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Lernort Bauernhof: Kinder, Landwirtschaft, Lebensmittel und Nachhaltigkeit
Lernort Bauernhof

Lernort Bauernhof: Ein nachhaltiges Projekt für Schulkinder

Wie wird das Korn zu Brot, der Apfel zum Saft, was frisst eigentlich eine Kuh oder wie groß ist ein Hektar? Diese und viele andere Fragen bekommen Schulkinder anschaulich und kindgerecht bei der Exkursion auf den Bauernhof erklärt. Bei dem einmaligen Projekt „Lernort Bauernhof“ können Kinder vieles lernen, auch den nachhaltigeren Umgang mit Lebensmitteln.

Wir gehen in den Supermarkt und öffnen den Kühlschrank, reißen eine Packung auf oder schlingen Fast Food in uns hinein – Kinder lernen heute nicht mehr allzu viel über die Herkunft und die Entstehung von Lebensmitteln, wodurch auch letztlich kein Respekt von dem Umgang mit diesen entstehen kann.  Ökologische, ökonomische und soziale Zusammenhänge im ganzen Lebensmittelkreislauf sollen nun gerade Schulkinder mittels der Initiative Lernort Bauernhof erfahren, die unter dem Dach der Bundesarbeitsgemeinschaft Lernort Bauernhof e. V. organisiert wird. Die Bauern, teilweise sogar als bäuerliche Pädagogen ausgebildet, bringen den Kindern die Arbeit und die ganze Entstehung von Nahrungsmitteln ‚live und in Farbe‘ und auf spielerische Weise näher. Dabei gilt es mit allen Sinnen das Landleben und die Arbeit zu erleben. Doch, im Gegensatz zu schulischen Bildung, heißt es hier eher Handeln lernen, anstatt Wissen zu büffeln. Wissen über Lebensmittel, ihre Herkunft, die damit verbundene Arbeit und ja, vielleicht auch mal, wie so manches Grün oder eine erntefrische Karotte direkt vom Acker schmeckt, unverfälscht und garantiert ohne Zusatzstoffe.

Je nach Bauernhofausrichtung werden da schon Mal Eier aus der Freilandhaltung sortiert, die Kühe gefüttert und erklärt was artgerechte Tierhaltung ist, Äpfel geerntet und daraus Saft gepresst, eine Weide eingezäunt oder Brot im Lehmofen gebacken. Es werden Saatreihen gezogen und Bohnen gesät – dabei erklärt warum beispielsweise Kohlrabi eine ideale Vorfrucht ist –, der Stall ausgemistet oder das Futter für die Kühe gemischt, gerne auch mal mittels spezieller Aufgaben das Eine oder Andere spielerisch, aber nachhaltig erlernt.

Und warum das Ganze? Der Ministerialdirektor im Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Baden-Württemberg, Wolfgang Reimer zu dem Projekt: „Persönliches Erleben weckt Verständnis und Interesse für die heimische Landwirtschaft und fördert mündiges Verbraucherverhalten“, betonte Reimer. „Für Kinder und Jugendliche sind Primärerfahrungen wichtig“, unterstrich seine Kollegin Ministerialdirektorin Dr. Margret Ruep vom Ministerium für Kultus, Jugend und Sport.

Der Besuch einer Schulklasse auf einem der zahlreichen Bauernhöfe würde nicht nur Stadtkindern ein Lernen mit allen Sinnen ermöglichen, diene dazu, eigenständige Erfahrungen und soziales Lernen beim Umgang mit Pflanzen und Tieren, mit Naturereignissen, wie zum Beispiel dem Wetter und mit endlichen Ressourcen zu fördern. Das Erlangen von einfachsten Naturerfahrungen soll jungen Menschen Realitätssinn und Bodenhaftung verleihen.

„Natur- und Tierschutz, die Qualität der Lebensmittel, das Aussehen der Kulturlandschaft und bäuerliche Wertschöpfung hat mit unserem Lebensstil zu tun. Die Einstellung, ‚das geht mich nichts an‘, können wir uns nicht leisten! Es geht um mich und dich!“, argumentierte Dr. Ruep bei einer Informationsveranstaltung vor Schülerinnen und Schülern im süddeutschen Ländle.

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Lernort Bauernhof - eine gute, sehr nachhaltige Initiative, um bereits im Kindesalter wieder mit der Herkunft und einem nachhaltigen Umgang mit Lebensmitteln vertraut zu werden.

Lernort Bauernhof wird alleine in Baden-Württemberg von mehr als 400 Bauernhöfen unterstützt, entstand im Rahmen der ‚Dekade für Nachhaltige Entwicklung‘ und wird durch Unterrichtsmaterialien ergänzt.

Bauernhofkindergarten: Auch die Kleinen kommen auf den Hof

Lernort Bauernhof: Kinder, Landwirtschaft, Lebensmittel und Nachhaltigkeit

Kinder auf den Bauernhof - eine Idee, so einfach wie genial. Und nötig. © Thinkstock

In Zeiten, in denen schon die Kleinsten lila Kühe malen und spätestens bei der Einschulung motorische Defizite aufweisen hat die Initiative Lernort Bauernhof  in ganz Deutschland zudem Bauernhofkindergärten initiiert. Diese befinden sich direkt auf oder in unmittelbarer Nähe von einem Bauernhof, inmitten von Gemüsegarten, Obstwiesen, Hühnern, Schweinen und Kühen.

So lernen bereits die Kleinsten auf spielerische, sehr sinnliche Weise (wieder) die Landwirtschaft und Natur kennen. Das direkte Miteinander mit Tier und Natur schafft ein nachhaltiges Verhältnis zu Umwelt und Natur, Abläufe und Zusammenhänge werden erkannt, lernen schon früh etwas über die Arbeitsprozesse in die sie gerne integriert werden. Lernen, entdecken, forschen, füttern, pflanzen, buddeln, klettern, rennen und auch mal große Augen machen – eine Seltenheit in der heutigen Gesellschaft, in der ein Kind mit allzu großem Bewegungsdrang schnell auch mal das angesagte ADHS diagnostiziert bekommt.

Quellen: www.lob-bw.de, www.baglob.de, Text: Jürgen Rösemeier