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Abgelaufen aber super lecker
The Good Food

»The Good Food«: Auf den Teller statt in den Müll

Zu groß, zu klein, zu unförmig – laut Expertenberechnungen verschwinden jährlich mehr als 20 Millionen Tonnen, ungefähr 500.000 LKW-Ladungen, genießbarer Lebensmittel im Müll. Eine Zahl, die nicht nur angesichts wachsender Armut absolut inakzeptabel ist. Die Kölnerin Nicole Klaski und ihr The Good Food-Team haben es sich zur Aufgabe gemacht Nahrungsmittel zu retten. Wie erzählt Nicole im Interview.

Hallo Nicole. Was steckt hinter The Good Food und wie seid ihr auf die Idee gekommen die Firma zu gründen?

Ines Rainer und ich haben The Good Food 2015 gegründet. Wir kannten uns vom Foodsharing e.V. wo wir beide im Vorstand aktiv sind. Foodsharing ist ziemlich gut aufgestellt wenn es darum geht Supermarktprodukte zu retten, die ansonsten entsorgt werden würden.

Nicole ? The Good Food

Nicole setzt sich mit »The Good Food« gegen den Lebensmittelwegwurf ein.

Aber Lebensmittel werden natürlich auch an vielen anderen Stellen vernichtet. Beim Bauern etwa, der zu Kleines oder zu Krummes einfach auf dem Feld liegen oder am Baum hängen lässt oder beim Hersteller, für den unperfekte Ware oder Dead Stock aus einer Überproduktion nicht verkäuflich ist und genau hier wollten wir mit The Good Food ansetzen. Wir haben also an einem Start-up Wettbewerb teilgenommen, für sechs Monate einen Büroplatz im Colabor, einem Kölner Coworking-Space für nachhaltige Projekte gewonnen und uns an die Arbeit gemacht. Durch unsere Erfahrung bei Foodsharing und dank der Hilfe der Leute im Colabor hat sich dann ziemlich schnell ein hilfreiches Netzwerk gebildet.

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Wann ging es denn mit The Good Food richtig los?

Naja, wir haben eigentlich schon parallel zur Planung richtig Vollgas gegeben und dann im Prozess des Machens konstant dazugelernt. Im Gegensatz zu Foodsharing war relativ schnell absehbar dass wir nicht gänzlich ohne Geld auskommen würden. Schließlich müssen wir die Warenanlieferung von Herstellern bezahlen und unsere Ausflüge auf die Gemüseäcker unserer Partner finanzieren, wo man uns dann in Gummistiefeln ernten sehen kann. Ausgestattet mit einem selbst zusammengezimmerten Marktstand und Visitenkarten, die wir uns aus alten Gemüseholzkisten gebastelt hatten, fingen wir dann im Herbst 2015 an unsere Waren vor einem Hostel in Köln-Ehrenfeld zu verkaufen und weil die Betreiber unser Idee so super fanden wurden wir massiv unterstützt, konnten Tische nutzen und waren recht schnell fester Bestandteil der Szenerie. Ines musste dann leider wegen ihres anderen Jobs aussteigen aber ich hatte recht schnell zwei neue Mitstreiter. Durch einen Zufall bekamen wir dann die Möglichkeit im Juli und August das Ladenlokal eines Haushaltswarengeschäfts mit unserem Konzept temporär zu bespielen und das war eine sehr aufregende und tolle Erfahrung.

The Good Food

Mit der Miete hattet ihr aber natürlich auch mehr Kosten...

...die wir mit der Vermietung von Regalflächen für kleines Geld an Freunde und Bekannte abgefedert haben. Zudem arbeiten wir ja aktuell alle auf ehrenamtlicher Basis, da halten sich die Ausgaben im überschaubaren Rahmen.

Im Oktober habt ihr dann euren neuen Store eröffnet...

...den wir uns mit Emkie, einen Label für nachhaltig produzierte Krabbelschuhe teilen.

The Good Food ? Bio Gemüse

The Good Food wird von Bio-Bauernhöfen, Bio-Bäckereien und Herstellern von Bio-Food unterstützt.


 

Ihr habt in erster Linie Bioprodukte im Sortiment. Wie wichtig ist das für euch und wie kommt ihr an eure Waren?

Bio war von Anfang an Teil des Konzepts und es ist toll, dass wir hier von Bio-Bauernhöfen, Bio-Bäckereien und Herstellern von Bio-Food unterstützt werden. Teilweise sind die durch Presseartikel und Empfehlungen auf uns aufmerksam geworden, teilweise haben wir sie auch direkt angesprochen. Es geht uns natürlich hauptsächlich darum Lebensmittel zu retten und vor dem Müll zu bewahren. Wenn wir Ware angeboten bekommen die nicht ins The Good Food-Konzept passt vermitteln wir die an Foodsharing oder die Tafeln weiter.

Die Produkte werden euch kostenlos zur Verfügung gestellt?

Ja, Gemüse und Obst ernten wir wie gesagt sogar teilweise selbst auf dem Feld und für Lebensmittelproduzenten ist die Entsorgung der auf dem regulären Markt unverkäuflichen Ware teurer als wenn sie uns kostenlos überlassen wird.

Fleisch und Fisch finden sich nicht in euren Regalen. Was sind die Gründe dafür?

Viele Helfer aus unserem mittlerweile 15-köpfigen Team sind Vegetarier oder Veganer. Von daher käme es bei dem Thema sicherlich eh zu Grundsatzdiskussionen aber der Hauptgrund ist dass das Verbrauchsdatum bei Fleisch und Fisch im Gegensatz zum Haltbarkeitsdatum bei anderen Lebensmitteln wirklich bindend ist. Hinzu kommen Kühlketten die nicht unterbrochen werden dürfen und einiges mehr was wir derzeit einfach nicht leisten können.

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The Good Food ? zahl, was es dir wert ist

Du sprachst eben davon, dass ihr eure Waren verkauft. Das stimmt ja nur begrenzt weil eure Kunden zwar bezahlen aber den Preis dabei selbst festlegen können.

Genau. Jeder Kunde gibt nur das war er zu zahlen bereit ist. Wir haben damit bislang eigentlich nur gute Erfahrungen gemacht. So können sich auch viel mehr Leute Bioprodukte leisten.

Wer kauft bei euch ein?

Das ist ganz unterschiedlich. Junge Leute die sich intensiv mit Ernährung auseinandersetzen kommen ebenso in unseren Laden wie Mütter und ältere Menschen, die sich einfach gut ernähren wollen. Zudem zeigen wir Filme, veranstalten Konzerte und organisieren Workshops in denen wir den Leuten zeigen wie man Lebensmittel länger haltbar machen kann. Uns ist es dabei wirklich wichtig nicht als Konkurrenz sondern als Ergänzung zu Foodsharing und den Tafeln wahrgenommen zu werden.

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Gibt es Pläne für weitere Shops?

Bislang nicht aber wir sind immer offen für neue Konzepte und Ideen und bleiben äußerst flexibel. Mittwochs, Donnerstags und Freitags verkaufen wir in unserem Laden in der Maybachstrasse und Freitags und Samstags nutzen wir zudem den vorderen Teil einer türkischen Fleischerei in der Körnerstrasse als Verkaufsfläche. Schaut doch einfach mal vorbei.

Weitere Informationen unter: www.the-good-food.de

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Quellen:, Bilder:, Text: Andreas Grüter