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Gesundheitsbewusstsein wichtig bei der Lebensmittelwahl
Gemüse als Umweltsünder

Ist Salat schuld am Klimawandel?

Dass es gesund ist, viel Obst und Gemüse zu essen, steht außer Frage. Aber ist es auch gut für die Umwelt? Eine neue Studie aus den USA stellt das infrage. Die Behauptung der Forscher: Salat ist deutlich umweltschädlicher als Speck. 

Das Fazit der Studie, die von Wissenschaftlern der Carnegie Mellon University in Pittsburgh durchgeführt wurde, klingt zunächst einmal alarmierend: Die Forscher behaupten, dass vegetarische Ernährung für den Klimawandel mitverantwortlich sein könnte. Den Untersuchungen zufolge ist der Ausstoß von Treibhausgasen bei Salat dreimal so hoch wie bei Speck.

Bevor wir daraus irgendwelche Schlüsse ziehen, sollten wir uns die Studie selbst erst einmal genauer anschauen: Genau genommen handelt es sich um eine Meta-Studie. Das bedeutet, dass die Forscher keine eigenen Untersuchungen vorgenommen, sondern Ergebnisse anderer Studien ausgewertet und miteinander verglichen haben. Das macht es schwierig, die tatsächliche Aussagekraft einzuschätzen, denn die Bewertungsmaßstäbe für die Emissionswerte sind nicht bekannt. Auch ist nicht klar, ob beispielsweise zwischen direkten und indirekten Emissionen unterschieden wurde.

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Was haben die Forscher genau untersucht?

Für die neue Studie haben die US-Wissenschaftler verglichen, wie viele Emissionen ausgestoßen werden, um 1.000 Kalorien eines Lebensmittels zu erhalten. Dabei haben sie alle Stationen vom Anbau über die Verarbeitung und den Transport bis hin zu Verkauf, Lagerung und Zubereitung mit einbezogen und sind zu dem Schluss gekommen, dass einige Gemüsesorten einen deutlich höheren Ressourcenverbrauch pro Kalorie haben als bisher angenommen und im direkten Vergleich mit Hühner- und Schweinefleisch nicht gerade gut abschneiden.

Das ist auch absolut logisch, denn während Salat durchschnittlich etwa 10 bis 15 Kilokalorien pro 100 Gramm hat, schlägt die gleiche Menge Schweinespeck mit rund 500 Kilokalorien zu Buche. Beim Salat ist also ein sehr viel höherer Aufwand notwendig, um 1.000 Kalorien zu produzieren als beim Fleisch. Nun wird kaum jemand versuchen, seine Kalorienzufuhr mit Salat zu decken. Ein unmittelbarer Vergleich zwischen beiden Lebensmitteln ist also eigentlich ziemlich schwierig, wenn nicht sogar unmöglich. Na gut, also Diskussion abgeschlossen?

 Den Untersuchungen zufolge ist der Ausstoß von Treibhausgasen bei Salat dreimal so hoch wie bei Speck.

Einen Schritt weiter denken

Besser nicht, denn es wäre zu voreilig, das Ganze nur auf der Ebene der direkten Vergleichbarkeit zu betrachten. Geht man gedanklich einen Schritt weiter, bringt die Studie ganz andere Fragen ins Blickfeld als die, wie viele Salatköpfe ein Mensch verspeisen müsste, um kalorientechnisch mit dem Frühstücksspeck des Nachbarn gleichzuziehen. Und zwar Fragen nach der Ernährung der Weltbevölkerung. Gut eine Milliarde Menschen leiden derzeit an Hunger. Laut aktuellen Prognosen werden im Jahr 2050 rund neun Milliarden Menschen auf unserem Planeten leben. Wie sollen die ernährt werden?

Eins ist sicher: Wenn es mit der landwirtschaftlichen Produktion, mit Pestizideinsatz, Massentierhaltung und Monokulturen so weiter geht wie bisher, dann sind die natürlichen Ressourcen, die uns zur Verfügung stehen, bald aufgebraucht. Boden, Wasser, Luft – das alles sind endliche Ressourcen: sie wachsen nicht nach und können nicht künstlich geschaffen werden. Kampagnen wie „Rettet unsere Böden“ (Save Our Soils) setzen sich daher schon seit einiger Zeit für eine flächendeckende biologische Landwirtschaft ein.

Ist das Fleisch der (einzige) Übeltäter?

Tierschutzverbände und vegetarische Organisationen sehen in der nach wie vor wachsenden massenhaften Fleischproduktion das Hauptproblem. Tatsächlich schneidet besonders Rindfleisch auch bei der neuen Studie im Hinblick auf Treibhausgase noch weit schlechter ab als Salat und Gemüse. Nichtsdestotrotz ist der Hinweis durchaus gerechtfertigt, dass auch eine rein vegetarische oder vegane Ernährung nicht zwangsläufig der Weisheit letzter Schluss ist, wenn es um den Umweltschutz geht.

Der menschliche Körper benötigt nun einmal Energie, um zu funktionieren. Und es ist nicht von der Hand zu weisen, dass es deutlich schwieriger ist, ihm die nötige Menge mit Salat und Gemüse zuzuführen als mit Fleisch. Die gesundheitlichen Aspekte bleiben hier natürlich außen vor. Außerdem gibt es viele pflanzliche Lebensmittel, die mit einer deutlich höheren Energiedichte als Salat oder Gurken daherkommen. Kartoffeln, Getreide und Hülsenfrüchte sind da nur einige klassische Beispiele.

Wenn über die Zukunft der Welternährung, des Klimas und der landwirtschaftlichen Produktion gesprochen und nach Lösungen gesucht wird, sollte aber keine Option außer Acht gelassen und von vornherein verteufelt werden. Manchmal lohnt es sich, Themen aus einer anderen als der gewohnten Perspektive zu betrachten und scheinbar eindeutige Wahrheiten zu hinterfragen. Eine Studie wie die der Forscher aus Pittsburgh dient in diesem Fall also weniger als verlässliche wissenschaftliche Quelle, sondern kann eher dabei helfen, längst überflüssige Diskussionen in Gang zu setzen.

vegetarische oder vegane Ernährung nicht zwangsläufig der Weisheit letzter Schluss ist, wenn es um den Umweltschutz geht.

Gesundheitsbewusstsein wichtig bei der Lebensmittelwahl

Was ihr Essen angeht, sind die Deutschen jedenfalls wählerischer und kritischer geworden. Das zeigt die repräsentative Umfrage „So isst Deutschland 2016“ vom Lebensmittelkonzern Nestlé. Hier einige Ergebnisse der Studie zum Thema…

…Fleischkonsum:

Nach eigenen Angaben schränken 34 Prozent ihren Fleischkonsum bewusst ein, gut vier Prozent der Deutschen ernähren sich vegetarisch oder vegan

…Ethik:

Im Vergleich zu früheren Befragungen sind deutlich mehr Konsumenten bereit, mehr Geld für Lebensmittel auszugeben, wenn ethische Aspekte berücksichtigt werden. Für artgerechte Tierhaltung würde fast die Hälfte aller Befragten mehr bezahlen.

…Gentechnik:

Nicht ganz so viele, aber immerhin 38 Prozent wären bereit, für gentechnikfreie Lebensmittel tiefer in die Tasche zu greifen. 2011 waren es noch rund zehn Prozent weniger.

…Bio:

Lebensmittel in Bio-Qualität würden sich 26 Prozent der Befragten (2011: elf Prozent) mehr kosten lassen.

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Quelle: Carnegie Mellon University,  Bild: depositphotos/ smileus/ utima, Fotolia/ Comugnero Silvana, Text:  Ronja Kieffer