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Bevölkerung akzeptiert Schnitzel aus der Petrischale
In-vitro-Fleisch

Bevölkerung akzeptiert Schnitzel aus der Petrischale

Kann künstliches Fleisch aus dem Labor eine Alternative zu normalem Fleisch sein? Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) fanden heraus, dass das Schnitzel aus der Petrischale in der Bevölkerung immer akzeptierter wird.

Verbraucher sehen künstliches Fleisch aus dem Labor als eine von vielen möglichen Alternativen zu normalem Fleisch. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) nach Befragungen und Diskussionsrunden.

In Zukunft sollen keine Tiere mehr sterben müssen, damit wir Fleisch essen können. Diese Vorstellung klingt doch vielversprechend und wird von den Verbrauchern scheinbar akzeptiert - zu diesem Ergebnis kamen jedenfalls Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie.

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Labor-Fleisch als Alternative zur Massentierhaltung?

Durch Massentierhaltung und Fleischskandale ist die Fleischlust im Volk bereits jetzt rückläufig und immer mehr Menschen greifen ersatzweise zu Veggie-Wurst und Soja-Steak. 

Doch wie sieht es mit Labor-Fleisch aus? Das künstliche Fleisch - auch In-Vitro-Fleisch genannt - entsteht, indem tierische Muskelzellen im Labor wachsen. Eignet sich das In-vitro-Fleisch tatsächlich als Fleischalternative? Anhand von Interviews und partizipativen Verfahren (Fokusgruppen, Bürgerjury) untersuchten die Wissenschaftlerinnen des Instituts für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) die gesellschaftliche Akzeptanz des künstlich hergestellten Fleischs. Sie befragten Experten aus Wissenschaft und Systemgastronomie genauso wie Vertreter von Umwelt- und Tierrechtsorganisationen, sowie ökologische und konventionelle Anbauverbände. Auch Bürger hatten die Möglichkeit, sich einzubringen.

In-vitro-Fleisch als Allroundlösung 

Noch ist die Herstellung des Labor-Fleischs aufwendig und nur in kleinen Mengen möglich. „In Zukunft könnte In-vitro-Fleisch jedoch vielleicht helfen, Probleme zu lösen, die unser Fleischkonsum im Hinblick auf eine wachsende Weltbevölkerung, den Klimawandel und Tierschutz bedeutet“, sagt Inge Böhm von ITAS.

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Laborfleisch stößt auf viel Akzeptanz

Laut Studie sieht die Mehrheit der Teilnehmer das In-vitro-Fleisch als eine mögliche Alternative zur konventionellen Fleischproduktion. Gleichzeitig stößt das künstliche Fleisch jedoch bei denjenigen auf Widerstand, die die Zukunft der Ernährung in einer Reduktion des Fleischkonsums und dem ökologischen Umbau der Landwirtschaft sehen. Die Skeptiker befürchten außerdem eine fortschreitende Entfremdung des Menschen von der Natur und die Gefahr einer Monopolisierung der In-vitro-Fleisch-Produktion.

 „Der überwiegende Teil der Gesellschaft, wünscht sich, dass die Politik Strategien entwickelt, um den Fleischkonsum zu reduzieren, die nachhaltige Umgestaltung der Landwirtschaft voranzutreiben, sowie Forschung und Entwicklung pflanzenbasierter Alternativen zu fördern“, so Böhm. „Mit der Kultivierung von tierischen Muskelstammzellen in einer Zellkultur wäre es eventuell nicht länger nötig, unter enormem Ressourcenaufwand Tiere erst heranzuzüchten und dann zu töten“, so die Geisteswissenschaftlerin weiter.

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Kommt künstliches Fleisch wirklich so gut an?

Ob das Laborfleisch aber wirklich so gut angenommen wird, wie die Forscher glauben, bleibt fraglich. Denn zur Zeit werden sogar die Nachbildungen von Putenbrust, Schweineschnitzel oder Frikadellen aus Soja oder Seitan immer noch als umstritten angesehen, da sie vielen Verbrauchern zu künstlich sind. Auch fehlt für die Fleischproduktion aus tierischen Muskelstammzellen immer noch eine tierfreie Nährlösung.

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Quellen: Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Bilder: Depositphotos/belchonock, Text: Meike Riebe