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Die Dohle ist Vogel des Jahres 2012.

Dohle, Vogel des Jahres 2012: Image- und Bestandsprobleme

Der NABU und der Landesbund für Vogelschutz, NABU-Partner in Bayern, haben heute die Dohle, Coloeus monedula, zum «Vogel des Jahres 2012» gekürt. Die beiden Verbände wählten den Rabenvogel auch aus dem Grund, um darauf hinzuweisen, dass die intelligenten Singvögel einen besseren Schutz benötigen.

Es ist wie bei vielen Vögeln und auch dem Vogel des Jahres 2011, dem Gartenrotschwanz: Ihre Lebensräume werden rar. Denn die Dohlen bevorzugen Mauerlöcher, Hausnischen und Dachstühle sowie Schornsteine und hohe Gebäude wie Kirchtürme. Letzteres brachte dem Vogel den Beinamen des «Pastors schwarze Taube» ein. Die Wahl der Dohle zum Vogel des Jahres 2012 begründete der NABU wie folgt: «Damit beleuchten wir eine der intelligentesten heimischen Vogelarten, die trotz ihrer Anpassungsfähigkeit immer weniger Nistmöglichkeiten findet», erklärt NABU-Vizepräsident Helmut Opitz. «Mit der Ernennung zum Vogel des Jahres wollen wir uns verstärkt für die geselligen Dohlen einsetzen, denn ihre Lebensräume werden immer mehr eingeengt», erläutert der LBV-Vorsitzende Ludwig Sothmann. Die Wahl fiel somit auf die Dohle, um die vielseitigen Gesangs- und Stimmtalente besser zu schützen, genauer ihre Lebensräume. Tatsache ist, dass Dohlen bereits in mehreren Bundesländern auf der Roten Liste der gefährdeten Arten oder zumindest auf der der Vorwarnliste für bedrohte Arten steht.

Brutplätze sind für den Vogel des Jahres 2012, die Dohle, Mangelware

Als Kulturfolger des Menschen hatten es sich die ursprünglichen Steppenbewohner in der Gesellschaft der Menschen recht gut eingerichtet. Denn die Dohle nutzte die Bauten der Menschen, Nischen und weniger exakt gebaute und abgedichtete Gebäude. Heute, im Zuge der Sanierungen und abgedichteten Neubauten fehlen diese Nistplätze.

Gleiches gilt für die Nahrungssuche. Weiden, Felder und Wiesen boten dem Vogel des Jahres 2012 einen reich gedeckten Tisch mit Käfern, Heuschrecken, Würmern und Schnecken. Für die Landwirtschaft waren sie sogar äußerst nützliche Helfer. Sie waren letztlich Partner bei der ökologischen Landwirtschaft. So lebten Mensch und Dohle jahrhundertelang in einer nützlichen Gemeinschaft. Doch, der moderne Gebäudebestand raubt dessen Brutplätze, Pestizide und Monokulturen vernichten deren Nahrungsgrundlage. Flächenversiegelungen tragen ihr Übriges bei. So ist der Dohlen-Bestand in Deutschland auf geschätzte 100.000 Brutpaare gesunken. Größere Vorkommen gibt es kaum. Allenfalls regional ist der Vogel des Jahres 2012 in größerer Dichte zu finden. Beispiel: am Niederrhein.

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Immer mehr Brutplätze für den Vogel des Jahres 2012 verschwinden

Die Dohle ist eine treue Kirchgängerin weiß der NABU. Denn sie liebt es, in Kirchtürmen zu nisten. Doch häufig werden bei Kirchturmsanierungen Einfluglöcher oder Brutnischen verschlossen oder Gitter und Gifte zum Schutz vor Tauben angebracht. Turmfalken, Schleiereulen oder Fledermäuse verlieren dadurch gleichsam ihren Brutplatz und Lebensraum. Den wiederum haben sie jedoch nur bezogen, da beispielsweise Baumhöhlen in vorbildlich gepflegten Parks und Wäldern fehlen. Auch kleine Arten wie Spatz oder Hausrotschwanz stehen oft nach der Kirchturmsanierung vor verschlossener Tür. Der NABU und der LBV setzen sich daher mit der Aktion «Lebensraum Kirchturm» für die Sicherung der Nistplätze für Dohlen und der anderen dort lebenden Tiere ein. Positiv: Seit dem Beginn der Aktion im Jahr 2007 konnten bereits 500 Kirchen für ihr wichtiges Engagement für den Tier- und Artenschutz ausgezeichnet werden. Im Dohlen-Jahr soll sich die Zahl noch weiter erhöhen.

Die Dohle ist gesellig und treu.

Die gesellige Dohle ist ein treuer und äußerst gelehriger Rabenvogel. Foto: LBV/Christian Falk

NABU fordert zum Arterhalt der Dohle: Neue Nistplätze schaffen

«Neben dem Erhalt alter Lebensräume, sollen auch neue Nistplätze für den Vogel des Jahres 2012 geschaffen werden. So gilt es, naturnahe Altholzbestände und 'Höhlenbäume' zu schützen», fordert der NABU zum Arterhalt der Dohle. Auch alte Parkbäume in Städten können diese Funktion erfüllen und dürfen nicht einer übervorsichtigen Verkehrssicherung oder Baumsanierungen zum Opfer fallen. Bei den noch traditionell in Felsen brütenden Dohlen müssen Störungen durch Kletterer vermieden werden. Durch Sperrung der betroffenen Felsen während der Brutzeit wäre ein guter Schutz der Dohle und des Vogel des Jahres 2012 gewährleistet. Und an Schornsteinen, die noch in Betrieb sind, kann man vorbeugend Schutzgitter anbringen, die eine nicht gewünschte Verstopfung verhindern. Auch das Anbringen von speziellen Dohlen-Nistkästen werde als alternativer Brutplätze vom Vogel des Jahres sehr gern angenommen. Zu beziehen sind diese über den NABU und den LBV.

Vogel des Jahres braucht eine Imagekampagne

Der Vogel des Jahres 2012 sind diese kleinsten Vertreter der Rabenvögel und gelten im Volksmund ganz wie diese als Unglücksboten und Pechvögel. Tatsächlich beeindrucken diese jedoch durch ein hoch entwickeltes Familien- und Gesellschaftsleben. Dohlen-Paare sind sich ein Leben lang treu. Zudem sind die Dohlen äußerst gelehrige Stimmenimitatoren, die andere Vögel gerne verwirren.

Generell ist der Artenschutz mehr und mehr ein Thema. Wir Menschen merken, dass das Klima Vieles bewirkt und Arten Aussterben läßt. Doch auch das menschliche Zutun verursacht sein Übriges. Beispiel: Straßen- und Städtebau wie eine Europastudie belegt. Die Gründe dafür, lesen Sie im Artikel «Artenschutz europaweit stark gefährdet».

Was kann der Einzelne tun? Zwar behaupten einige Naturschutzorganisationen das Gegenteil, doch «Vögel sollten das ganze Jahr gefüttert werden». Der führende Vogelkundler Deutschlands befürchtet sonst ein großes Vogelsterben, das teilweise schon eingesetzt hat.

Quelle: NABU, Text: Jürgen Rösemeier