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Strawberry Farmer, Yamamoto, Japan, Von Rima Armstrong (BBC)
Welternährung

Schaffen wir es 10 Milliarden Menschen zu ernähren?

Wie schaffen wir es 10 Milliarden Menschen zu ernähren, ohne die Umwelt zu zerstören? Wie können wir unsere Landwirtschaft revolutionieren? Können wir unsere Böden noch retten? Ist es irgendwann zu spät? Es gibt bereits zahlreiche Lösungsvorschläge auf diese Fragen. Die gute Nachricht: Sie funktionieren! 

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Ich habe nie sehr viel über Kichererbsen nachgedacht. Bis ich Doug Cook, den Direktor des Kichererbsen-Innovations- Labor an der Universität von Kalifornien traf.

Cook und sein Team verbrachten Jahre damit, durch den Südosten der Türkei zu wandern auf der Suche nach wilden Kichererbsen. Mit dem Einsatz von GPS-Daten und Informationen von örtlichen Schäfern und Dorfältesten sammelte das Team von Cook über 2000 einzelne Stammkulturen. Manche haben mehr Protein als die, die wir gewöhnlich essen. Manche widerstehen der Trockenheit besser. Manche werden von schädlichen Plagen verschont. Wenn man sie kreuzt, können vielfältige Variationen gezüchtet werden. Das Ziel ist es, die genetischen Bausteine der nützlichsten Eigenschaften dieser Kulturen zu finden.

Das Ergebnis könnten Kichererbsen mit einer besseren Widerstandskraft gegen den Klimawandel und Plagen und mit einem höheren Nährwert sein. Kichererbsen sind in einigen Ländern, die 20 Prozent der Weltbevölkerung umfassen, die Hauptprotein-Quelle. Deshalb könnten die Ergebnisse von Cooks Entdeckung große Auswirkung auf die Ernährung unserer Weltbevölkerung haben. Mein Streifzug in die Welt der Kichererbsen war Teil einer weitreichenden Recherche für die neue BBC World News und  BBC Future Serie „ Follow the Food“. Ich bin um die Welt gereist und habe bei Bauern, Wissenschaftlern, Ingenieuren nachgeforscht, wie sie die Effektivität und Nachhaltigkeit unserer Nahrung verbessern wollen.

Das ist etwas, worüber die meisten, die nicht mit Ernährungsherstellung und Verteilung zu tun haben, nicht viel nachdenken, vor allem in den Industrienationen. Ich lebe in Brooklyn, New York. Ich denke schon, dass unsere Familie ernährungsbewusst ist – wir versuchen lokal produzierte Nahrung zu kaufen, wir kompostieren unsere Bioabfälle und essen den Großteil unserer Reste, um Abfälle zu vermeiden. Dennoch betreffen uns die echten Probleme im Zusammenhang mit der Ernährung der Weltbevölkerung nicht wirklich täglich.

Wenn ich Essen einkaufen gehe, kann ich unter sieben Supermärkten in meiner direkten Umgebung auswählen. Es gibt fast nichts, was es nicht gibt. Ich kann Wassermelonen und Pfirsiche auch während eines Schneesturms im Januar kaufen.


Bei der aktuellen Verbrauchsrate hat die Welt wahrscheinlich in 60 Jahren keinen verwendbaren Humus mehr.

Das Nahrungssystem, das diese Vielfalt möglich macht, ist kaum mehr aufrechtzuerhalten. Es hat zu einer fortlaufenden Zerstörung von Humus geführt, der in vielen Teilen der Welt unabdingbar für den Getreideanbau ist. Einige Experten glauben, dass wir bei der aktuellen Verbrauchsrate in 60 Jahren keinen nutzbaren Humus mehr haben werden. Die Nahrungsmittelproduktion verlässt sich heute auch auf das großflächige Besprühen des Getreides mit Pflanzenschutzmitteln, obwohl 90 Prozent davon nicht auf den Pflanzen verbleiben und im Boden und in der Wasserversorgung landen können. Die zugrundliegende Statistik, die die Serie angeregt hat, besagt, dass im Jahr 2050 geschätzte 10 Milliarden Menschen auf dem Planeten leben werden. Wenn wir so weitermachen, wie bisher, werden wir sie nicht ernähren können.

Das sind erschreckende Aussagen. Dennoch gibt es viel Anlass zu Hoffnung und Optimismus. Menschen, wie Cook, nehmen das Problem in Angriff. Die Schritte, die sie bis jetzt unternommen haben, sind sehr beeindruckend und nur die Spitze des Eisberges. Innovationen in jeder Phase der Reise vom Feld zur Gabel können die Effektivität fördern, Abfälle reduzieren und die Umweltverschmutzung minimieren.

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Forscher in Georgia setzen auf Feldern eine Technik mit der Bezeichnung „Bee-Vectoring“ ein, um den übermäßigen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in den Griff zu bekommen. „Bee- Vectoring“ ist eine natürliche Methode, um Pflanzen gegen den Einsatz von Pestiziden zu schützen, und zwar mit Bienen. Bienen fliegen von Pflanze zu Pflanze, während sie diese bestäuben. Dadurch sind sie ein natürliches Transportsystem von nützlichen Bakterien und Pilze zu den blühenden Getreidepflanzen.  Bei der Beobachtung ganzer Höfe nutzen Wissenschaftler in  Minnesota Satelliten- und Drohnenbilder, damit können sie Farmer schneller über Ungewöhnlichkeiten auf ihren Feldern informieren. Drohnen können Veränderungen festhalten, die auf großen Feldern erst nach Wochen entdeckt würden. Mittels Bildmaterials, das von Multispektralsensoren entwickelt wird, können Landwirte viele Informationen über den Zustand ihres Getreides erhalten, um zu entscheiden, ob Wasser, Düngemittel oder Pflanzenschutzmittel hinzuzufügen ist.

Auf internationaler Ebene erklärte mir Kristalina Georgieva, CEO der World Bank, wie die Organisation finanzielle Mittel einsetzt, um den Wasserverbrauch einzudämmen und in den Entwicklungsländern zu einem nachhaltigen Wasserverbrauch anzuregen.

Die Technologien, Kenntnisse und Fähigkeiten, um die Probleme zu lösen, sind vorhanden und warten auf ihren Einsatz

Jedes Thema ist faszinierend, in so vielen Bereichen sind die Kenntnisse und Technologien, um die Probleme zu lösen, bereits vorhanden. 

West Wind Acres, Farm, Knox, New York State; Von Rima Armstrong (BBC) Rechts im Bild. Autorin JJ Ramberg, BBC World News

Am meisten beeindruckt hat mich jedoch Rattan Lal, ein mit einem Nobelpreis ausgezeichneter Professor für Bodenwissenschaften an der Ohio State University. Lal ist Zeuge geworden, wie wir unseren Boden durch nicht nachhaltige Landwirtschaft auf der ganzen Welt in Mitleidenschaft gezogen haben. Im Grunde genommen, sagte Lal, schätzen wir unseren Boden nicht. Wir haben ihm mehr entzogen als wir ihm hinzugefügt haben. Nährstoffe, Kalium, Stickstoffe. Wenn wir so weitermachen, wird all der Humus auf der Erde wertlos.

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Erde, Pflanzen, Tiere, Menschen und Ökosysteme sind verbunden, deshalb können wir den Boden nicht einfach in eine Schachtel packen. Boden und Leben sind aufs Engste verflochten. Ein Gespräch mit Lal ist wie eine Reise durch die Geschichte über die Landwirtschaft, Religion, menschliche Natur und Gemeinschaft – alles kehrt zurück zum Boden. Als ich ihn fragte, was das größte Hindernis dafür wäre, diese Zerstörung umzukehren, sagte er nur “Aufklärung”. Die Menschen müssen die Probleme verstehen. Die Lösungen gibt es bereits, wir müssen den Menschen klar machen, dass es ernsthafte Probleme sind. 

JJ Ramberg ist Moderatorin der BBC World News TV Serie “Follow the Food”. Der Artikel ist auf BBC.com/Future zuerst erschienen und stellt die persönlichen Eindrücke von JJ Ramberg dar.  Die nächste Folge von „Follow the Food“ mit dem Titel „Better Foods“ wird am 6.Juli um 17.30 Uhr und am 7. Juli um 11.30 Uhr auf BBC World News ausgestrahlt. Wie folgt der Link zum Programmhinweis.

Louise Fresco, Wageningen University, Netherlands ; Von Rima Armstrong (BBC)

BBC World News-Moderator Greg Foot im Gespräch mit der Wissenschaftlerin Louise Fresco

Der Artikel ist Teil einer neuen Multiplattform-Serie von BBC Future mit dem Titel „Follow the Food“, die in Kooperation mit BBC World News entstanden ist. „Follow the Food“ erforscht, wie die Landwirtschaft auf die Herausforderungen des Klimawandels, der Umweltveränderungen und einer wachsenden Weltbevölkerung reagiert. „Follow the Food“ sucht nach Antworten auf die Probleme –High-tech und Low-tech, auf lokaler und globaler Ebene – bei Landwirten, Gärtnern und Forschern auf sechs Kontinenten. Weiter lesen...

Alle Folgen von „Follow the Food“ sind unter BBC REEL https://www.bbc.com/reel/playlist/follow-the-food

(kostenfrei) verfügbar. Hier finden Leser mehrHintergrundinformation zur Serie   https://www.bbc.com/future/bespoke/follow-the-food/

Das Intro Bild zeigt die BBC World News-Moderatorin und Moderatorin von „Follow the Food“  Lerato Mbele

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Quelle: BBC; Fotos: BBCWorld News, Text: Von JJ Ramberg 

Bid: Depositphotos/EdZbarzhyvetsky,