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Biokraftstoffe aus tierischen Fetten - Tanken wir bald Tier?
Biokraftstoffe aus tierischen Fetten

Biokraftstoffe aus tierischen Fetten - Tanken wir bald Tier?

Immer mehr Wissenschaftler suchen nach günstigen Alternativen zu den rein pflanzlichen Ölen oder Fetten, die derzeit zur Herstellung von Biokraftstoffen genutzt werden. Die immense Fleisch- und Lederproduktion weltweit bietet tierische Abfallprodukte in Massen. Tanken wir also bald Hühnerfett und Rinderhaut? Und welche Konsequenzen hat das für die Tiere?

Auf der Suche nach billigen Zutaten zur Herstellung von Biokraftstoff entwickelten Wissenschaftler der Tomas-Bata-Universität in Tschechien ein Verfahren, das hochgiftige Abfälle der Lederproduktion in Treibstoff verwandelt. Laut den Forschern enthalten die, in den Gerbereien anfallenden Gewebereste alle Zutaten, die es für Biodiesel braucht.

Durch den hohen Anteil an Proteinen und Fettsäuren eignen sich Gewebereste zur Produktion von Biodiesel eigentlich nicht besonders gut, doch dem Forscherteam ist es gelungen, das Glycerin und Protein vollständig aus dem tierischen Fett zu entfernen und durch einen einfachen Methylalkohol zu ersetzen. Das Team erreichte dies, indem es das übrig gebliebene Fett einschmolz und die Säuren mit Hilfe von organischen Basen extrahierte. Fertig war der neue Biokraftstoff.

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Tierischer Kraftstoff als Klimaretter?

Professor Karel Koloaznik von der Tomas-Beta-Universität ist der Meinung, man tue der Umwelt Gutes, wenn man die giftigen Gewebereste aus der Lederherstellung zur Gewinnung von Kraftstoff nutze: „Wir lösen im Prinzip ein schwerwiegendes ökologisches Problem durch die Verarbeitung dieser giftigen Abfälle aus der Lederproduktion. Es ist sehr gefährlich, sie zu verbrennen, weil die dabei freigesetzten Dioxine und Stickoxide sehr umweltschädlich sind.”

Außerdem wäre das Problem des umweltfreundlichen Recyclings gelöst. Denn normalerweise ist es sehr teuer, die hochgiftigen Abfallprodukte der Lederproduktion zu entsorgen, doch indem man daraus Treibstoff macht, entsteht ein neuer wertvoller Rohstoff.

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Tierischer Kraftstoff als Klimaretter?

Bereits 2012 warb das Unternehmen WIESENHOF damit, Biokraftstoff aus Raps, Leinsamen oder Sonnenblumenkernen durch Hühnerfett zu ersetzen

WIESENHOF stellt Biokraftstoff aus Geflügel her

Die Idee, aus tierischen Fetten Treibstoff herzustellen, ist schon älter. Bereits 2012 warb das Unternehmen WIESENHOF damit, Biokraftstoff aus Raps, Leinsamen oder Sonnenblumenkernen durch Hühnerfett zu ersetzen. Hierfür wird das Abfallprodukt Geflügelfett zu Kraftstoff veredelt und als „Bio-Kraftstoff SP-Power“ von der GePro GmbH & Co, die wie Wiesenhof zur PHW-Gruppe und damit zu den größten Geflügelzüchtern- und verarbeitern Europas gehört, vertrieben. Im Zusammenhang mit dem eigenen Bio-Kraftstoff wirbt das Unternehmen damit, besonders nachhaltig und klimafreundlich zu sein. In Wirklichkeit hat die PHW-Gruppe jedoch nicht viel mit Nachhaltigkeit – und noch weniger mit Tierschutz – zu tun.

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Welche Konsequenzen hat das für die Tiere?

Wenn aus tierischen Abfallprodukten lukrative Biokraftstoffe hergestellt werden, besteht die Gefahr, dass der erhöhte Fleischkonsum und die grausame Massentierhaltung beibehalten oder sogar noch vorangetrieben werden. Das Phänomen ist bereits aus der Lederproduktion bekannt:  Die Lederindustrie erzielt mit Tierhäuten und Lederprodukten einen Umsatz von 80 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Bei diesen Summen ist es schwer zu glauben, dass Leder ein reines Abfallprodukt aus der Fleischindustrie sein soll. Recherchen der Tierschutzorganisation PETA bestätigten zudem den Verdacht, dass Tiere vor allem in China und Indien (den größten Lederproduzenten weltweit) nur für ihre Haut getötet werden.

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Quellen: Bilder: Depositphotos/lenyvavsha, Supertrooper, AlexanderNovikov, jeancliclac, Text: Meike Riebe