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Mutter und Kind im Garten
Nachhaltige Erziehung

Wie erzieht man Kinder nachhaltig?

Was ist das und warum funktioniert das so? Kinder interessieren sich für alles, was sie in ihrer Umwelt antreffen. Um Licht in den Fragen-Dschungel zu bringen, helfen den Kindern die Antworten und manchmal auch einfach die Verhaltensweisen der Eltern. Alles in Allem ergeben schließlich kindliche Neugier und elterliche Fürsorge eine nachhaltige Förderung des Kindes in allen Lebenslagen. Doch wie werden die Kinder nachhaltig gefördert und das ohne Druck auszuüben?

Mit dem Ausruf „Das mag ich nicht!“ oder einfach einem skeptischen Blick beim Zusammenpressen der Lippen, machen Kinder schon früh deutlich, was sie essen möchten und was nicht. Die Vorlieben für gewisse Nahrungsmittel entwickeln sich bereits in den ersten Lebensjahren. Bei der Frage nach den Lieblingsgerichten kommen dann nicht selten Antworten wie Eis, Pommes oder Schokolade.

So ist es entscheidend, den Kleinsten bereits früh zu vermitteln, wie wichtig ein ausgewogenes und bewusstes Ernährungsverhalten ist. Denn ein nahrhafter und energiebringender Ernährungsplan hat besonders in der Kindheit in vielerlei Hinsicht einen nachhaltigen Effekt auf die körperliche Entwicklung. Kinder benötigen einerseits viel Energie, um herumtoben zu können und damit gleichzeitig ihre motorische Entwicklung voranzutreiben.

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Da Kinder dies oft noch nicht nachvollziehen können, kann sich ihre natürliche Neugier zunutze gemacht werden, um sie für gesunde Lebensmittel zu begeistern. So ist frühzeitig damit zu beginnen, Obst oder Gemüse als Snack anzubieten oder ein Spiel zu machen, bei dem die Kinder Obst- oder Gemüsesorten mit verbundenen Augen nur anhand des Geschmacks erkennen müssen. Wichtig ist dabei immer die eigene Vorbildfunktion nicht außer Acht zu lassen und das Prägen einer starken Bindung zum Kind.

Kindern sollte immer eine ausgewogene Ernährung angeboten werden. Das was und wie viel, sollte ihnen aber bis zu einem gewissen Grad eigenständig überlassen werden, denn Ernährungswissenschaftliche Studien haben ergeben, dass Kinder, die zunächst ein Lebensmittel ablehnen, dieses irgendwann doch noch probieren – und zwar meist nach dem 18. Mal. Weitere Tipps, um dem Kind einen bewussten Umgang mit seiner Ernährung beizubringen sind folgende:

  • Vorbild sein und als Zwischenmahlzeit immer wieder selbst zu Obst oder rohem Gemüse greifen.
  • Lebensmittel kindgerecht anrichten – zum Beispiel als Smiley – oder eine andere Zubereitungsart wählen. Isst das Kind keinen Karottensalat, ist es vielleicht von Karottenpüree begeistert.
  • Das Essen zum gemeinschaftlichen Ritual machen und das Essen von Butterbroten oder der abendlichen Suppe – bei der jeder genüsslich löffelt und kaut – zu etwas Selbstverständlichen werden lassen.
  • Ab und zu eine Kombination von geliebten und ungeliebten Lebensmitteln anbieten. Zum Beispiel Gemüse mit einem Klacks Ketchup.
Kind mit Keksen und Glas Milch

Die Süßigkeiten sollten nicht mehr als 10 Prozent des täglichen Energiebedarfs ausmachen.

Das Ampelprinzip mit dem Süß-Plus

Hilfestellung bei der Vermittlung einer ausgewogenen Ernährungsweise bietet eine auf die kindlichen Bedürfnisse zugeschnittene Ernährungspyramide. Diese besteht aus sechs verschiedenen Ebenen und acht Lebensmittelgruppen. Bei der Pyramide geben die Farben Grün, Gelb und Rot Auskunft über die erlaubte Menge. Die farbliche Gestaltung kann die Neugier der Kinder wecken und ihnen zudem die Zuordnung bestimmter Lebensmittel erleichtern.

Was Süßes darf´s es nach der Ernährungspyramide ab und an mal sein – das wird die Kinder mit Sicherheit freuen. Um den Genuss jedoch in Maßen zu halten, sollte Ende der Woche gemeinsam mit den Kindern immer wieder eine Ration für die nächste Woche vereinbart werden. Selbst wenn das Kind zu Übergewicht neigt, Gummibärchen und Co. nicht gänzlich streichen. Sonst verliert das Kind schnell die Lust am Abnehmprogramm.

Die Extraportion Süßes sollte jedoch nicht mehr als 10 Prozent es täglichen Energiebedarfs ausmachen. So sind zum Beispiel eine Handvoll Gummibärchen (circa 30 Gramm) und eine Portion Schokoladenaufstrich (circa 20 Gramm) durchaus im Rahmen einer nachhaltigen Ernährung erlaubt.

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Das Motto „Trinken, trinken, trinken“ zur Normalität machen

Neben dem Essen ist auch das Trinken natürlich ein wichtiger Baustein bewusster Ernährung. Kinder brauchen meist mehr Wasser als Erwachsene. Denn je jünger ein Mensch ist, desto höher ist – bezogen auf das Körpergewicht – der Wasseranteil seines Körpers. Bei Kleinkindern beträgt der Wasseranteil etwa 75 Prozent und bei Erwachsenen etwa 60 Prozent. Zudem scheiden Kinder mehr Wasser über Harn aus als Erwachsene.

Richtwerte für eine ausgewogene Flüssigkeitszufuhr sind vom ersten bis zum vierten Lebensjahr etwa fünf Gläser, zwischen vier und sieben Jahren etwa sechs Gläser und zwischen sieben und zehn Jahren etwa sechseinhalb Gläser Flüssigkeit. Um die Neugier für das Glas mit Wasser, das verständlicherweise erst einmal nicht sehr spannend scheint, zu wecken, können folgende Tipps helfen:

  • Ein selbstbemaltes Glas, das als ganz besonderes Wasserglas auserkoren wird.
  • Feste Trinkzeiten einführen und diese zum Ritual machen. Zum Beispiel das morgendliche Glas Wasser zusammen mit dem Kind, bevor es in den Kindergarten oder die Schule geht, trinken.
  • Eine Wasserflasche mit dem Lieblingsstar drauf mit auf den Schulweg geben. So wird das Trinken zu etwas Besonderem gemacht

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Der „gesunde“ Konsum von Unterhaltungselektronik

Den allabendlichen Lieblingscartoon oder den Märchenfilm zur Weihnachtszeit im TV anschauen. Gewisse TV-Sendungen gehören in den meisten Haushalten zum Alltag dazu. Nicht zuletzt, weil ein TV-Gerät vorhanden ist und weil sich ab einem gewissen Alter über Sendungen in der Schule ausgetauscht wird – Kinder möchten mitreden können.

Im Vorschulalter können Kinder die Inhalte der Sendungen noch nicht bewusst reflektieren. Ab einem Alter von sechs Jahren können die Kleinsten dann bereits längeren Erzählungen folgen. Sie übertragen das Gesehene auf ihre eigene Welt und setzen ihre eigenen Erfahrungen mit Geschichten über Wachstum, eigene und fremde Gefühlsäußerungen oder den Umgang mit Gleichaltrigen in Vergleich. Kinder können sich dann an den Handlungsweisen orientieren, daraus Schlüsse ziehen und lernen.

Kind am Fernsehen

Das Fernsehprogramm sollte also immer altersgerecht sein, ebenso wie die Fernsehzeiten. Empfohlen werden folgende Zeiten:

  • 30 Minuten pro Tag: Bis zu einem Alter von 7 Jahren.
  • 45 Minuten pro Tag: Von 8 bis 9 Jahren.
  • 60 Minuten pro Tag: Von 10 bis 11 Jahren.
  • 75 Minuten pro Tag: Von 12 bis 13 Jahren.

Um den Kindern einen bewussten Umgang mit dem TV-Gerät und der Wahl geeigneter TV-Serien beizubringen, sollten neben festen Fernsehzeiten, Tipps für Fernsehanfänger beachtet werden. Zudem heißt es auch hier wieder Vorbild zu sein und den Fernseher nicht einfach laufen zulassen, wenn die Kinder im Raum sind oder während der Essenszeiten. Der Tagesablauf sollte keinesfalls nach dem Fernsehprogramm gerichtet werden. Nur so lernen die Jüngsten einen bewussten und selbstbestimmten Umgang mit dem Fernsehprogramm.

Bewegungsfreiheit: Selbstbestimmter Umgang mit Bewegung

Herumtollen, den Ball in´s Tor kicken oder Seilspringen. Kinder stecken voller Energie, die ansteckend ist. Der bewusste und selbstbestimmte Umgang mit Bewegung muss den Kindern so meist nicht beigebracht werden. Obwohl elterliche Anstöße zum Spaziergang durch den Wald oder zum Ballspielen auf dem nahegelegenen Sportplatz durchaus ab und zu gegeben werden sollten. Darüber wie sie sich bewegen wollen, sollten Kinder jedoch selbst entscheiden dürfen, denn Kinder brauchen meist nur Anreize aus ihrer sozialen Umwelt, die darauf ausgerichtet sind, die Grundbedürfnisse von Kindern zu befriedigen. Bewegung gehört zu den Grundbedürfnissen dazu. Ein bewusster Umgang mit Bewegung ist wichtig, denn Kinder sammeln während der verschiedenen Entwicklungsphasen wichtige Lernerfahrungen durch Bewegung.

Schnell wird auch festgestellt, welche Art von Bewegung das Kind bevorzugt. Dann kann gemeinsam mit dem Kind über eine Schnupperstunde im Sportverein nachgedacht werden. Vor allem in der Grundschulzeit schult das Kind dadurch nicht nur zusätzlich seine Motorik, sondern sammelt außerdem Lernerfahrungen mit Gleichaltrigen – also prägt seine Sozialkompetenz. Dies erleichtert ihm Gefühle anderer einschätzen, mit Erfolgen und Misserfolgen umzugehen und andere Menschen zu respektieren.

Kind als Clown

Kinder schlüpfen gerne in andere Rollen. Vor allem das Rollenspiel unterstützt die kindliche Kreativität.

Kreativität und Sozialkompetenz ohne Zwang fördern: Gemeinsam Musizieren und in andere Rollen schlüpfen 

Einfach drauf los malen oder den Löwen aus dem Zoo mit lautem Gebrüll und auf allen vieren nachahmen. Kinder haben meist von Grund auf eine natürliche Kreativität, die sie nutzen, um die Welt um sich herum zu begreifen und vor allem, um am Spiel noch mehr Spaß zu haben.

Die Kreativität von Kindern hat auch immer etwas mit Sinneserfahrungen zu tun. Kinder möchten erfahren, wie bestimmte Dinge funktionieren, wie sie sich anfühlen, wie sie schmecken oder wie sie klingen. Umso mehr Sinneseindrücke zusammenkommen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Eindrücke in Erinnerung bleiben. Verschiedene Sinne werden unter anderem mit Musikinstrumenten angesprochen. Das gemeinsame Musizieren fördert Kinder auf verschiedenen Ebenen. So kann der bewusste Umgang mit Kreativität spielerisch erlernt werden.

Ebenso wie das Musizieren sorgt zum Beispiel auch das Rollenspiel für die Kreativitätsförderung und sorgt zudem im Spiel mit Gleichaltrigen für die bewusste Förderung der Sozialkompetenz. Da Kinder ab einem gewissen Alter selbst damit beginnen, in andere Rollen zu schlüpfen, muss dies nicht unbedingt gefördert werden. Doch erste Anreize können den Jüngsten zum Beispiel über die Verbindung mit dem Vorlesen gegeben werden. Indem zum Beispiel Tiergeräusche nachgeahmt und die Vorleserunde interaktiv gestaltet wird. Verschiedene Handlungsweisen können dafür sorgen, dass das Kind kreativ bleibt.

Fazit

Kindern sollte frühzeitig mit Zuhilfenahme ihrer natürlichen Neugier und der elterlichen Vorbildfunktion ein bewusster Umgang mit Lebensmitteln, Unterhaltungselektronik und bewegungs- sowie kreativitäts- und sozialfördernden Aktivitäten vermittelt werden. Dabei heißt es aber immer, keinen Druck auszuüben, sondern das Kind einfach auch Kind sein zu lassen. Denn über das eigene Probieren werden die verschiedenen Lernerfahrungen noch mehr verinnerlicht und bewusst gemacht.

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Quellen: Bilder: fotolia/Alexey Rumyantsev, irina_timokhina, Myst, Natallia Vintsik, Depositphotos/oksun70