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Wertewandel und Social Business: Nachhaltige Wirtschaft der Zukunft

Social Business - ein Schlagwort, das widersprüchlicher nicht sein könnte. Wenn die Vision von Friedensnobelpreisträger Prof. Muhammad Yunus Realität wird, streben Unternehmen bald nicht mehr nach Gewinnmaximierung, sondern lösen die sozialen und ökologischen Probleme der Welt. Social Business vor dem Hintergrund von sozialer Ungleichheit und Wirtschaftskrise.

Überwiegend Frauen nutzen die Mikrokredite der Grameen-Bank. Davon sichern sie die Lebensgrundlage ihrer Familien.Überwiegend Frauen nutzen die Mikrokredite der Grameen-Bank. Davon sichern sie die Lebensgrundlage ihrer Familien. Foto: (c) Grameen Bank

«What banks can do to better the world?» Über diese Frage diskutierten die beiden Finanzexperten Jürgen Fitschen, Vorstandsmitglied der Deutschen Bank AG, und Prof. Muhammad Yunus – nur aus völlig unterschiedlichen Perspektiven. Yunus ist Gründer und ehemaliger Geschäftsführer der 1983 gegründeten Grameen Bank. Sie vergibt Kleinstkredite an arme Menschen in Bangladesch, und das, ohne jegliche Sicherheit zu verlangen. Im Oktober 2011 hatte die Bank nach eigenen Angaben 8.349 Millionen Kreditnehmer, 97 Prozent davon sind Frauen. Davon kaufen sie Materialien, um einfache Möbel herzustellen, oder Lebensmittel, um sie zu verarbeiten und an der Straße weiterzuverkaufen. Das System ist erfolgreich: Die Menschen machen mit kleinen Geschäftsideen Profit, knapp 97 Prozent zahlen ihre Kredite zurück. Für dieses Konzept wurde Prof. Muhammad Yunus und die von ihm gegründete Bank 2006 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

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Der Banker der Armen

Über die Chancen und Grenzen des Social Business und seine Umsetzungsmöglichkeiten in Deutschland haben rund 250 Gäste in Wiesbaden diskutiert, darunter Selbstständige, Unternehmer, Studenten und Aktivisten. Sie alle wollten den «Banker der Armen» hautnah erleben. Zu den Rednern und Bühnengästen zählten der Mediziner und Lachforscher Dr. Eckart von Hirschhausen, der hessische Ministerpräsident Jörg-Uwe Hahn, Danone-Manager Ramin Khabirpour, Wiesbadens Oberbürgermeister Dr. Helmut Müller sowie Dr. Frank Heuberger vom Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement. Knapp 200 Gäste kamen nach Mönchengladbach.

Soziale Unternehmen bekommen EU-Fördermittel

Prof. Muhammad Yunus über die Chancen des Social Business. Prof. Muhammad Yunus über die Chancen des Social Business. Foto: (c) wiesbaden.de / Foto: Heiko Kubenka

Das Deutsche Social Business Forum fand im Nachgang zu dem zuvor stattfindenden Global Social Business Summit statt. Die jährlich stattfindende Veranstaltung hatte ihren Auftakt 2009 in Wolfsburg und kam nach einer Wiederholung in der Autostadt 2010 in diesem Jahr erstmals nach Wien. Dort zählte László Andor, EU-Kommissar für Beschäftigung, Soziales und Integration, zu den Podiumsgästen. Andor unterstrich in seiner Rede, wie wichtig die Umsetzung der Europa 2020 Ziele für die Zukunft Europas ist. Eines dieser Ziele ist, die Armut und die soziale Ausgrenzung in den EU-Mitgliedsländern zu senken. «Die Krise verdeutlicht, dass Europa mit einer sozialen Zeitbombe konfrontiert ist, die, ohne konsequente Maßnahmen in Bereichen wie Beschäftigung und Armutsbekämpfung, ohne Investitionen in Human- und Sozialkapital und umfassendes Wachstum, jederzeit hochgehen kann», so der EU-Kommissar. Demnach sollen sich Unternehmen, die an der momentanen Krise nicht ganz unbeteiligt sind, stärker an den zwei Initiativen der EU-Kommission, nämlich «Soziale Verantwortung der Unternehmen» und „Soziales Unternehmertum» orientieren sollten. Die EU-Kommission hat in diesem Zuge Sozialunternehmen den besseren Zugang zu Fördermitteln zugesichert.

Text: Inka Stonjek