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Unser Essen: Schätzen statt Wegwerfen

Dein Beitrag gegen Lebensmittelverschwendung

Containern bleibt auch 2019 in Deutschland noch eine Straftat. Julia Klöckner, Bundesministerin für Ernährung, setzt auf Freiwilligkeit bei der Lebensmittelverschwendung, statt auf politische Maßnahmen. Und auch Selina Juul, die dänische Aktivistin im Kampf gegen das Wegwerfen von Essbarem, richtet ihren Appell an jeden von uns. „Schaut zuerst in euren Kühlschrank. Kauft nur das, was ihr braucht. Liebt Essensreste!“

Jeder achte Mensch auf der Welt hungert. Das Paradoxe: Mehr als ein Drittel aller weltweit produzierten Lebensmittel gehen zwischen Anbau und Mund verloren – sie wandern in die Tonne. Das sind laut den Angaben des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft allein in Deutschland rund 11 Millionen Tonnen Nahrungsmittel. Das ist nicht nur ein ethisches Problem, sondern auch eine sinnlose Verschwendung von wertvollen Ressourcen wie Energie, Boden und Wasser. Höchste Zeit, an den richtigen Stellschreiben zu drehen. Fangen wir bei einem nicht ganz unbedeutenden Faktor in der Lebensmittelverschwendung an: Bei uns selbst.

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Es ist Zeit für ein Mindset: Wir sollten unserer Nahrung und den Menschen, die sie anbauen oder herstellen wieder mehr Respekt gebühren. Wir sollten wieder sorgsamer und weniger verschwenderisch mit unserem Essen umgehen. Das fängt zum einen bei jedem selbst an. Strukturiertes Einkaufen, nur die Menge kochen, die man wirklich ist, sich nicht vom Mindesthaltbarkeitsdatum abschrecken lassen und eine bewusste Resteverwertung sind schon erste Schritte in die richtige Richtung. Zum anderen gibt es inzwischen aber viele Start-ups und Initiativen, die sich dem Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung verschrieben haben und jeden von uns dabei unterstützen wollen, weniger Nahrung wegzuwerfen.

Fotografierst du noch für Instagram oder schon für UXA?

4,4 Millionen Tonnen – Diese Menge an jährlich weggeworfenen Lebensmitteln geht allein auf das Konto der deutschen Privathaushalte. Das sind in etwa 55 Kilo pro Person. Und genau hier will Elizaveta Zvonetskaya, kurz einfach Lisa, mit ihrer App UXA Foodsharing ansetzen. Die Idee ist aus einem Alltagsproblem heraus entstanden – Lisa hatte mal wieder zu viel eingekauft. Sie fand keine passende Lösung, um ihr Essen weitergeben zu können. Das Angebot von Foodsharing, dem deutschlandweit organisierten Verein ist bislang nur webbasiert, das war der Gründerin von UXA zu unflexibel. Außerdem zielt die Lebensmittelrettung der Plattform vor allem auf Unternehmen ab, nur bedingt auf Privathaushalte. Mit ihrer Foodsharing-App will Lisa die Organisation und Weitergabe von Lebensmitteln für Privatpersonen vereinfachen – und ganz nebenbei noch die Gesellschaft positiv beeinflussen und die Menschen für Lebensmittelverschwendung sensibilisieren.

UXA - Die Foodsharing APP

Damit das gelingt, ist die App kostenlos und die Bedienung äußerst intuitiv. Und wer kennt es nicht, man fährt in Urlaub und der Kühlschrank ist noch halb voll, der Joghurt, den es nur mal wieder nur im 6er-Pack gab, schmeckt doch nicht oder man war mal wieder hungrig einkaufen und hat schlicht einfach zu viel gekauft. Da kommt UXA ins Spiel. Ach der Name kommt übrigens von einer osteuropäischen Suppe, die so kostbar ist, dass man sie lieber mit Freunden teilt, anstatt sie wegzuwerfen. Die Suppe heißt UXA, wird ucha ausgesprochen und in lateinischen Buchstaben eben wie Uxa geschrieben. So nun aber zurück zu deinen Lebensmitteln, die du nun aus welchen Gründen auch immer, nicht mehr gebrauchen kannst. Einfach Wegwerfen wäre doof – vor allem in Hinblick, dass du irgendjemand in deiner Nähe damit glücklich machen kannst.

Also schnell bei UXA Foodsharing anmelden, ein Foto von deinem Essen machen, in der App hochladen, eine kurze Beschreibung über Haltbarkeit, Menge und Abholungsort einfügen – Fertig! Es ist eine Win-Win-Situation für jeden: Abholer freuen sich über kostenloses Essen, Abgeber darüber, dass sie keine Nahrungsmittel wegwerfen mussten und jemand noch etwas Gutes tun konnten. Also los geht’s, denn noch hat die UXA-App zu wenig Nutzer und braucht dringend Futter. Und dabei ist es doch ganz einfach – und fast so wie früher, als man beim Nachbarn klingelte, wenn mal ein Ei oder ein bisschen Mehl fehlte.

Dein Essen – zu gut für die Tonne, oder?

Die Tomaten sind schon ganz weich, die Sahne bereits zwei Woche abgelaufen und die Nudeln von gestern müssten eigentlich auch noch verarbeitet werden. Was jetzt? Wegwerfen ist eigentlich keine Option für dich. Wie du es verwerten kannst, will dir allerdings auch nicht einfallen. Wie wäre es denn zum Beispiel mit Nudel-Gemüse-Muffins? Das schlägt zumindest die App „Zu gut für die Tonne“ vor. Und das klingt doch schon mal gar nicht schlecht.

BMEL/Janine Schmitz

Mit "Zu gut für die Tonne" gegen Lebensmittelverschwendung

In der Rubrik „Rezepte für beste Reste“ kann man ganz einfach die Zutaten eingeben, die verwertet werden müssen. Zusätzlich kannst du noch auswählen, ob du Lust auf was Süßes hast, frühstücken möchtest oder einen Snack für die nächste Party vorbereiten musst. – Und schon wird dir ein passendes Rezept für deine Lebensmittelreste vorgeschlagen. Suchst du nur nach Inspiration, kannst du aber auch einfach nur in den Rezeptvorschlägen stöbern oder die Ideen von sogenannten Kochpaten einholen – prominente Köche und Köchinnen, die die Regierung für die Kampagne gewinnen konnte.

Die Maßnahmen gehen nämlich auf die Initiative der Regierung und des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) zurück, die mit der Kampagne einen Beitrag leisten will, das Ziel der Vereinten Nationen einer Halbierung des vermeidbaren Lebensmittelmülls bis 2030 zu erreichen. Gemeinsam mit dem Bundeszentrum für Ernährung haben sie deshalb die Webseite www.zugutfuerdietonne.de, die dazugehörige App sowie die Plattform www.lebensmittelwertschaetzen.de ins Leben gerufen.

Mit allgemeinen Ratschlägen gegen Lebensmittelverschwendung, einem Einkaufsplaner, Hinweisen zur Lagerung und Haltbarkeit von Nahrung oder den besagten Rezeptideen soll die Wertschätzung von Lebensmitteln wiederhergestellt und ein Bewusstsein für einen weniger verschwenderischen Umgang mit Essen geschaffen werden. Die Initiative dient also in erster Linie als Aufklärungsplattform für den Verbraucher. 

Dieser Ansatz wurde häufig kritisiert. Viele Verbraucher wünschen sich, dass auch Wirtschaft, Handel und Industrie mehr in die Pflicht genommen werden sollten. Laut Angaben des BMEL finden diesbezüglich bereits Gespräche mit Lebensmittelherstellern und -ketten statt. Immerhin werden auf den Plattformen Aktivitäten aus der Landwirtschaft, der verarbeitenden Industrie oder dem Lebensmittelhandwerk vorgestellt, die sich bereits aktiv (und freiwillig) gegen Lebensmittelverschwendung einsetzen. Außerdem werden mit dem „Zu gut für die Tonne!“-Bundespreis Projekte ausgezeichnet, die dazu beitragen, das EU-Ziel zu erreichen. So kannst du dich informieren und Initiativen gezielt unterstützen, die der Lebensmittelverschwendung den Kampf angesagt haben.

Engagiere dich – Deine Taten gegen Lebensmittelverschwendung

Bei dir landet bereits kein Essen mehr im Müll – mit dem Zubereiten der guten, alten Restepfanne hast du dir schon quasi einen Stern erkocht und deine Nachbarn freuen sich auch immer mal wieder über ein kleines Abgebsel. Zuhause betreibst du schon Lebensmittelrettung für Fortgeschrittene, aber du willst noch einen Schritt weiter gehen und aktiv etwas gegen die Lebensmittelverschwendung in Handel und Gastronomie tun? Vielleicht ist ja bei den folgenden Konzepten und Projekten was für dich dabei.

ecowoman

Mit den richtigen Rezeptvorschlägen lassen sich Gemüse und Früchte lecker verwerten.

  • Foodsharing, die Organisation, deren Motto „Lebensmittel teilen statt wegwerfen“ lautet, kennen inzwischen die meisten. Deren Plattform bietet nicht nur eine wunderbare Möglichkeit, Lebensmittel weiterzugeben, sondern man kann als aktives Mitglied auch Lebensmittel bei kooperierenden Betrieben retten, die diese sonst aufgrund von Mindesthaltbarkeitsdatum oder Schönheitsfehlern wegwerfen.
  • Einkaufen bei SIRPLUS: Ein Startup, das überschüssige Lebensmittel vergünstigt im eigenen Online-Shop oder sogenannten Rettermärkten verkauft und sie zurück in den Kreislauf bringt. Bislang gibt es die Filialen nur in Berlin, das Team hinter Sirplus ist aber bestrebt, das Konzept deutschlandweit zu etablieren.

@Sir Plus

  • Mit der App Too Good To Go bekommst du ein Mittag- oder Abendessen für wenig Geld. Die App richtet sich an gastronomische Betriebe, die bereits zubereitetes Essen wegwerfen müssen. Dies ist zum Beispiel bei Buffet-Angeboten oder Bäckereien häufig der Fall. Das Ganze ist eine Mischung aus Bestellservice und Wundertüte: In der App wird dir angezeigt, welche Betriebe in deiner Stadt etwas abzugeben haben, das „bestellst“ du, bezahlst es direkt online und holst es ab. Eine Win-Win-Situation für Verbraucher und Unternehmen.

@Too Good To Go

  •  Viele Landwirte müssen ein Teil ihrer Erzeugnisse oftmals vernichten, weil es nicht der entsprechenden Supermarkt-Norm entspricht. Diese ist zwar in großen Teilen abgeschafft, indirekt existiert sie dennoch weiter: Selten liegt im Regal eine krumme Gurke, eine dreibeinige Karotte oder eine handballgroße Rote Bete. Und genau hier setzt Etepetete an. Sie verschicken sogenannte Retterboxen zu dir nach Hause, gefüllt mit Obst und Gemüse, das es aufgrund seines Aussehens nicht in den Supermarkt geschafft hat. Weiter lesen

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Quelle: Autor: Lisa Bender, Bilder: SirPlus, TooGoodToGo, Zu gut für die Tonne, Depositphotos: AndrewLozovyi, Rawpixel, ArturVerkhovetskiy, AndreyPopov, monkeybusiness,