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Modernes Wohnen und Nachhaltigkeit schließen sich keineswegs aus ? sie haben allerdings ihren Preis.
Das energieeffiziente Eigenheim

Der Weg zum energieeffizienten Eigenheim

Die überarbeitete Fassung der Energieeinsparverordnung und die EU-Gebäuderichtlinie verlangen, dass ab 2019/2021 alle Neubauten als „Niedrigstenergiehäuser“ konzipiert werden. Grund genug für angehende Häuslebauer, sich mit den besonderen Voraussetzungen für ein energieeffizientes Eigenheim auseinanderzusetzen.

Die Verordnung über energiesparenden Wärmeschutz und energiesparende Anlagentechnik bei Gebäuden – oder kurz die Energieeinsparverordnung beziehungsweise noch kürzer die EnEV – ist in Deutschland seit 2002 in Kraft. Seit dem 1. Januar 2016 ist die aktuelle Novelle der Verordnung wirksam, die gerade für Neubauten eine weitere Verschärfung der energetischen Vorgaben vorsieht: Der Jahres-Primärenergiebedarf muss im Durchschnitt um weitere 25 Prozent gesenkt werden, die Wärmedämmung der Gebäudehülle um durchschnittlich 20 Prozent effizienter sein.

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Höhere energetische Anforderungen

Die Neuerung ist nicht allein der Notwendigkeit einer (noch) nachhaltigeren Bauweise geschuldet, sondern auch den Vorgaben auf europäischer Ebene. Hier gilt ab dem Jahr 2021 der Niedrigstenergiegebäudestandard für alle privaten Neubauten. Wie die neuen Anforderungen in diesem Zusammenhang letzten Endes konkret aussehen sollen, wird spätestens bis Ende 2018 erarbeitet.

Nichtsdestotrotz haben die Anforderungen der EnEV 2016 bereits ihre Gültigkeit und zwar für alle Neubauten

·         deren Bauantrag ab dem 1. Januar 2016 eingereicht wurde;

·         deren Bauanzeige ab dem 1. Januar 2016 eingereicht wurde;

·         die keine Genehmigung oder Anzeige benötigen, deren Bau aber ab dem 1. Januar 2016 ausgeführt wird.


Zu den allgemeinen Pflichten, die in allen Gebäuden (also Wohn- wie auch Nichtwohngebäuden) eingehalten werden müssen gehört die Einhaltung eines Mindestwärmeschutzes für die oberste Geschossdecke und die Berücksichtigung eines festen Primärenergiefaktors für den elektrischen Strom aus nicht erneuerbaren Quellen. Nur auf diese Weise kann auch der geänderte Energieausweis – der jetzt anhand von Energieeffienzklassen für Gebäude auf Grundlage der Endenergiebasis vergeben wird – erhalten werden. Möglich ist dies, abgesehen von den eingangs erwähnten Verschärfungen, beispielsweise durch eine effizientere Anlagentechnik für die Heizung, die Kühlung, die Lüftung und die Warmwasserbereitung.

Die EnEV 2016 sieht eine um 20 Prozent effizientere Gebäudedämmung für Neubauten vor. Um dies zu erreichen wird zukünftig der Einsatz von hochdämmenden Fenstern noch wichtiger.

Die EnEV 2016 sieht eine um 20 Prozent effizientere Gebäudedämmung für Neubauten vor. Um dies zu erreichen wird zukünftig der Einsatz von hochdämmenden Fenstern noch wichtiger.

Möglichkeiten der Umsetzung

Die erneuerte EnEV bedeutet also für zukünftige Eigenheimbesitzer zwingend eine immer stärkere Hinwendung zu ökologischen und nachhaltigen Technologien. Die möglichen Maßnahmen zur Erfüllung der energetischen Anforderungen stecken zwar in einem vergleichsweise engen Korsett, erlauben aber immer noch eine große Vielfalt in der baulichen Umsetzung. Das gilt vor allem in Bezug auf die Wärmedämmung, die sich problemlos durch Fenster mit hohem Dämmfaktor, ein dickeres Mauerwerk oder zusätzlichen Leichtputz auf der Fassade verbessern lässt.

Spielraum besteht auch hinsichtlich des Primärenergiebedarfs, allerdings lassen sich längst nicht alle denkbaren Lösungen ohne Einschränkungen umsetzen. Insbesondere bei den Heizungssystemen muss daher stärker denn je darauf geachtet werden, was möglich ist und was außerhalb der neuen energetischen Vorgaben liegt. Hier kommt es letzten Endes auf die richtige Kombination der verwendeten Anlagen an: Wärmepumpen, die mit regenerativem Strom betrieben werden, sind in dieser Hinsicht immer eine gute Lösung, da sie unter Umständen keine weiteren Maßnahmen mehr erfordern – und zudem von staatlicher Seite gefördert werden.

Heizungssysteme, die mit fossilen, nicht-regenerativen Energieträgern wie Öl oder Erdgas betrieben werden, brauchen aber inzwischen einen Ausgleich in Form ergänzender technischer Lösungen. Das kann über die Wärmedämmung geschehen oder durch den Einsatz einer Solarthermieanlage für die Heizungsunterstützung. Denn: Wärme und Strom, die aus erneuerbaren Energien gewonnen werden, gehen nicht in die Berechnung des Primärenergiedarfs mit ein.

Kostenfaktor nachhaltiges Wohnen

Die gesetzlich verordnete, noch einmal unterstrichene Aufforderung zu mehr Energieeffizienz sollte keineswegs als Schikane für Hausbauer verstanden werden, sie ist vor dem Hintergrund des Ressourcen- und Umweltschutzes schlichtweg eine Notwendigkeit. Allerdings kann (oder muss) nachhaltiges und ökologisches Bauen sehr viel ganzheitlicher begriffen werden. Verbesserungen im Bereich des Energiebedarfs sind ein enorm wichtiger Schritt, aber längst nicht der letzte – wer beim Hausbau wirklich auf Nachhaltigkeit setzen möchte, achtet auf die Langlebigkeit, Regionalität und Umweltverträglichkeit der verwendeten Baustoffe. Was für den gewöhnlichen Wocheneinkauf der Lebensmittel gilt, ist für die eigenen vier Wände schließlich nicht weniger wichtig.

Überhaupt geht es ja letztlich um die Bewohner selbst, die in gleicher Weise von einem ökologischen Wohnkonzept profitieren können wie Umwelt und Klima. Nachhaltigkeit, Wohnkomfort und Folgekosten lassen sich durch ‚grünes Bauen‘ perfekt miteinander verbinden. Eine Anpassung an die individuellen Bedürfnisse (ganz zu schweigen von den baulichen Voraussetzungen des Grundstücks etc.) hat natürlich im wahrsten Sinne des Wortes ihren Preis. Maßgeschneiderte Lösungen und die technischen Vorgaben machen energieeffizientes und nachhaltiges Bauen zunächst einmal zu einer nicht zu unterschätzenden Investition, die entstehenden Kosten amortisieren sich dabei oftmals nur langfristig betrachtet.

?Grünes Bauen? ist allein schon durch die höheren Anforderungen an die Energieeffizienz mit Mehrkosten verbunden ? Fördermittel können jedoch helfen, diese auszugleichen.

„Grünes Bauen“ ist allein schon durch die höheren Anforderungen an die Energieeffizienz mit Mehrkosten verbunden – Fördermittel können jedoch helfen, diese auszugleichen.

Dennoch ist der finanzielle Mehraufwand für Neubauten mittlerweile unvermeidlich und stellt unter Umständen eine erhebliche Belastung für die Finanzierungspläne dar. Selbst in Zeiten vergleichsweise niedriger Zinsen ist eine vorausschauende Planung immer angeraten, damit nach Ablauf der ersten Zinsbindung keine unnötig hohen Folgekosten entstehen, beispielsweise durch eine Anschlussfinanzierung. Hier lässt sich durch entsprechende Anpassungen an die persönlichen finanziellen Umstände – wenn zum Beispiel zusätzliche Geldmittel zu erwarten sind, die in eine Sondertilgung einfließen können – durchaus Geld sparen, bis das Traumhaus endgültig bezahlt ist.

Immerhin gibt es alternativ die Möglichkeit, Förderprodukte in Anspruch zu nehmen, die sich inzwischen ebenfalls an den gesetzlichen Vorgaben orientieren. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) lässt beispielsweise ihre bisherige Förderung des Effizienzhaus 70 zum 31. März 2016 auslaufen, weil Neubauten nach diesem Konzept zukünftig im günstigsten Fall noch die Mindestanforderungen erfüllen könnten. Stattdessen wird seit dem 1. April 2016 das neue KfW-Effizienzhaus 40 Plus unterstützt und das mit bis zu 100.000 Euro. Die energetischen Anforderungen sind dabei im Vergleich zum „normalen“ Effizienzhaus 40 gleich geblieben, allerdings sind einige technische Ergänzungen erforderlich. Dazu gehören zwingend

·         eine stromerzeugende Anlage auf Basis erneuerbarer Energien,

·         ein stationäres Batteriespeichersystem, also ein Stromspeicher,

·         eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung und

·         ein Benutzerinterface, das sowohl die Stromerzeugung als auch den Stromverbrauch visuell abbilden kann.

Der Lohn der Mühen

Sicher, nachhaltiges Bauen ist ein echter Kostenfaktor. Aber nur so sind Einsparungen überhaupt möglich – und die betreffen zwar in erster Linie den Energiebedarf und die CO2-Produktion, im Umkehrschluss sind sie aber mittel- bis langfristig auch eine Entlastung für den eigenen Geldbeutel. Bessere Wärmedämmung und die Erzeugung von Strom aus regenerativen Quellen am und im Haus selbst senken logischerweise die entstehenden Heiz- und Stromkosten.

Solaranlagen können sowohl die Heizung als auch Stromerzeugung im Neubau unterstützen ? ohne CO2 zu produzieren.

Solaranlagen können sowohl die Heizung als auch Stromerzeugung im Neubau unterstützen – ohne CO2 zu produzieren.

Wie hoch die Einsparungen für die einzelnen Haushalte tatsächlich ausfallen können, verrät schon der Blick auf den Monitoring-Bericht der Energieeffizienzprogramme der KfW aus dem Jahr 2013: Bei allen aufgeführten Energieträgern konnte der Wert für die Endenergie in zum Teil ganz erheblichem Maße reduziert werden. Gegenüber dem Referenzfall lag die Bilanz von Gas, Biomasse, Strom und Fernwärme teilweise um mehr als 50 Prozent niedriger. Der Primärenergiebedarf konnte mit den ergriffenen Maßnahmen um rund ein Drittel gesenkt werden. Bei der Minderung des Ausstoßes von Treibhausgasen setzt der gewünschte Effekt zwar erst mit einer einjährigen Verzögerung ein – dann aber kumuliert er selbstverständlich mit den Einsparungen, die von bereits vorher realisierten Neubauprojekten erzielt werden, so dass sich der Effekt jährlich erhöht.

Neben den erfreulichen Effekten im Hinblick auf die zu entrichtenden Unkosten und auf die Entlastung von Ressourcen, Klima und Umwelt ist ökologisches Bauen aber seit einigen Jahren – über den pragmatischen Nutzen hinaus – eine prestigeträchtige Angelegenheit. Dafür sorgt die Auszeichnung der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB e.V.), die seit 2013 im Rahmen der Neuauflage des Wettbewerbs „Nachhaltiges Bauen“ verliehen wird.

Prämiert werden dabei bereits fertigstellte Gebäude, die eine besonders gelungene architektonische Antwort auf die heutigen Anforderungen haben, unter ökologischen, sozialen oder ökonomischen Aspekten. Nachhaltigkeit beim Bauen wird damit auch einer breiteren Öffentlichkeit als eine in vielerlei Hinsicht lohnenswerter Ansatz präsentiert. Die aktuelle Runde läuft im Übrigen noch – wer sein Projekt auf Wettbewerbsebene vorstellen möchte, kann noch bis zum 10. Juni 2016 seine Bewerbung einreichen.

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Bilder:fotolia.com © KB3, © Ingo Bartussek, © pogonici, © Gina Sanders, Text: red