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Eichhörnchen im Schnee
Wildtiere im Winter

Der nachhaltige Umgang mit Wildtieren in der kalten Jahreszeit

Wenn die Temperaturen sich dem Gefrierpunkt nähern und tiefer fallen, brauchen Wildtiere die besondere Aufmerksamkeit der Menschen. Ein umweltbewusster und nachhaltiger Umgang mit Vögeln, Igeln und Co. ist lebenswichtig für die kleinen Erdbewohner. Nachhaltigleben.de erklärt, was Sie beachten sollten, damit unsere kleinen Freunde Herbst und Winter gut überstehen.

Gewisse Vögel überwintern auch in nördlichen Breitengraden.

Eine artgerechte Fütterung der Wildvögel hilft ihnen, im Winter zu überleben. Foto: © hfox - Fotolia.com

Für den Igel ist der Garten ein wichtiger Lebensraum. Im Herbst wird die Nahrung knapp und die älteren Stacheltiere beginnen damit ihre Winterbehausung zu bauen. Die Jungtiere fressen sich Gewicht an, um die spärliche Zeit zu überstehen. Igel überwintern am liebsten in Haufen aus Reisig, Holz und Blättern und schützen sich dort vor der beißenden Kälte. Wenn Sie Ihren Garten winterfest machen, sollten Sie deshalb die Unterschlüpfe nicht beseitigen, sondern den Stachelfreunden überlassen. Nur geschwächte Igel, die unterkühlt, unterernährt oder krank sind dürfen aufgenommen und am besten zu einer Igelstation gebracht werden. Auskünfte über Igelstationen erhalten Sie bei Tierheimen oder beim Tierarzt.

Ab November beginnen die Igel bis ins Frühjahr hinein mit ihrem Winterschlaf. Lassen Sie deshalb die Winterbehausungen in ihrem Garten, aber auch in der freien Natur unberührt und stören Sie nicht die stacheligen Vierbeiner. Gerade der Einsatz von Laubsaugern bringt die Gefahr mit sich, die schlummernden Tiere aufzuschrecken. Das Aufnehmen der Igel ist zwar meist als gut gemeinte Aktion gedacht, jedoch ein unnatürlicher Eingriff in die Existenz der Igel. Die schlafenden Igel sollten Sie keinesfalls mit ins Haus nehmen. Der natürliche Lebensraum ist die Natur und dort sollten die Tiere auch bleiben.

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Rehe und Hirsche bewegen sich im Winter so wenig wie möglich.

Rehe und Hirsche liegen im Winter auf der faulen Haut - und überstehen so den Winter. Foto: © Daniel Loretto - Fotolia.com

Achtsam sein!

Wildtiere wie Rehe und Hirsche überstehen den Winter nur, indem sie auf ihre eigenen Reserven zurückgreifen. Sie vermeiden deshalb – so weit als möglich – alle Aktivitäten. Werden Sie durch Wanderer, Sportler, Spaziergänger aufgeschreckt und zur Flucht genötigt, geht ihnen wertvolle Energie verloren. Wer sich in der Natur bewegt sollte deshalb gerade in der kalten Jahreszeit aufmerksam sein und ausgeschilderte Wege nicht verlassen. Da Tiere nicht zwischen guter und schlechter Nahrung unterscheiden können, fressen sie alles, was sie in der Natur finden. So passiert es immer wieder, dass gut gemeinte Fütterungsaktionen den Tieren mehr schaden als nutzen. Es kommt zu Koliken und anderen lebensbedrohlichen Krankheiten. Deshalb sollten Wildschweine, Rehe und Co. vom Fachmann gefüttert werden und nicht mit Essensresten oder anderer Nahrung versorgt werden. Das ist die Aufgabe der jeweiligen Förster und Naturschutz-Organisationen, die genau wissen, welche Nahrung die jeweiligen Tiere benötigen.

Igel & Co.: Helfen Sie den Tieren im Winter!

Helfen Sie Igel & Co. mit artgerechter Nahrung und einem natürlichen Lebensraum über den Winter. Foto: © joerg kemmler - Fotolia.com

Füttern erlaubt gilt dagegen bei Eichhörnchen. In der Herbst- und Winterzeit sind die Nahrungsquellen für die Baumakrobaten nahezu erschöpft. Zwar horten sie Nahrung, doch sind die Ressourcen nicht immer ausreichend. Da es im Handel fast keine geeigneten Futtermischungen gibt, rät Eichhörnchen Notruf e.V. zu folgender Zusammenstellung: Haselnüsse, Walnüsse, Zirbelnüsse, getrocknete Maiskörner, Sonnenblumenkerne, Rosinen und Kürbiskerne. Maronen sind wegen ihrer begrenzten Lagerfähigkeit nur bedingt zu empfehlen. Geeignet sind auch Weintrauben, Äpfel und Birnen, Gurken, Karotten, Broccoli und Zucchini. Exotische Früchte und Nüsse sollte nicht verfüttert werden.

Harte Zeit für Wildvögel

Für die heimischen Wildvögel beginnt mit dem Winter eine besonders harte Zeit. Die zunehmende Zivilisation raubt den Federtierchen immer mehr Lebensraum und somit Nahrungsquellen. Die Kälte verlangt ihnen zudem viel Energie ab und bedroht ihre Existenz. Füttern ist deshalb lebenswichtig für Wildvögel, da ein zu starker Energieverlust unweigerlich zum Tod führt. Hinzu kommen geschlossene Schneedecken, die zusätzliche Futterquellen versiegeln. Kritiker melden sich immer wieder zu Wort und prangern das Füttern von Wildvögeln an, da es ein nicht artgerechter Eingriff in den Kreislauf der Natur sei. Befürworter weisen auf den stetigen Abbau des Lebens- und Nahrungsraums durch den Menschen hin, der den Überlebenskampf der Vögel immer schwieriger werden lässt. Die Wildvogelhilfe weist in diesem Zusammenhang auf eine Studie von Professor Berthold hin, der in seinem Buch «Vögel füttern, aber richtig» beschreibt, dass die winterliche Fütterung den Tieren ausschließlich nützt, sofern sie artgerecht durchgeführt wird. Er beruft sich dabei auf die positiven Auswirkungen der Vogelfütterung im Winter, die in unseren Nachbarländern durchgeführt wird.

Der Naturschutzbund NABU rät zu folgenden Fütterungsmaßnahmen:

  1. Füttern Sie die Vögel erst bei Frost und Schnee.
  2. Wählen Sie Futterspender, bei denen die Tiere nicht im Futter herumlaufen und es mit Kot verschmutzen können.
  3. Am besten verwenden Sie Futtersilos, die das Futter nicht verderben und sich keine Nahrungsreste sammeln können. Futterspender müssen so gebaut und angebracht werden, dass das Futter auch bei starkem Wind, Schnee und Regen nicht durchnässt werden kann, da es sonst verdirbt oder vereist.
  4. Platzieren Sie Futterspender mit genügend Abstand zur nächsten Glasscheibe (mindestens zwei Meter) und an einer übersichtlichen Stelle, so dass sich keine Katzen anschleichen können.
  5. Reinigen Sie herkömmliche Futterhäuschen regelmäßig und legen Sie täglich nur wenig Futter nach. Beim Reinigen aus hygienischen Gründen Handschuhe tragen.
  6. Für Körnerfresser wie Finken, Sperlinge und Ammern eignen sich Sonnenblumenkerne und Freiland-Futtermischungen. Für Weichfutterfresser wie Rotkehlchen, Heckenbraunelle, Meisen, Amseln, Zaunkönig: Rosinen, Obst, Haferflocken, Kleie, Meisenknödel. Keinesfalls salzige Nahrung wie Speck oder Salzkartoffeln verwenden. Auch Brot ist nicht zu empfehlen, da es im Magen der Vögel aufquillt.

Welche Wildvögel bei uns überwintern:

Während Zugvögel in Schwärmen in wärmere Regionen ziehen, bleiben einige Vogelarten im Winter in unserer Region. Dazu gehören folgende Vogelarten: Der Kleiber, die Wasseramsel, die Wacholderdrossel, der Eisvogel, Haussperling, Eichelhäher, Bartmeise, Haubenmeise, Goldammern, Reiherenten, Saatkrähe, Fichtenkreuzschnabel, Mäusebussard, Amsel, Spechte, Wintergoldhähnchen (Quelle: www.nabu.de).

Quellen: Titelbild: Depositphotos/AlexBush