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Biosprit-Förderung macht Lebensmittel teurer

Finanzmarkt: Biosprit-Förderung bedroht Recht auf Nahrung

Die Trendanalyse von Germanwatch zur globalen Nahrungssicherung 2011 hat zum Ergebnis, dass die Biosprit-Förderung das Recht auf Nahrung bedroht. Denn: die Preise an den Börsen steigen aufgrund der Spekulation mit Getreide und Co. Die Umwelt- und Entwicklungsorganisation fordert daher die Politik zum Handeln auf.

Die Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch hat jetzt die zweite Trendanalyse zur globalen Ernährungssicherung vorgelegt. Sie zeigt: Die wichtigste strukturelle Ursache für den dramatischen Anstieg der Weltmarktpreise für Grundnahrungsmittel ist der von der Politik initiierte Agrosprit-Boom in Europa und Amerika. Kommen Dürren wie derzeit in Ostafrika hinzu, können arme Menschen keine Grundnahrungsmittel kaufen. Fazit: Auch durch die Biosprit-Förderung hungern fast eine Milliarde Menschen auf der Welt, oder: Jeder siebte Erdbewohner. Das kritisieren Hilfsorganisationen wie Misereor schon seit langem.

Der Biosprit-Boom heizt die Spekulation auf den Agrarrohstoff- und Finanzmärkten an, so die Studie. Die Zahl der Transaktionen auf den Märkten, bei denen es nicht um den physischen Erwerb von Agrarrohstoffe geht, sondern nur um Geldanlage, hat in den letzten Jahren ebenfalls dramatisch zugenommen. Diese «Finanzialisierung» der Rohstoffmärkte ist neben Exportverboten in wichtigen Erzeugerländern und den infolge des Klimawandels zunehmenden Missernten mitverantwortlich dafür, dass die Weltmarktpreise außerordentlich.

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«Diese Politik heizt auch die Spekulation mit Agrarrohstoffen an», so Klemens van de Sand, Vorstandsmitglied von Germanwatch und Autor der Studie, zur Förderung von Biosprit. «Die Anleger setzen darauf, dass die rasch wachsende Nachfrage nach Mais, Zuckerrohr, Palmöl und Soja für die Treibstoffproduktion die Preise steigen lässt. Durch entsprechende Landnutzungsänderungen wirkt sich das dann auch auf das Angebot und die Preise von anderen Grundnahrungsmitteln wie Weizen aus.»

Van der Sand weiter «Die internationale Politik muss endlich handeln. Es bedroht das Recht auf Nahrung von weltweit über 925 Millionen hungernder Menschen, dass die EU wie auch die Bundesregierung sich nach wie vor gegen die seit langem von Nichtregierungsorganisationen und im Frühjahr 2011 auch von zehn führenden internationalen Organisationen, unter anderem der Weltbank und der OECD, erhobene Forderung sperrt, sämtliche Subventionen und Mindestvorgaben für die Beimischung von Agrarkraftstoffen in Benzin und Diesel abzuschaffen», so van de Sand. «Außerdem müssen die führenden Wirtschaftsnationen der G20 Maßnahmen zur Limitierung von Termingeschäften und mehr Transparenz auf den Agrarrohstoffmärkten beschließen. Gleichzeitig könnte die Schaffung von Nahrungsmittelreserven kurzfristige Ernteeinbußen und Preissteigerungen auffangen.»

Quelle: www.energie-experten.de, Text: Jürgen Rösemeier