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Öko-Bestattung auf dem Waldfriedhof
Tipp: Öko-Bestattung

Öko-Bestattungen: So gehen, wie man gelebt hat

Ich habe eco gelebt, also will ich auch eco bestattet werden. Öko-Beerdigungen werden zunehmend beliebter bei den Deutschen. Ob Baumbestattung, Bio-Sarg oder gänzlich rückstandsfreie Öko-Bestattung: ecowoman stellt Ihnen den „grünen Tod“ vor.

Seit Jahrhunderten gilt die Erdbestattung auf dem Friedhof als klassische Beisetzungsmethode in unserer Kultur. Da das Dahinscheiden eines Verstorben mit Trauer verbunden ist, verwundert es nicht, dass Friedhöfe und Grabstätten als Schauplatz von Tod, Trauer und Verlust negativ und bedrückend wirken. Ein zunehmender Strukturwandel innerhalb unserer Gesellschaft bietet inzwischen mehrere Alternativen in Sachen Bestattung und eröffnet eine neue Sicht auf das Thema Tod und Beisetzung. Vor allem das Motiv Naturschutz nimmt auf die Entwicklung einen starken Einfluss.

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Friedhofsgrenzen sind nicht meine Grenzen

Unsere Gesellschaft wird zunehmend älter, weshalb man sich auch mit dem Thema des letzten Schritts im Leben intensiver auseinander setzt. Immer mehr Menschen wenden sich dabei von Blumenschmuck und Grabsteinen ab und widmen sich stärker dem „grünen Tod“: Es werden häufiger anonyme Rasengräber gewünscht, Baumbestattungen in speziellen Wäldern durchgeführt und auch Seebestattungen nehmen zu. Die Menschen möchten individuell bestimmen, was nach dem Tod mit ihnen geschieht, nach dem Motto: Friedhofsgrenzen sind nicht meine Grenzen. Selbstbestimmung und Anteilnahme am eignen Tod ist den Menschen mehr und mehr wichtig – das kommt auch den Angehörigen zu Gute: Durch die aktive Beschäftigung mit der eigenen Bestattung nimmt man ihnen die Entscheidung bezüglich des genauen Ablaufs ab. Als alternative Bestattungsformen gewinnen vor allem Öko-Bestattungen an zunehmender Beliebtheit.

Öko-Bestattungen und grüner Tod

Der Vorteil von Öko-Bestattungen liegt augenscheinlich in ihrem nachhaltigen Aspekt: So müssen Beispielsweise Friedwälder, in denen Baumbestattungen durchgeführt werden, nicht gepflegt werden und bieten dennoch einen Bezugspunkt für Trauer. Friedwälder oder „Ruheforste“ sind Ruhestätten in einem Wald. Dies ist nur eine von verschiedenen Formen der Öko-Bestattung.

In Ruhe trauern...

Ruheforste bieten viel Platz und Ruhe für die Angehörigen.

1.  Baumbestattung

Die Bestattung in einem Wald hat etwas Friedliches geradezu Idyllisches an sich. Außerdem bedeutet sie auch, dass die sterblichen Überreste an den Baumwurzeln ihre letzte Ruhe finden und sich so direkt in die Natur und den Kreislauf des Lebens eingliedern – von einem Leben ins nächste. Mittlerweile gibt es 46 Friedwald-Standorte in Deutschland. Wer sich für eine Baumbestattung interessiert, kann an Waldführungen teilnehmen. Bei diesen kostenlosen Führungen erläutern Förster die verschiedenen Grabarten. So gibt es Gemeinschaftsbäume, Familien- und Freundschaftsbäume. Bis zu zehn biologisch abbaubare Urnen können an einem Baum bestattet werden. Verstorbene müssen also auf jeden Fall eingeäschert werden, um in einem Friedwald begraben zu werden.

2. Erdbestattung mit Bio-Särgen

Umweltfreundliche Särge waren noch vor einigen Jahren kein Thema. Inzwischen ist der Trend aber von den USA und Großbritannien auch nach Deutschland geschwappt und die Nachfrage nimmt zu. Die Bio-Särge wurden mit lösungsmittelarmen Lacken produziert, ihre Griffe sind nicht aus Metall, sondern viel mehr aus Holz oder Leder. Ihr größter Vorteil besteht darin, dass sie sich bei einer Erdbestattung deutlich schneller zersetzen, wodurch die Böden weniger belastet werden. Entscheidet man sich für eine Feuerbestattung, dann kommen umweltfreundliche Särge in Frage, die zumeist komplett aus Zellulose bestehen und bei der Verbrennung rund drei Viertel weniger CO2 produzieren als herkömmliche Särge.

3. Grüner Tod, rückstandslose Öko-Bestattung

Einäscherung und Erdbestattung sind nicht gänzlich rückstandsfrei. Wegweisend in Sachen reine Öko-Bestattung könnte sich ein Verfahren erweisen, das die schwedische Biologin Susanne Wiigh-Mäsak entwickelt hat. Dabei werden Verstorbene zunächst in ein Bad aus flüssigem Stickstoff getaucht und dann gefriergetrocknet. Die dadurch entstehende Biomasse löst sich innerhalb kurzer Zeit im Boden auf und versorgt als Humus Pflanzen mit Nährstoffen. Die erste Anlage soll bald in Schweden gebaut werden.

Öko-Bestattungen stehen noch vor Gesetzeshürden

Die Gesellschaft ist im Wandel, deswegen müssen sich auch die Gesetze neu strukturieren. Bio- Särge sind zwar nicht verboten, aber viele Friedhöfe erlauben nur Särge aus Vollholz, damit keine Körperflüssigkeiten austreten. Das Gesetz lässt es darüber hinaus nicht zu – wie man es von der Urne auf dem Kaminsims in Amerika kennt - dass man die Asche eines Verstorbenen mit nach Hause nimmt. Noch stehen einige der umweltfreundlichen Bestattungsformen vor deutschen Gesetzeshürden. Die hiesigen Bestattungsregeln sind streng, befinden sich aber allmählich im Wandel – so schreiben derzeit nur noch vier Bundesländer einen Sargzwang für Bestattungen vor. Am Ende des Lebens zurück in die Natur gehen, aus der wir kommen – eine schöne und nachhaltige Idee, die sich hoffentlich in Zukunft stärker durchsetzen wird.

Wenn Sie sich genauer über dieses Thema informieren wollen, dann beachten Sie bitte den

ecowoman TV-Tipp:

Das ZDF zeigt am Sonntag, 10. April 2016 um 14.40 Uhr die planet e.-Doku über „Die Ökobestattung“ und den „grünen Tod“.

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Bild: depositphotos/steho,wildmann Text: Isabel Binzer