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Vier verschiedene Zedernarten begrünen den vertikalen Wald in Lausanne
Nachhaltiger Städtebau

Sieht so das urbane Leben der Zukunft aus?

Das Thema nachhaltiger Städtebau beschäftigt viele Architekten weltweit. Ein italienisches Team setzt auf den vertikalen Wald als innovative Zukunftslösung. Ob in der Schweiz oder in China – wenn es um nachhaltiges Bauen geht, sind diese Architekten ganz vorne mit dabei.

Grüne Hochhäuser sind Teil des zukünftigen Stadtbilds aller größeren Städte. Meist sind nur graue Betonfassaden zu sehen, doch im schweizerischen Lausanne wird bald ein grüner, 117 Meter hoher Turm viele Blicke einfangen. Es handelt sich um den „Tour des Cèdres“, also den „Turm aus Zedern“. Wie der Name schon verrät, kommt der grüne Anstrich also durch 100 Zedern zustande, die auf dem Gebäude gepflanzt werden. Dazu kommen 6.000 Stauden und 18.000 mehrjährige hängende Pflanzen und Bodendecker, die es zu einem echten vertikalen Wald machen.  

Grün, grüner, Lausanne: Inmitten der Schweizer Gemeinde entsteht der ?Tour des Cèdres? aus 100 Zedern und Tausenden von Pflanzen

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Vertikaler Wald macht das Stadtbild grüner

Die Zeder ist ein immergrüner Baum, der bereits in der Antike als heilig verehrt wurde und für seine große Anpassungsfähigkeit an extreme Klimabedingungen bekannt ist: Er wächst sowohl im Mittleren Osten als auch im Himalaya-Gebirge. Es gibt vier verschiedene Zedernarten, die allesamt den „Tour des Cèdres“ begrünen werden. Dessen 36 Stockwerke werden sowohl Privatwohnungen als auch Büros und Dienstleister sowie ein Fitnessstudio beherbergen. Im obersten Stock soll es ein Panorama-Restaurant geben, das einen einzigartigen Blick auf die umliegenden bewaldeten Hänge und den Genfer See bietet.

Die verschiedenen Sphären des Lebens werden bewusst miteinander verbunden: Der ?Tour des Cèdres? beheimatet sowohl Privatwohnungen als auch Büros

Die Tatsache, dass das Gebäude zu 80 Prozent aus immergrünen Bäumen besteht – was es übrigens weltweit zum ersten seiner Art macht – bedeutet ein riesiges ökologisches Potential. Denn die vielen Bäume und Pflanzen säubern die Luft, indem sie Feinstaub und CO2 herausfiltern, und produzieren außerdem jede Menge Sauerstoff. Das Team rund um den italienischen Stararchitekten Stefano Boeri möchte mit dem „Tour des Cèdres“ urbane Lebensqualität mit Nachhaltigkeit und Biodiversität verbinden und so ein Symbol einer neuen, ausgeglichenen Beziehung zwischen den Sphären der Stadt und der Natur schaffen.

Modernes Wohnen ist grün ? auch in der Stadt

Grünes Utopia soll in China entstehen

Nach dem im Jahr 2014 fertiggestellten Bosco Verticale in Mailand, der zahlreiche Preise gewonnen hat, ist der „Tour des Cèdres“ in Lausanne bereits der zweite vertikale Wald der Architekten vom Studio Stefano Boeri Architetti (SBA). Und es ist noch nicht der letzte. Die Italiener arbeiten derzeit verstärkt an Prototypen für soziales und nachhaltiges Wohnen. Ihr neuestes Projekt ist ein wahres Utopia.

Mitten in China soll eine Stadt entstehen, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat. Und zwar in Shijiazhuang, der Stadt mit der größten Luftverschmutzung in ganz China. Auf einer Fläche von gerade mal 2,25 Quadratkilometern sollen 100.000 Menschen in vertikalen Wäldern wohnen, arbeiten und leben. Die „Forest City“ (engl. „Wald-Stadt“) soll ein urbanes Ökosystem bilden, das in fünf Stadtteile mit je 20.000 Einwohnern und einen zentralen Platz (central park) aufgeteilt ist, der das Krankenhaus, die Schule und weitere öffentliche Einrichtungen beheimatet. 

Die ?Forest City Shijiazhuang? ist ein wahres Utopia

Nachhaltiges Bauen in vertikaler Dimension

Abgesehen von den offensichtlichen ökologischen Vorteilen einer solchen grünen Stadt, zu denen eine bessere Luftqualität und eine größere Biodiversität gehören, bringt die vertikale Dimension noch weitere positive Effekte mit sich. Zum einen wird keine landwirtschaftliche Fläche bebaut: Für eine Stadt dieser Größenordnung wären normalerweise 250 Quadratkilometer, also mehr als das Zehnfache an Fläche notwendig. Außerdem entstehen wesentlich weniger Kosten für den öffentlichen Verkehr und es findet ein deutlich geringerer Energieverbrauch statt. Und auch ästhetisch macht so ein vertikaler Wald einiges her, da er sich je nach Jahreszeit und Klima ständig verändert.

Die „Forest City Shijiazhuang“ könnte durchaus zu einem neuen Modell des Städtebaus und des nachhaltigen Wachstums in China werden, wo ein nur schwer kontrollierbarer Zuzug von jährlich Millionen von Landwirten in die Städte stattfindet. Das Problem der wachsenden Städte gibt es auch in Europa, weshalb der „Tour des Cèdres“ ebenfalls Symbolcharakter für das urbane Leben der Zukunft haben und zum Vorbild für nachhaltiges Bauen werden könnte. Weitere Informationen zu den Projekten von Stefano Boeri Architetti und zu allen Projektpartnern finden Sie hier.

Die grüne Wald-Stadt könnte zum Modell für nachhaltigen Städtebau in China werden

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Quellen: Stefano Boeri Architetti  - Milano, Bild: Stefano Boeri Architetti  - Milano, Text: Ronja Kieffer