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Der Finanz-Markt als Motor einer nachhaltigen Entwicklung

Welche Investments sind nachhaltig? Und wie können Finanzmärkte zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen? Erfahren Sie hier mehr über Funktion und Zukunft nachhaltiger Geldanlagen.

Der Finanzmarkt kann positive Auswirkungen auf nachhaltige Entwicklungen haben.

Der Finanzmarkt kann einen positiven Effekt auf die Entwicklung einer nachhaltigen Gesellschaft haben.

Grundlagen nachhaltiger Geldanlagen

Der Definition des Brundtland-Reports folgend ist das Ziel einer nachhaltigen Entwicklung, dass zukünftige Generationen zu den gleichen Bedingungen ihre Bedürfnisse befriedigen können wie die heutige Generation. Dies wird mit entsprechenden Konsequenzen für die derzeitige Form des Wirtschaftens verbunden.

Als zentrales Schlagwort für die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen hat sich das Triple Bottom Line-Verständnis etabliert, also die simultane Berücksichtig7ung aller drei Dimensionen einer nachhaltigen Entwicklung: Ökonomie, Ökologie und Soziales. Doch was heisst Nachhaltigkeit für den Finanzmarkt? Oder, um einen konkreten Teilbereich des Finanzmarkts herauszugreifen: Wie können Investments zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen und wie können dann – falls dies überhaupt möglich ist – nachhaltige Investments definiert werden?

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Grundsätzlich kann die Berücksichtigung des Themas Nachhaltigkeit bei der Geldanlage die monetären Interessen der Anlegenden, Sparenden und Versicherten mit dem Anspruch einer umweltverträglichen, sozial und ethisch verantwortlichen sowie friedlichen Gesellschaftsentwicklung verbinden. Was dies im Einzelnen bedeutet, wurde von Fachleuten auf dem Gebiet in Form der Darmstädter Definition Nachhaltiger Geldanlagen zusammengestellt.

Diese erläutert, wie durch eine umfassende Analyse der Anlageobjekte (z.B. im Bereich der Vermögensverwaltung oder Projektfinanzierung) wirtschaftliche und soziale Leistungen, Naturverträglichkeit und gesellschaftliche Entwicklungen berücksichtigt werden können. Im einzelnen erfordert dies in ökonomischer Sicht für Investments, dass

  • Gewinne auf Basis langfristiger Produktions- und Investitionsstrategien statt in kurzfristiger Gewinnmaximierung erwirtschaftet werden,
  • Erträge aus Finanzanlagen in vertretbarer Relation mit Erträgen aus realer Wert¬schöpfung stehen,
  • die Erfüllung elementarer Bedürfnisse (z. B. Wasser) nicht gefährdet wird,
  • Gewinne nicht auf Korruption beruhen.

 

In ökologischer Sicht erfordern nachhaltige Geldanlagen, dass die Gewinnerzielung im Einklang steht mit der

  • Steigerung der Ressourcenproduktivität,
  • Investition in erneuerbare Ressourcen,
  • Wiedergewinnung und Wiederverwendung verbrauchter Stoffe,
  • Funktionsfähigkeit globaler und lokaler Ökosysteme (z. B. Regenwälder, Meere).

 

In sozialer und kultureller Sicht erfordern nachhaltige Geldanlagen, dass die Gewinnerzielung im Einklang steht mit der

  • Entwicklung des Humankapitals (Verantwortung für Arbeitsplätze, Aus- und Weiterbildung, Förderung selbstverantwortlichen Arbeitens, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Respekt vor der Verschiedenheit der Einzelnen),
  • Entwicklung des Sozialkapitals (Schaffung von Erwerbschancen, Ausgewogenheit zwischen den Generationen, diskriminierungsfreier Umgang mit Minderheiten, Funktionsfähigkeit der Regionen, Förderung zivilgesellschaftlichen Handelns),
  • Entwicklung des Kulturkapitals (Respekt vor kultureller Vielfalt unter Wahrung persönlicher Freiheitsrechte und gesellschaftlicher Integrität, Mobilisierung der Potentiale kultureller Vielfalt).

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Die einzelnen Ansatzpunkte der Darmstädter Definition veranschaulichen, in welchen Bereichen Investments konkrete Beiträge zu einer nachhaltigeren Entwicklung leisten können. Hiervon sind in erster Linie Bereiche betroffen, die langfristige Trends beschreiben bzw. mit einem längerfristigen Umstellungsprozess verbunden sind. Somit ist der Aspekt der Langfristigkeit ein zentrales Element für den Beitrag von Geldanlagen zu einer nachhaltigen Entwicklung. Nur wenn die verwendeten bzw. eingesetzten Gelder dauerhaft zur Verfolgung der einzelnen Nachhaltigkeitsziele bereit gestellt werden, können sich die hierfür notwendigen Strukturen (z.B. Etablierung neuer Absatzkanäle für Fair-Trade-Produkte oder Forschungs- und Entwicklungsprozesse für ressourceneffiziente Produktionstechnologien) herausbilden und Schritte in Richtung mehr Nachhaltigkeit vom Finanzmarkt induziert werden.

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Aus dieser Langfrist-Perspektive ergibt sich aber auch ein Selbstzweck aus Sicht des Kapitalmarkts: Die unterschiedlichen Wege hin zu einer nachhaltigen Entwicklung werden von verschiedenen Seiten (ein)gefordert, forciert und bestimmt. Genannt seien hier nicht nur gesetzgeberische Maßnahmen, Kundenverhalten, NGO-Kampagnen oder internationale Abkommen, sondern auch die natürlichen Grenzen, wofür die derzeit ansteigenden Preise für den nicht erneuerbaren Energieträger Öl ein gutes Beispiel bieten. Diese verschiedenartigen Einwirkungen und die damit verbundene Änderung der betrieblichen Rahmenbedingungen und Handlungsräume führen zu zwei elementaren Änderungen für die Unternehmen: Durch eine frühzeitige Antizipierung neuer Risiken und Chancen, können sie entsprechende Wettbewerbsvorteile generieren und ihren langfristigen Unternehmensbestand sichern. Diese Denkweise lässt sich nun auf die Logik des Kapitalmarkts übertragen und als einen theoretischen Anspruch für ein nachhaltigeres Investment formulieren:

Eine Berücksichtigung der sich durch eine nachhaltige Entwicklung ergebende Änderung der Rahmenbedingungen des Wirtschaftens trägt inhärent zu einer Verbesserung der ökonomischen Nachhaltigkeit von Unternehmen bei. Die frühzeitige Antizipierung der Änderungen entscheidet daher darüber, wer zu den Gewinnern und Verlieren dieser Entwicklung gehören wird. Ziel eines an Nachhaltigkeitszielen orientierten Investments ist es daher, diese Trends zu erkennen und bei der Anlageentscheidung entsprechend zu berücksichtigen. So können die finanzielle Performance der eigenen Mittel langfristig gesichert und gewinnbringend investiert und Risiken minimiert bzw. eliminiert werden, während gleichzeitig die ökologische und soziale Dimension einer nachhaltigen Entwicklung gefördert werden.

Es lässt sich festhalten, dass Auswahlverfahren für nachhaltige Investments bereits heute in vielen Bereichen die Anforderungen der Darmstädter Definition für nachhaltige Geldanlagen erfüllen können. Da der Markt für nachhaltige Anlagen jedoch noch immer einen Nischenmarkt darstellt, muss der tatsächliche Beitrag des Kapitalmarktes zu einer nachhaltigen Entwicklung als eher gering eingestuft werden. Um diesen zu erhöhen und das eigentlich Potential nachhaltiger Anlagen zu fördern, gilt es also, die Weiterentwicklung nachhaltiger Investments voranzutreiben.

Dieser Artikel basiert auf Baumast, A., Busch, T. (2005): Kapitalmärkte – Motoren einer nachhaltigen Entwicklung? UmweltWirtschaftsForum, 13. Jg., H. 4, Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg, 67-72.

Text: Timo Busch

Dr. Timo Busch ist Dozent und Oberassistent an der ETH Zürich, Departement of Management, Technology, and Economics.