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Kein Haus wie jedes andere: das Mills Haus in Melbourne
Öko-Architektur

Kreative Ideen für ein nachhaltiges Haus

Eco Architektur. Ein nachhaltiges Haus, das nicht nur viel Platz zum Spielen, Arbeiten und Leben bietet. Es hat auch noch einen doppelten Boden, ein eigenes Regenwasser-System und Solarzellen auf dem Dach. Im Klartext bedeutet das Umweltbewustsein und Lebensqualität für die ganze Familie.

Stellen Sie sich vor, es ist früher Abend, in ein paar Minuten kommen die Freunde zum Abendessen vorbei – und der Fußboden im Wohnzimmer ist mit Legosteinen, Spielzeugautos und Puppenkleidern übersät. Sie müssen sich noch umziehen, den Tisch decken, haben eigentlich überhaupt keine Zeit für eine Aufräumaktion und wünschen sich nichts sehnlicher, als den ganzen Kram einfach verschwinden zu lassen.

Klingt utopisch? Im Mills, the toy management house (etwa: das Spielzeug-Management-Haus), ist das Realität. Das von den Architekten Andrew Maynard und Mark Austin entworfene nachhaltige Haus hat nämlich einen doppelten Boden: die Fläche unterhalb des Wohnzimmerfußbodens ist eine einzige große Spielzeugbox. Die Kästen lassen sich sowohl nach oben als auch zur Seite öffnen und bieten jede Menge Platz – einerseits als Erlebniswelt und andererseits, um Spielzeug strategisch sinnvoll zu verstauen. Die Designer empfehlen, sich einfach einen Besen zu schnappen und Bauklötze und Co sozusagen unter den Teppich zu kehren. Dann steht auch dem gemütlichen Abend auf der tiefer gelegenen Sofalandschaft direkt nebenan nichts mehr im Wege.

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Flure sind Platzverschwendung

Der magische Boden ist bei weitem nicht das einzige Platz sparende Element, das sich die Architekten haben einfallen lassen. Aus dem ursprünglich eingeschossigen Reihenhaus mit wenig Raum zur Entfaltung haben Maynard und Austin mit einer Menge kreativer Ideen eine geräumige Wohlfühloase für die ganze Familie geschaffen. Ein Grundgedanke der beiden ist, dass Flure an sich Platzverschwender sind. Einen der Korridore haben sie daher kurzerhand zur Küche gemacht, sodass der ursprünglich für diesen Zweck vorgesehene Raum jetzt als Wohnraum genutzt werden kann.

Im Kinderzimmer dienen die Regalbretter erstens als Stauraum, zweitens als Sitzgelegenheit und drittens als Stufen zum Hochbett. Das Elternschlafzimmer wird gut zwei Meter größer, wenn die Wand zum Flur hin zur Seite geschoben wird. Riesige Fenster lassen das Badezimmer geräumiger erscheinen und geben den Bewohnern fast schon das Gefühl, im Freien zu sein. Überhaupt verschwimmen im Mills Haus durch helle Farben, klare Linien und viel Licht immer wieder die Grenzen zwischen drinnen und draußen.

Zu viel Spielzeug auf dem Boden? Einfach im doppelten Boden verschwinden lassen

Grün, hell und luftig

Das passt zum grünen Wesen des nachhaltigen Hauses. Die Architekten haben es sich zum Ziel gemacht, Licht und Luft maximal zu nutzen und dabei Heizung und Kälteregulierung im Haus so gering wie möglich zu halten. Zu diesem Zweck wurde eine leistungsfähige Wärmedämmung installiert. Während die Front aussieht wie die eines ganz normalen Reihenhauses ist die Rückseite mit einer weißen, perforierten Metallfassade ausgestattet, die das Sonnenlicht filtert. Bewässerung und Toilettenspülung werden über ein Auffangsystem für Regenwasser gespeist und ein Teil der im Haus benötigten Energie kommt direkt von den auf dem Dach installierten Solarzellen.

Indem der nachhaltige Aspekt auch beim Mills Haus das Zentrum ihrer Arbeit bildet, bleiben die australischen Architekten von Austin Maynard Architects sich treu. Auch ihre übrigen Gebäude überzeugen mit jeder Menge innovativer und kreativer Elemente und mit einer verantwortungsvollen Nutzung natürlicher Ressourcen. Ein weiterer Teil ihrer Arbeit besteht in der Konstruktion von „zero waste furniture“, also Möbelstücken, bei deren Produktion keinerlei Müll anfällt. Der „zero waste table“ ist ein solcher müllfrei produzierter Tisch, der auf viele verschiedene Arten genutzt werden kann: als Schreib-, Küchen-, Ess- oder Waschtisch, als Regal, als Sitzgelegenheit und und und.

Ein nachhaltiges Haus, das nicht nur viel Platz zum Spielen, Arbeiten und Leben bietet.

Spaß ist wichtiger als Arbeit

Firmengründer Andrew Maynard hat bereits jede Menge Preise für seine Arbeit bekommen, hält regelmäßig Vorträge und ist international bekannt. Außerdem ist er zutiefst überzeugt, dass Arbeit bei weitem nicht das wichtigste im Leben ist. Sehr untypisch für die Architekturszene, die für ihre teilweise übertriebene Arbeitsmoral bekannt ist. Doch Maynard und seine Kollegen sagen ganz klar: uns geht es nicht ums Geschäft. Wir sind nicht interessiert am „business“, sondern am Leben, an Familie und Freunden, an Zufriedenheit, Spaß und echte Anerkennung für geleistete Mühen. Mal ganz abgesehen davon, dass Andrew Maynard darüber hinaus auch noch einen großen Teil seines Einkommens spendet, vegetarisch lebt (oder es zumindest versucht) und seine Mitarbeiter jeden Tag pünktlich um 17.30 Uhr nach Hause schickt – die nachhaltigen Häuser der australischen Architekten können sich definitiv sehen lassen.

Ein ordentliches Kinderzimmer ist dank der kreativen und Platz sparenden Elemente im Mills Haus kein Problem

ecowoman Tipp: Wer mehr wissen möchte: die Homepage von Austin Maynard Architectures ist zwar etwas unübersichtlich, doch die vielen Bilder und witzigen Geschichten entschädigen dafür. Hier geht’s zur Seite.

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Quellen: Austin Maynard Architects, Bild: Peter Bennetts, www.peterbennetts.com, Text:  Ronja Kieffer