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Mikroalgen als pflanzliche Proteinquelle - essen wir bald alle Mikroalgen?
Pflanzliche Proteinquelle

Essen wir bald alle Mikroalgen?

Pflanzliches Eiweiß aus einer ressourcenschonenden und klimafreundlichen Quelle — Diese Meldung löste vor ein paar Jahren einen regelrechten Mikroalgen-Boom aus. Doch sind Chlorella, Spirulina & Co wirklich so nachhaltig und gesund, wie oft behauptet wird, und werden sie vom Verbraucher überhaupt angenommen?

Wenn Sie Ernährungstrends verfolgen, sind Chlorella und Spirulina wahrscheinlich keine Fremdwörter für Sie. Viele ernährungsbewusste Menschen, darunter Veganer und Rohköstler, schätzen die Mikroalgen als hochwertige pflanzliche Proteinquelle, die zudem Ressourcen schont und weniger Treibhausgase ausstößt als die Fleischindustrie. Ob Mikroalgen wirklich so nachhaltig sind, wie oft behauptet wird, untersuchen derzeit Wissenschaftler der Universität Hohenheim mit Hilfe von Computersimulationen — und auch, ob der Kunde Mikroalgen-Produkte überhaupt kaufen würde.

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Mikroalgen als pflanzliche Proteinquelle - essen wir bald alle Mikroalgen?

Die Zucht der Einzeller ist sowohl mit als auch ohne Licht möglich

Wachstum mit und ohne Photosynthese

Auf den ersten Blick scheinen Algen ein optimales Lebens- bzw. Futtermittel zu sein: Im Vergleich mit Landpflanzen zeigt sich, dass Algen das Sonnenlicht effektiver nutzen und schneller wachsen. Die Zucht der Einzeller ist dabei sowohl mit als auch ohne Licht möglich. Während die Mikroalgen im Licht ihren Zucker mittels Photosynthese selbst herstellen können, muss man ihnen ohne Licht eine andere Kohlenstoffquelle anbieten.

Sebastian Weickert, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet Agrar- und Ernährungspolitik der Universität Hohenheim, erklärt die Vor- und Nachteile der beiden Methoden. Die Produktion mit Licht habe ökologische Vorteile, die Zucht in großen Teichen sei jedoch unwirtschaftlich und eine Kontamination könne nicht immer ausgeschlossen werden. In einem geschlossenen System bestünde zwar keine Kontaminationsgefahr und man könne die Zucht besser kontrollieren, dafür müsse allerdings der Zucker auf anderem Wege produziert werden, was sich wiederum negativ auf die Gesamtbilanz der Algen auswirke. Welche jetzt letztendlich die nachhaltigere Methode ist, wollen die Wissenschaftler herausfinden.

Lohnt sich die Algen-Produktion?

Eine andere Frage ist, welche Konsequenzen sich für den Agrarsektor und die Nahrungsmittelversorgung ergäben, wenn die Eiweißquellen Fleisch und Soja teilweise durch Algen ersetzt würden, und ob sich die Algen-Produktion wirtschaftlich überhaupt lohnt. Photosynthetisch gezüchtete Algen haben zudem einen leicht fischigen und gewöhnungsbedürftigen Eigengeschmack. Die aus den Zellen isolierten, reinen Proteine ohne Eigengeschmack könnten zwar optimal in die Nahrungsmittelproduktion integriert werden, sie haben aber bisher keine Zulassung in der EU.

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Mikroalgen als pflanzliche Proteinquelle - essen wir bald alle Mikroalgen?

So schnell werden Mikroalgen Fleisch und Soja als Proteinquellen wohl nicht verdrängen

Die Zukunft von Mikroalgen

All diese Fragen und Überlegungen fließen in die Computersimulationen der Wissenschaftler ein: Mit Blick auf Ökonomie und Ökologie nehmen sie die heutige Situation unter die Lupe und vergleichen sie mit möglichen Szenarien im Jahr 2030 und 2050. Auch unter dem Aspekt der Materialwahl spielen sie verschiedene Möglichkeiten auf globaler Ebene durch. Behälter aus Glas wären beispielsweise robuster und leichter zu reinigen als solche aus Kunststoff, dafür wären sie aber auch schwerer und teurer.

Während die Wissenschaftler gemeinsam mit der Universität Göttingen auch herausfinden wollen, ob und welche Mikroalgen-Produkte vom Verbraucher überhaupt angenommen werden, und ankündigen, im Laufe des nächsten Jahres die Ergebnisse ihrer Studie vorstellen zu können, können wir Verbraucher davon ausgehen, dass zwar wahrscheinlich in Zukunft mehr Mikroalgenprodukte in den Supermarktregalen liegen werden, dass sie aber Fleisch und Soja als Proteinquellen so schnell nicht verdrängen werden.

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Quellen: Universität Hohenheim, Bilder: Depositphotos/Kesu01, sciencepics, Universität Hohenheim/Astrid Untermann, Text: kle