Was ist Fair-Trade? Keine Ultima Ratio aber ein Anfang

In westlichen Ländern haben wir Gewerkschaften. Warum? Weil sie eines der Regularien sind, um uns ein ausreichendes Einkommen zu sichern. Auf anderen Kontinenten sieht es oft noch anders aus. Und werden stark im Preiskampf befindliche Konsumgüter wie Kaffee oder Baumwolle produziert, haben Bauern vor Ort kaum eine Chance. 20 Jahre Fair-Trade schafft hier Abhilfe.

Gleich auf welchem Kontinent oder in welchem Land: Menschen wollen mit ihrer Arbeit mindestens so viel verdienen, dass sie davon leben können. Doch das ist längst noch keine Selbstverständlichkeit. Bei Fair-Trade-Produkten, das heißt bei vielen Lebensmitteln, Baumwolle und auch kunsthandwerklichen Produkten, ist das anders. Die Fair-Trade-Produkte, alle erkennbar am TransFair-Logo, sind an strenge soziale und ökologische Auflagen gebunden. Dafür erhalten die für Fair-Trade produzierenden Bauern einen Preis, der über dem Weltmarktniveau für diese Rohstoffe liegt. Oftmals erhalten die Bauern sogar noch eine Fair-Trade-Prämie, die sie nach ihren eigenen Bedürfnissen anlegen. Oft wird dank der Fair-Trade-Prämie ein Trinkwasserbrunnen gebaut oder Schulen finanziert und eine medizinische Grundversorgung gesichert. Nach heute 20 Jahren Fair-Trade, können deren Begründer erstaunliche Zahlen aufweisen.

Fair-Trade: Zahlen, die überzeugen

Sechs Millionen Menschen profitieren in den Herstellerländern von nach Fair-Trade produzierten Produkten. Und längst sind die Zeiten vorbei, zu denen es Fair-Trade-zertifizierte Güter nur in Dritte-Welt-Laden gibt. Selbst Discounter führen mittlerweile das eine oder andere Fair-Trade-Produkt. Mancher mag dies als Effekthascherei und als Mittel zum Aufpolieren des Images sehen, doch letztlich profitieren die Fair-Trade-Produzenten vor Ort davon.

Der Absatz an Fair-Trade-Produkten steigt kontinuierlich und im zweistelligen Prozentbereich. Alleine in Deutschland wurden 2010 für 413 Millionen Euro Fair-Trade-Produkte gekauft. 180 Partnerfirmen vertreiben 1.000 Fair-Trade-Produkte in insgesamt 30.000 Geschäften und 18.000 Gastronomiebetrieben aus 60 Ländern. Mit 45 Prozent Anteil an fairen Produkten führt Kaffee, gefolgt von Tee, Zucker und Kakao beziehungsweise Schokolade.

Auch die Anzahl jener, die Fair-Trade-Produkte herstellen steigt kontinuierlich. Seit 2008 stieg die Anzahl der Produzenten - Bauern und Arbeiter -, von 972.000 auf 1,2 Millionen. 58 Prozent hiervon produzieren Fair-Trade-Produkte in Afrika, 25 Prozent in Lateinamerika und der Karibik sowie 17 Prozent in Asien und Ozeanien.

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Kakao und Zucker steigen in der Produktion besonders und im zweistelligen Bereich. Dagegen ist die aufwändig zu produzierende Baumwolle allmählich ein Sorgenkind. Von 2008 bis 2010 ist die verarbeitete Menge an Fair trade-Baumwolle um fast ein Drittel auf 55 700 Tonnen gesunken. In der gleichen Menge die Zahl der Anbaubetriebe auf nur noch 58.500. Offensichtlich sind die Anbaukosten und der Aufwand für Fair-Trade-Baumwolle einfach zu hoch. Und der Endpreis wird insbesondere von Großhandelsketten nicht akzeptiert. So hat der englische Branchenriese Marks & Spencer Fair-Trade-Baumwollprodukte klammheimlich auf den Rückzug gemacht. Scheinbar stimmen die Margen nicht mehr beim größten Textilhersteller in Großbritannien.

Ein anderes Beispiel dafür, das Fair-Trade nicht immer volle Akzeptanz hat, ist an der Ostfriesischen Teegesellschaft Laurens Spethmann GmbH & Co, kurz OTG, zu sehen. Das Unternehmen nahm kommentarlos Fair-Trade-Tee aus dem Sortiment.

Text: Jürgen Rösemeier, Depositphotos/wavebreakmedia