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Pläne der EU zum Energiesparen und mehr Energieeffizienz von Fachleuten kritisiert.

Verbände kritisieren Pläne der EU für energieeffizientes Europa

Das Papier mit den Plänen zum Energiesparen legte die EU bereits im November 2010 vor. Dieses legt die Maßnahmen zur Energieeinsparung bis 2020 fest. Alleine in Deutschland könnten durch höhere Effizienz und ein geändertes Verbraucherverhalten zehn Atomkraftwerke problemlos abgeschaltet werden.

In einer gemeinsamen Pressemitteilung bemängelt der Verbraucherzentrale Bundesverband, vzbv, und die Energieeffizienz-Branche, in Form der Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz, DENEFF, fordern die EU-Kommission und Bundesregierung dazu auf, ambitionierte Energieeinsparziele und konsequente Maßnahmen zur Energieeinsparung und für mehr Energieeffizienz umzusetzen. Und auch der Deutsche Naturschutzring, DNR, sieht zu wenig Mut für Energieeffizienz-Maßnahmen in dem neuen Papier. Hintergrund ist die kürzlich vorgestellte Energieeffizienz-Richtlinie der EU, die die Bundesregierung und der EU-Energiekommissar Günther Oettinger stark verwässert haben sollen.

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Die beiden Verbände fordern, dass Deutschland eine europäische Vorreiterrolle beim Thema Energieeffizienz einnehmen müsse, dass statt zu blockieren. Sonst würde die jüngst ausgerufene Energiewende zur Farce zu werden. vzbv und DENEFF geht der Kommissionsvorschlag nicht weit genug. Dr. Holger Krawinkel, Leiter des Fachbereichs Bauen, Energie, Umwelt beim vzbv sagt, dass: «Gut gedämmte Gebäude und stromsparende Geräte entlasten die Verbraucher. Wir brauchen Wettbewerb um gute Energiedienstleistungen, mit Gängelung von Verbrauchern und Wirtschaft hat das nichts zu tun. Wenn große Energielieferanten dazu verpflichtet werden, mit attraktiven Angeboten Energieeinsparungen bei ihren Kunden umzusetzen, wird die Energiewende kosteneffizienter. Deutschland muss hier jetzt Farbe bekennen und die EU zu mehr Ambition drängen.» In ihrem Energiewendepaket setzt die Bundesregierung in erster Linie auf die Förderung der Gebäudesanierung. Starke Impulse zur Verbesserung zur Stromeffizienz kamen bislang ausschließlich aus Brüssel.

Christian Noll, geschäftsführender Vorstand der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz (DENEFF) zu den Auswirkungen einer verbesserten Stromeffizienz: «Stromeffizienz ist der kostengünstigste und umweltverträglichste Weg um Wirtschaft, Verbraucher, Klima und Netze zu entlasten und zeitgleich Beschäftigung und qualitatives Wachstum zu befördern. Die neue Effizienzrichtlinie wird nicht ausreichen, um wie geplant den Energieverbrauch bis 2020 um 20 Prozent zu senken. Hier muss nachgebessert werden um bessere Rahmenbedingungen für Investitionen zu schaffen.» Laut DENEFF ist die ursprüngliche geplante Anforderung, öffentliche Bauten zügig energetisch zu sanieren nicht nur notwendig, um Kommunen langfristig von steigenden Energiekosten zu entlasten, sondern auch eine wichtige Motivation für private Hausbesitzer.

Der EU-Energiekommissar Günther Oettinger hat will in seinem Papier den Druck von Seiten der EU auf Verbraucher, Unternehmen und Regierungen erhöhen. In seinem Vorschlag zur neuen Richtlinie unter anderem gefordert, dass die öffentliche Hand jährlich 3 Prozent ihrer Gebäude wie Schulen, Kindergärten oder Kliniken, mit neuen Fenstern oder gedämmten Wänden ausstatten sollen. Der Verbraucher soll durch intelligente Stromzähler, Smart-Meter genannt, detailliertere Strom- und Gas-Abrechnungen und Zuschüsse zum Energie sparen angeregt werden.


Anreize der EU zum Energie sparen und erneuerbare Energie fehlen

Es steckt viel Sparpotenzial in erneuerbarer Energie, aber die Bundesregierung muss mehr Anreize schaffen.

Die DENEFF legte schon im April ein 10-Punkte-Sofort-Programm vor, aufgrund dessen, Strom in der Produktionsmenge von 10 AKWs eingespart werden könnte und alle weiteren Meiler wirtschaftlich und klimaneutral ersetzt würden. Und dies in nur einem Jahr, ohne zusätzliche Energie-Importe oder CO2-Emissionen.

Das Sofortprogramm der Energieeffizienz-Spezialisten beinhaltet unter anderem, die Forderung, das Der Staat muss beim Energiesparen Vorbild sein, um Akzeptanz für dieses Thema zu schaffen. Die Impulse müssten vom Staat ausgehen und den Bürger motivieren, im Einzelnen für mehr Energieeffizienz, Energie und Stromsparmaßnahmen ebenfalls umzusetzen. Würden die Sparmaßnahmen wie vorgeschlagen umgesetzt, könnten in Deutschland 19,3 Milliarden Euro Energiekosten gespart werden.

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Im Stromsektor können jährlich etwa 68,3 Terrawattstunden aus dem Sofortprogramm zuzüglich 13 Terrawattstunden durch bereits beschlossene Ökodesign-Maßnahmen wie Pumpen, Standby und energieeffiziente Haushaltsbeleuchtungen bis 2020 eingespart werden. Das entspricht der Jahresproduktion von über 10 Großkraftwerken.

Die Steigerung der Wärmeeffizienz ist wichtig für die notwendige Anpassung des Energie-Mix. Durch eine wirksame und schnelle Steigerung der Wärmeeffizienz kann der zusätzliche CO2-Ausstoß durch den Ersatz der Jahresproduktion 9 weiterer AKW durch den kurzfristigen Einsatz konventioneller Gaskraftwerke kompensiert und zusätzliche Energieimporte minimiert werden. Insgesamt können 155 Terrawattstunden Wärme eingespart werden.

Unterstützend müssen Akteure aus der Finanzwirtschaft, neue Dienstleister, die öffentlichen Hand und die Wissenschaft aktiviert und motiviert werden, zur Schaffung attraktiver Rahmenbedingungen und der verstärkten Entwicklung von Energieeinspar-Möglichkeiten beizutragen. Nur so seien die geplanten Energie-Einsparziele schnell und effektiv zu erreichen.

Das ausführliche 10-Punkte-Sofortprogram steht hier zum Download bereit: deneff.de


Quelle: Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz e.V. (DENEFF), Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), Deutscher Naturschutzring www.dnr.de, Text: Jürgen Rösemeier