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Immer mehr Bürger betroffen: Fluglärm macht krank

In Deutschland existiert das dichteste Netz an Flughäfen weltweit. Es gibt 38 Flughäfen für Passagier- und Frachtflugzeuge sowie 439 Flugplätze für Kleinflugzeuge. Immer häufiger beschweren sich Bürger über unerträglichen Fluglärm, der den Alltag zur Hölle macht und die Gesundheit nachhaltig schädigt. Die Flughafenbetreiber haben dafür weniger Verständnis und stellen Profit sowie die Sicherung von Arbeitsplätzen in den Vordergrund. Nachhaltigleben.de informiert darüber, wie Düsenlärm krank macht, wo Sie sich engagieren können, warum bei Gesetzgeber und der Politik Handlungsbedarf besteht.

Wenn die Wettervorhersage Ostwind prognostiziert hat, sinkt die gute Laune in der Region Rheinhessen. Unentwegt tauchen Flugzeuge über den Dächern der Ortschaften und Städte auf. Unterhaltungen sind kaum möglich, Kinder leiden unter Konzentrationsschwäche, der Blutdruck der Anwohner steigt und langfristige Gesundheitsschäden nehmen ihren Lauf. 72.000 Anflüge über die Region Mainz in Richtung Frankfurter Flughafen finden jedes Jahr statt. Bis 2020 soll die Zahl auf 117.000 gesteigert werden, bei einer Gesamtanflugzahl von 375.000 in Frankfurt. So die aktuellen Berechnungen der Gesellschaft für humane Luftfahrt (GhL). Fluglärmgegner errechnen noch viel dramatischere Zahlen. Auf 701.000 Flugbewegungen insgesamt wird die Kapazität in Frankfurt erhöht werden. Knapp eine Millionen sind, nach Schätzungen der Fluglärmgegner, im Extremfalle möglich.

Die Spekulationen überschlagen sich,  weil die Flughafenbetreiber Transparenz mit Füßen treten. Seltsame Verfahren, teils ohne Anhörung der betroffenen Kommunen, haben überhaupt erst den Ausbau des Frankfurter Flughafens möglich gemacht. Gerichte werden bemüht, um die undurchschaubaren Vorgehensweisen aufzudecken. Eines  ist sicher: An die Gesundheit oder Umwelt der Menschen hat niemand gedacht, als die Asphaltbahnen in den Erdboden gegossen wurden. Unzählige Bäume mussten sterben und Lebensräume von Tierarten wurden durch die Landebahnpläne vernichtet. Versprechungen wurden durch wirtschaftliche Interessen platt gemacht und ein Lärmteppich ausgebreitet, der an Unmenschlichkeit kaum zu überbieten ist.

Wer die betroffenen Wohngebiete in Hochzeiten des Fluglärms besucht, kann nur mit dem Kopf schütteln und sich die Ohren zuhalten. Fluglärm in diesem Ausmaße grenzt an Körperverletzung. Die Belange der Bürger werden vom Lärm der Jets übertönt. Das rechtfertigt keine  wirtschaftlichen Interessen. Da wirkt kein Argument der Fluglärmbetreiber. Nachhaltiges Handeln sieht anders  aus! Verzweifelt versuchen Betroffene diese Lärmwelle zu unterbinden, doch bisher ohne Erfolg. Momentan wird zwar gerichtlich um ein Nachtflugverbot gekämpft, mit guten Erfolgsaussichten für die Flughafengegner, da beim Bau der neuen Bahn anscheinend Formfehler unterlaufen sind. Doch der Tag wird weiterhin von den Donnervögeln am Himmel dominiert. Aber der Frankfurter Flughafen ist nicht der einzige Lärm-Brennpunkt in Deutschland.

Bundesweite Unterschriften-Aktion

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15 Anti-Fluglärm-Initiativen aus dem gesamten Bundesgebiet haben 45.000 Unterschriften an das Bundesverkehrsministerium übergeben mit der Forderung, ein globales Nachtflugverbot an deutschen Flughäfen einzuführen. Proteste gibt es in Berlin, wo der neue Hauptstadt-Flughafen Berlin-Brandenburg die Belastung der Bevölkerung immens erhöhen wird. Demonstriert wird in München, wo durch den geplanten Ausbau ebenso intensivere Lärmbelastungen erwartet werden. Aber auch Düsseldorf, Hamburg, Köln/Bonn und Leipzig/Halle belasten die Bürger im nicht geringen Umfang. Flughäfen sind nach dem Straßenverkehr die größten Lärmlieferanten. Und Fluglärm ist besonders schädlich, da er zum einen nicht dauerhaft präsent ist, sondern durch die kurzen Flugpausen keine Gewöhnung zulässt. So wird jede Flugbewegung zu einer immensen Belastung für Psyche und Physis. Zudem kommt er von oben, was Schallmaßnahmen kompliziert macht. Mediziner warnen immer wieder vor den Langzeitfolgen einer Belastung durch akuten Fluglärm. Die Krankheitsbilder sind vielfältig: Neben den psychischen Beschwerden, die durch den permanenten Lärmpegel verursacht werden, tritt eine Erhöhung des Blutdrucks  auf, der chronisch wird, da der Stressfaktor nicht abgebaut werden kann. Durch eine vermehrte Ausschüttung von Stresshormonen steigt der Cholesterinspiegel. Experten sprechen von einem erhöhten Schlaganfall- und Herzinfarktrisiko und somatisch bedingten Störungen wie Kopfschmerzen oder Migräne. Aber auch Konzentrationsprobleme durch Schlafentzug gehören ebenso zu den Nebenwirkungen der Fluglärm-Attacken. Lehrer berichten teilweise von elementaren Schwierigkeiten bei der Vermittlung des Lehrstoffs, da die Kinder sich unter dem Lärmschirm nur schwer konzentrieren können.

Risiko für Herzkreislauferkrankungen steigt um 60 Prozent

Aktuelle Studien haben herausgefunden, dass eine nächtliche Erhöhung des Lärmpegels um 10 dB (A) das Risiko bei Männern, eine Herzkreislauferkrankung zu erleiden, um 50 Prozent, bei Frauen gar um 60 Prozent steigt. Das Rhein-Main-Institut veröffentlichte kürzlich die Ergebnisse einer Lärmwirkungsforschung. Dabei handelt es sich um drei Studien aus Deutschland, der Schweiz und Dänemark. Die Ergebnisse sind bezeichnend und besorgniserregend zugleich: Vor allem nächtlicher Fluglärm führt zu signifikanten Häufungen kardiovaskulärer Erkrankungen wie Herzinfarkt, Herzinsuffizienz und Schlaganfall. Die Volksvertreter scheinen das Thema Fluglärm noch immer als Tabu zu behandeln. Während Bürgerinitiativen Druck ausüben und beispielsweise regelmäßig im Frankfurter Flughafen Protestveranstaltungen organisieren, hört man von Seiten der Politik nur leise Töne, die an das übliche Wahlkampf-Taktieren erinnern. Forderungen der Betroffenen treffen auf taube Ohren. Das wird sich vielleicht bald ändern, denn 2013 wollen die Berliner Politiker ja bekannter Weise gewählt werden. Doch bis dahin ist jeder interessierte und betroffene Bürger gefragt, sich gegen die Lärm-Verpestung durch Flughäfen zu engagieren und den Druck zu erhöhen. Die Fluglärm-Initiative Rheinhessen e.V. (www.fluglaerm-rheinhessen.de) weist darauf hin, dass nach Zahlen des Umweltbundesamtes 44,7 Prozent der Bundesbürger durch zunehmenden Fluglärm belästigt wird. Unverständlich, warum wirtschaftliche Interessen über die Gesundheit der Bevölkerung gestellt werden. Experten weisen immer wieder darauf hin, dass durch geänderte Anflugverfahren und den Einbau moderner Technik bei Flugzeugen eine enorme Lärm-Entlastung bewirkt werden könnte. Nachhaltigkeit erfasst heute jeden Bereich unserer Gesellschaft. Für die Flughagenbetreiber scheinen die Werte Soziales und Ökologisches Fremdworte zu sein. Bleibt abzuwarten, ob die Politik aufwacht und sich um die Belange der Bürger kümmert. Die Zeit, dem Lärm einen Riegel vorzuschieben, ist mehr als reif!

Wo kann ich mich gegen Fluglärm engagieren und wo finde ich weitere Informationen?

Bundesweit gibt es viele regionale Initiativen, die sich für die Bürgerbelange einsetzen.

Die Bundesvereinigung gegen Fluglärm e.V. (BVF): www.fluglaerm.de

Bündnis der Bürgerinitiativen – kein Flughafenausbau: www.flughafen-bi.de

Deutscher Fluglärmdienst e.V.: www.dfld.de

Umweltschutzverband BUND: www.bund.net

Verkehrsclub Deutschland: www.vcd.de

Zukunft Rhein-Main – Aktion gegen Flughafenausbau: www.zukunft-rhein-main.de

Rhein-Main-Institut: www.rm-institut.de

Montagsdemos:

Jeden Montag ab 18.00 Uhr finden im Terminal 1 B des Frankfurter Flughafens Demonstrationen gegen die Fluglärmbelästigung statt!