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Schilddrüsenunterfunktion:

Schilddrüsenunterfunktion: Ein Kraftwerk gerät aus dem Takt

Schon ein kleines Ungleichgewicht der Hormonproduktion in der Schilddrüse kann die Gesundheit beeinträchtigen. Eine häufige Ursache ist eine Unterfunktion des schmetterlingsförmigen Organs. Ecowoman gibt einen Überblick über Symptome, Diagnose und Behandlungsansätze.

Ständiges Frieren, immer müde oder auch grundloses in Tränen ausbrechen: Typische Symptome, von denen Betroffene einer Schilddrüsenunterfunktion berichten und die oftmals erst viel später diagnostiziert wird. Dabei ist sie leicht zu behandeln und Patienten leiden unnötig lange, bevor sie das richtige Ergebnis haben.

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Schilddrüsenunterfunktion: Häufig auftretende Symptome

Doch die Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion sind häufig so unspezifisch und wirken sich von Patient zu Patient anders aus, sodass die Ursache in vielen Fällen zunächst an einer anderen Stelle im Körper vermutet wird.

Weitere Anzeichen einer Schilddrüsenunterfunktion können zum Beispiel folgende sein, wobei die Symptome nie alle oder gleichermaßen stark auftreten müssen:

  • Leistungsabfall und fehlende Motivation
  • depressionsartige Verstimmungen
  • brüchige Nägel, Haarausfall oder stumpfes Haar
  • Gewichtszunahme trotz Appetitlosigkeit
  • trockene, teigige oder geschwollene Haut
  • tiefe und heisere Stimme
  • unregelmäßiger Zyklus bei Frauen und Erektionsprobleme bei Männern
  • Atemnot bei Bewegung

Die Patienten haben das Gefühl, dass ihre körperlichen und mentalen Kräfte schwinden, zudem fühlen sie sich niedergeschlagen und traurig. Kein Wunder also, dass eine Schilddrüsenunterfunktion zunächst auch mit einer psychischen Erkrankung verwechselt werden kann. Je nach Alter suchen einige auch die Ursache bei der hormonellen Veränderung ihres Körpers, wie zum Beispiel in den Wechseljahren.

Schilddrüsenunterfunktion: Kraftwerk des Körpers ist defekt

Ärzte raten jedoch, spätestens wenn nach anhaltender Müdig- und Antriebslosigkeit noch weitere Anzeichen wie Haarausfall, Verstopfung und Appetitlosigkeit dazukommen, sollte man unbedingt einen Arzt aufsuchen. Ein Bluttest kann dann die nötige Gewissheit liefern.

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Denn leidet ein Mensch an einer Schilddrüsenunterfunktion, werden zu wenig Hormone produziert, die jedoch für den menschlichen Organismus und insbesondere für den Stoffwechsel essenziell wichtig sind.

Ist das schmetterlingsförmige Organ intakt, produziert es aus Eiweiß und Jod das Schilddrüsenhormon Thyroxin (T4). Im Körper entsteht dann aus T4 das zweite wichtige Hormon Trijodthyronin (T3). Stellt die Schilddrüse allerdings nicht genug der Hormone her, liegt eine Schilddrüsenunterfunktion vor - oder in medizinischen Fachkreisen auch Hypothyreose genannt.

Thyroxin und Trijodthyronin benötigt der Körper, um den Stoffwechsel in Gang zu bringen, den Kreislauf intakt zu halten sowie das Wachstum und das psychische Wohlbefinden zu aktivieren und stabilisieren.

Ursachen einer Schilddrüsenunterfunktion: Schleichender Prozess

In vielen Fällen entwickelt sich die Schilddrüsenunterfunktion erst im Alter. Charakteristisch ist hierbei der schleichende Prozess der Entwicklung der Krankheit, bei dem zu Beginn die Beschwerden noch harmlos und relativ gering ausgeprägt sind. Das Problem, dass die Unterfunktion erst spät erkannt wird, tritt deshalb hier relativ häufig auf.

Ärzte unterscheiden laut der Techniker Krankenkasse daher zwischen einer erworbenen, sekundären Schilddrüsenunterfunktion und einer angeborenen, primären Hypothyreose. Wobei Letzteres in Deutschland sehr selten vorkommt. So wurde im Schnitt nur bei einem von rund 4000 Säuglingen eine Schilddrüsenunterfunktion festgestellt.

Eine angeborene Unterfunktion kann sich bereits im Mutterleib oder kurz nach der Geburt entwickeln. Mögliche Ursachen sind hierfür unter anderen, dass die Schilddrüse schlichtweg fehlt, zu klein ist oder dass es aufgrund einer Erkrankung oder eines akuten Jodmangels der Mutter zu einer Schädigung der Schilddrüse des Kindes gekommen ist.

Mögliche Gründe für eine sekundäre Schilddrüsenunterfunktion

Weitaus häufiger wird die Schilddrüsenunterfunktion dem Deutschen Schilddrüsenzentrum zufolge im Lauf des Lebens erworben. Dann kann die Erkrankung in einer Reihe anderer Ursachen begründet liegen. Eine der häufigsten ist, dass die Unterfunktion der Schilddrüse in Folge von Hashimoto-Thyreoiditis, eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse, auftritt. Betroffene leiden kontinuierlich unter einer Entzündung des Hormon-produzierenden Organs.

Neben der Autoimmunerkrankung können folgende Faktoren ebenfalls die Ursache für eine Unterfunktion sein:

  • Ausgeprägter Jodmangel: Jod muss über die Nahrung aufgenommen werden. Passiert das über einen langanhaltenden Zeitraum zu wenig, kann sich eine Schilddrüsenunterfunktion entwickeln. In Deutschland ist das allerdings nur selten der Fall. Indem man jodiertes Speisesalz zum Würzen nutzt, kann man dem zusätzlich vorbeugen.

Algen als natürliche Jodquelle

  • Hoch dosierte Medikamente, die in der Krebsbehandlung oder bei einer Schilddrüsenüberfunktion eingenommen werden, können in Einzelfällen eine Unterfunktion auslösen.
  • Strahlentherapie bei Schilddrüsenkrebs oder eine Operation, bei der beispielsweise ein Kropf entfernt werden musste

Verdacht einer Schilddrüsenunterfunktion: Ärztliche Untersuchung und Diagnose

Die erste Anlaufstelle, wo man Krankheitssymptome anspricht, ist in der Regel der behandelnde Hausarzt. Zieht dieser aufgrund der geschilderten Symptome eine Schilddrüsenerkrankung in Betracht, kann er auch erste notwendige Basisuntersuchungen durchführen, die schon ein erstes Ergebnis liefern können.

Dazu gehört die Tastuntersuchung, bei der der Hausarzt feststellen kann, ob die Schilddrüse vergrößert ist oder ob sich etwaige Knoten gebildet haben. Die Veränderungen der Schilddrüse können auch anhand einer Ultraschalluntersuchung erkannt werden und wird deshalb von einigen Hausärzten vorgenommen.

Außerdem gehören die Blutabnahme und eine Untersuchung der Hormonwerte zu den ersten Schritten des Diagnoseverfahrens einer Schilddrüsenerkrankung. Stellen sich bei diesen Untersuchungen bereits erste Abweichungen heraus, kann der Hausarzt den Betroffenen an einen Facharzt verweisen.

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Das kann zum Beispiel ein Internist oder ein Arzt der Endokrinologie sein – ein Teilgebiet der inneren Medizin, die sich mit hormonellen Veränderungen und daraus resultierenden Erkrankungen im Körper befasst.

Diagnose Schilddrüsenunterfunktion: Therapie und Behandlungsmethoden

Wurde eine Schilddrüsenunterfunktion festgestellt, gilt es den Hormonmangel wieder auszugleichen. Mit Medikamenten, die das synthetisch hergestellte Schilddrüsenhormon Thyroxin enthalten, ist das aber in der Regel gut möglich. Der Wirkstoff  L-Thyroxin bringt die Hormonwerte wieder ins Gleichgewicht, sodass die Beschwerden in der Regel vollständig zurückgehen.

Die Dosis, wie das L-Thyroxin verabreicht wird, ist von Patient zu Patient unterschiedlich. Auch kann sie sich im Laufe der Zeit verändern, weshalb eine in regelmäßigen Abständen eine Überprüfung durch den Arzt erfolgen muss. Ebenso die Wechselwirkung mit anderen Medikamenten sollte immer vorab geklärt werden.

Behandlung einer Schilddrüsenunterfunktion mit L-Thyroxin

Eine Schilddrüsenunterfunktion gilt grundsätzlich als gut behandelbar und die Betroffenen sind bei regelmäßiger und korrekter Einnahme der Tabletten in ihrer Lebensqualität nicht dauerhaft eingeschränkt.

Dafür sollte L-Thyroxin im Idealfall laut der Techniker Krankenkasse täglich morgens auf nüchternen Magen und eine halbe Stunde vor dem Frühstück mit einem Glas Wasser eingenommen werden. Dann wird der Wirkstoff vom Körper gut aufgenommen und es treten normalerweise selten Nebenwirkungen auf, sobald der Patient richtig auf die Hormone eingestellt ist.

Hinweis: Dieser Text dient nicht der Selbstdiagnose oder -behandlung. Er enthält nur allgemeine Informationen und keine individuellen Antworten. Eine Schilddrüsenunterfunktion sollte in jedem Fall mit einem Arzt abgeklärt werden. Der Artikel kann den Arztbesuch nicht ersetzen.

Quelle, Bilder: Depositphotos: Valentyn_Volkov, elenathewise, Text: Lisa Bender