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Emmer ist ein Urgetreide. © Ernst Fretz/iStock/Thinkstock
Neue Chancen für Emmer

Studie der Uni Hohenheim beweist: Emmer Getreide im Anbau gleichwertig mit Dinkel

Das Urgetreide Emmer war jahrelang in Vergessenheit geraten und Getreidesorten wie Dinkel und Weizen hatten den Vorrang beim Anbau in der Landwirtschaft. Nun steigt die Nachfrage nach dem Urkorn zum Beispiel für Bier wieder, doch viele Bauern und Müller haben Vorurteile. Eine neue Studie der Uni Hohenheim kann diese widerlegen.

Das Urgetreide Emmer ist nun schon seit über 500 Jahren ein Nischengetreide, das kaum noch angebaut wird und das viele Menschen gar nicht kennen. Das war nicht immer so, denn bis ins Mittelalter waren alte Arten wie beispielsweise Emmer und Einkorn mitunter die wichtigsten Getreidearten in ganz Europa. Nach und nach wurde aber der Anbau von Dinkel und Weizen verstärkt und übernahm so das Feld – für Urgetreide war kein Platz mehr. Die Vorteile waren naheliegend, denn gerade Weizen liefert viel höhere Erträge und ist leichter zu verarbeiten als das Urgetreide, denn bei Emmer ist das Korn von einer festen Hülle umschlossen, so muss der Müller einen zusätzlichen Arbeitsschritt einbauen und das kostet Zeit, Arbeitskraft und Geld. Dabei hat Emmer auch viele Vorteile gegenüber Weizen: Es enthält mehr Mineralstoffe und auch andere gute Inhaltsstoffe und durch seinen kräftigen, nussigen Geschmack schmeckt er sehr urtümlich und naturbelassen, sodass sich daraus beispielweise ein sehr dunkles, würziges Bier brauen lässt.

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Kleines Korn ganz groß. © T. Miedaner

Kleines Korn ganz groß. © T. Miedaner

Emmer bei Verbrauchern immer beliebter

Verbraucher sind mittlerweile begeistert von Emmer und das Interesse steigt. Hier ist die Nachfrage jedoch größer als das Angebot, denn viele Landwirte, Müller und Lebensmittelproduzenten haben Vorurteile gegen das Urkorn. In einem Feldversuch der Uni Hohenheim konnten nun die Vorteile von Emmer nachgewiesen und alte Vorurteile entkräftet werden. Dr. Friedrich Longin baute in einer Arbeitsgruppe mehr als vierzig verschiedene Emmersorten, an sieben unterschiedlichen Standorten an. Vier Felder wurden nach Biolandbauregeln und drei im Sinne der konventionellen Landwirtschaft bewirtschaftet.  Bei diesem Feldversuch konnte festgestellt werden, dass die beiden Sorten RAMSES und HEUHOLZER KOLBEN den gleichen Ertrag wie die klassische und beliebte Dinkelsorte Oberkulmer Rotkorn einbringt. Auch die Anforderungen für den Anbau entsprachen fast genau denen der Dinkelsorte Oberkulmer Rotkorn. Dr. Longin erklärt: „Oberste Priorität im Emmeranbau ist die Erhaltung der Standfestigkeit, etwa durch geringe Düngung, späteren Fruchtfolgeplatz, Nutzen von Halmverkürzern und andere Maßnahmen.“ Emmer ist außerdem nicht krankheitsanfälliger als Dinkel.

Emmer hat ein großes Markenpotenzial

Dr. Longin erklärt, dass wenn Landwirte Emmer genauso anbauen wie die Dinkelsorte Oberkulmer Rotkorn, sie keine Probleme mit dem Anbau haben dürften. Der Anbau von Emmer ist also nicht schwieriger als der von Dinkel und kann so ohne Bedenken verfolgt werden. Außerdem bestätigt der Wissenschaftler, dass gerade das Urkorn Emmer ein hohes Potential für Kreuzungen habe, sodass seine Eigenschaften sogar noch verbessert werden könnten. Aktuell ist es für Landwirte aber noch schwierig gutes Saatgut für Emmer zu bekommen und so werden die Vorurteile der Bauern und Müller bestätigt. Mit gutem Saatgut bietet Emmer jedoch tolle Alternativen für Brot und Nudeln, denn Emmerkörner sind eng mit Hartweizen verwandt. Dr. Login erklärte abschließend: „Emmer hat das Potential, vom Liebhaberobjekt zu einer echten Marktalternative zu werden“. Die Lebensmittelindustrie muss sich nur auf das alte Korn einlassen und versuchsfreudiger werden.

Quelle: Uni Hohenheim
Text: Kristina Reiß

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