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Energiesparlampen sind zwar effizient, aber sie beinhalten Gifte.

Energiesparlampen: Gut für Geldbeutel, schlecht für Umwelt?

Weniger Energiekosten, längere Lebensdauer, aber schlecht für die Umwelt und den Menschen: Die Vorteile der Energiesparlampe liegen auf der Hand. Aber Ästhetik, Quecksilber und neu entdeckte krebserregende Dämpfe machen die Menschen unsicher. Manche fordern sogar die Aussetzung des Glühlampenverbots.

Das Ende der Ära klassischer Glühbirnen ist längst besiegelt. Denn seit September 2009 müssen herkömmliche Glühbirnen nach und nach aus den Regalen verschwinden. Der Grund: Standard-Glühbirnen wandeln Strom ineffizient in Licht um. Viel zu viel Energie verpufft als Wärme. Sind jene Glühbirnen mit 100 und 75 Watt bereits im Handel verboten, so folgen diesen September die 60-Watt-Glühbirnen und 2012 die 40 und 25 Watt Leuchtmittel. Mit diesen und weiteren Maßnahmen, wie sparsameren Haushaltsgeräten, will die EU 5,3 Milliarden an Energiekosten einsparen. Zudem sollen hierdurch 4,5 Millionen weniger klimaschädliches CO2 ausgestoßen werden.

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Die Glühbirne: 95 Prozent der Energie verpuffen

Energietechnisch gesehen ist der Tod der Glühbirne kein Verlust, denn diese wandelt nur fünf Prozent des Stroms in Licht um und lässt den Rest als Wärme verpuffen. Dennoch gibt er Anlass zu heftigen Diskussionen. Das EU-Parlament ist sich mittlerweile uneins über das Glühbirnenverbot. Nach Warnungen vor dem in den Energiesparlampen enthaltenen Quecksilber ist die Debatte über das Verbot aktueller denn je: Das Deutsche Umweltbundesamt UBA warnte Anfang Dezember des vergangenen Jahres vor Gesundheitsgefahren aufgrund der quecksilberhaltigen Lampen. Denn gehe eine Energiesparlampe zu Bruch, könne eine Quecksilberkonzentration im Raum freigesetzt werden, die den Richtwert von 0,35 Mikrogramm pro Kubikmeter um das Zwanzigfache überschreite. Bei dem Test wurden allerdings nur zwei Energiesparlampen mit je zwei oder fünf Milligramm Quecksilber untersucht, welche im heißen Zustand zerbrachen und während mehrerer Stunden im geschlossenen Raum belassen wurden. Das UBA rief die Verbraucher zumindest dazu auf, Energiesparlampen zu kaufen, welche mit einer Silikonummantelung vor dem Zerbrechen gesichert sind.


Energiesparlampen: Quecksilber und Phenol enthalten.

Energiesparlampen sind aufgrund ihres Quecksilbergehaltes Sondermüll. Daher immer bei einer Sammelstelle abgeben.

Lüften nach Lampenbruch erforderlich

Die deutschen Verbraucherschützer von „Stiftung Warentest“ gaben Entwarnung zu den aktuellen Hinweisen des Deutschen Umweltbundesamtes. Auch die Initiative „Sauberes Licht, sauber recycelt“ sagt, dass dieses Ergebnis nicht neu sei und deshalb keinen anderen Sachverhalt ergebe. Werden einige Handlungshinweise berücksichtigt, könnten Energiesparlampen weiterhin unbedenklich eingesetzt werden. Sollte die Lampe zerbrechen, was den einzig möglichen Kontakt mit dem Quecksilber darstellt, müsse der Raum zwanzig Minuten lang ausgiebig gelüftet werden, was den Quecksilbergehalt schon binnen Sekunden senke. Die Glasbruchstücke müssen eingesammelt werden und in einem verschlossenen Plastikbeutel oder in einem Schraubglas zu einer Sammelstelle gebracht werden. Auch Energiesparlampen, die nicht zu Bruch gingen, dürfen wegen des Quecksilbers aber nicht im normalen Haushaltsmüll entsorgt werden, wenn sie nicht mehr funktionieren. Laut der Stiftung Warentest helfen Energiesparlampen sogar bei der Senkung des Quecksilbergehalts in unserer Umwelt: Da sie bis zu 80 Prozent weniger Strom verbrauchen als die herkömmlichen Glühbirnen, würde durch ihren Einsatz weniger Strom produziert. Dies wiederum führe dazu, dass der von Stromkraftwerken ausgehende Ausstoß an Quecksilber reduziert werde.

Neue Schatten fallen auf die Energiesparlampe

Und dann dies: Der Norddeutsche Rundfunk NDR berichtete Mitte April in einer Verbauchersendung, dass die Energiesparlampen nun auch noch giftige Gase ausscheiden. Darunter sei auch Phenol. Phenol steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Weiterhin seien Styrol und Naphtalin in den Dämpfen gemessen worden sowie Aromate, die auf Schleim- und Bindehäute reizend wirken. Das Umweltbundesamt indes mildert die Befürchtungen. Die Dämpfe seien sehr gering und es wäre normal, dass neue Geräte wie eine Energiesparlampe flüchtige Substanzen ausdampfen. Dementi hin oder her: Schön ist die Vorstellung nicht zu wissen, dass die sparsamen Leuchten giftige Dämpfe ausscheiden. Seien sie noch so gering.

Flacheres Licht – noch

Ästhetische Vorbehalte gegen die Energiesparlampe sich jedoch mit Effizienz-Argumenten kaum beheben. So gehen beispielsweise Schweizer Museen auf Hamsterkauf, um nicht auf Energiesparlampen ausweichen zu müssen. Künstler wie Jean Tinguely haben vor Jahrzehnten Kunstwerke mit Glühbirnen geschaffen, die auf einen Lichteffekt setzten, der durch Energiesparlampen momentan noch nicht erreicht wird. Während erstere einen sogenannten Farbwiedergabeindex von 100 haben, liegt dieser bei Energiesparlampen meist zwischen 80 und 90. Das bedeutet eine flachere Wirkung des Lichts. Und diese Qualität der Glühlampe vermissen noch viele andere – beispielsweise der Zentralverband Europäischer Designkultur. Kristallleuchten und andere Designlampen funktionierten noch nicht mit den Sparvarianten, heißt es. Doch bis die Forschung zu diesen Fragen energieeffiziente Lösungen gefunden hat, kann es nicht mehr lange dauern.

Text: Alexa Scherrer und Jürgen Rösemeier-Buhmann

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