksaft unterrühren, mit den Tomaten aufgießen, die gehackten Chilis und die Bohnen einrühren und leicht köcheln lassen. Mit Salz und Zimt abschmecken – und hier bloss nicht zu zimper-, bzw. ZIMTerlich sein, man darf den Zimt ruhig schmecken - und ein wenig einkochen lassen.

Und schon ist Prinz Zimtbohne bereit zur Krönung, sprich: Bohnen auf einem Teller anrichten,

Minzjoghurt drübergeben und genießen. Zusätzlich zum Aromenkarussell sorgt auch die Kombination heiße Bohnen / kühler Joghurt für Gaumenkitzel.

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Bilder: Daniela Mohr, Text: Andreas Grüter