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Bandscheibenvorfälle vermeiden
Mehr als Rückenschmerzen

Bandscheibenvorfall: Ursachen, Symptome und Therapieansätze

Zahlreiche Menschen haben regelmäßig Rückenschmerzen. Mal sind Verspannungen die Ursache, mal eine falsche Bewegung. Strahlt der Schmerz bis ins Bein, kann allerdings auch ein Bandscheibenvorfall schuld sein. Die gute Nachricht: In vielen Fällen helfen konservative Therapien und es ist keine Operation notwendig

Dauerhaftes Sitzen oder einseitige Belastung am Arbeitsplatz, Bewegungsmangel oder Übergewicht: Zahlreiche Faktoren, die eine wesentliche Rolle spielen, dass Rückenschmerzen inzwischen zu den Volkskrankheiten in Deutschland gehören.

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Viele befürchten ernsthafte Beschwerden, wenn es im Rücken zwickt. Oftmals handelt es sich aber bei Rückenschmerzen um einen klassischen Hexenschuss, eine Verspannung oder um eine Reizung des Ischias-Nervs. Ein Bandscheibenvorfall hingegen tritt nur in seltenen Fällen plötzlich auf, in der Regel entspricht es eher dem Endstadium einer Erkrankung, die sich schon über einen längeren Zeitraum angebahnt hat.

Rückenschmerzen: Vier von fünf Personen waren schon einmal betroffen

Laut den Auswertungen der Techniker Krankenkasse waren Rückenschmerzen im vergangenen Jahr in 8,5 Prozent der Fälle der Grund für eine Krankschreibung. Das ist jeder zwölfte Fehltag bei Arbeitnehmern. Davon sind außerdem zwei Prozent auf einen Bandscheibenvorfall zurückzuführen.

Fast jeder Mensch kennt Rückenschmerzen. Studien der BBGM zufolge waren vier von fünf Personen schon einmal von der Situation betroffen und rund 60 Prozent der Deutschen leiden einmal im Jahr für mehrere Tage an Rückenschmerzen.

Bei den meisten verschwinden diese jedoch innerhalb von wenigen Tagen oder Wochen wieder, andere sind hingegen von einem länger anhaltenden Schmerz betroffen - nicht selten ist dann ein Bandscheibenvorfall die Ursache. Der kontinuierliche Schmerz im Rücken schränkt dann nicht nur die Beweglichkeit ein, sondern mindert auch die Lebensqualität und schlägt mitunter auf die Psyche.

Bandscheibenvorfall: Natürliche Stoßdämpfer im Rücken

Um zu verstehen, was ein Bandscheibenvorfall ist, wie es dazu kommen kann und wie man möglicherweise auch ohne eine Operation wieder fit wird, muss man wissen, was die Bandscheiben überhaupt sind.

Der Mensch ist insgesamt mit 23 Bandscheiben ausgestattet ­knorpelartiges Gewebe mit einem Gallertkern im Inneren, das immer als Puffer zwischen zwei einzelnen Wirbelkörpern entlang der Wirbelsäule liegt. Bandscheiben bestehen bis zu 85 Prozent aus Wasser und haben vor allem eine essenzielle Funktion: Sie sind die Stoßdämpfer des Rückens. Aufgrund ihrer elastischen Beschaffenheit halten einen enormen Druck aus und ermöglichen die Biegung der Wirbelsäule.

Jede Bandscheibe besteht aus einem äußeren Faserring und einem weichen Gallertkern im Inneren. Die Faserhülle gleicht einem straffen Bindegewebe, schützt den Kern und hält hohen Zugkräften stand. Die gelartige Mitte der Bandscheibe ist der eigentliche Stoßdämpfer und sorgt für eine gleichmäßige Verteilung der Belastung.

Durch das eigene Körpergewicht sowie durch andere Strapazen des Rückens wird ein Großteil des Wassers über den Tag hinweg herausgedrückt. Das kann mitunter ein Grund sein, warum man am Abend etwa ein bis drei Zentimeter kleiner ist als am Morgen. Bei Entlastung des Rückens werden die Bandscheiben aktiviert und können wie ein Schwamm wieder Nährflüssigkeit aufnehmen.

Mögliche Ursachen für einen Bandscheibenvorfall

Mangelnde Bewegung und Abnutzung sorgen allerdings dafür, dass sich die Bandscheiben nicht mit genügend Flüssigkeit füllen. Sie verlieren an Elastizität und können ihre Funktion als Stoßdämpfer nicht mehr richtig erfüllen. Die Folge können Rückenschmerzen oder eben ein Bandscheibenvorfall sein.

Mögliche Gründe, die das Risiko für einen Bandscheibenvorfall erhöhen

  • Bewegungsmangel und zu wenig Muskulatur
  • Übergewicht
  • Schweres Heben
  • Langes Sitzen, Haltungsfehler oder eine andere einseitige Belastung
  • Alterserscheinung: abnehmender Flüssigkeitsgehalt im Gewebe und natürliche Abnutzung begünstigen einen Bandscheibenvorfall im Alter
  • Erbliche Veranlagung und Rauchen
  • Sportarten, bei denen die Wirbelsäule erschüttert wird. Beispielsweise Reiten, Tennis oder Mountainbiking

Solche Verschleißerscheinungen, aber auch eine massive Druckeinwirkung beispielsweise durch einen Unfall oder eine Fehlbelastung, können die Ursache dafür sein, dass das Bandscheibengewebe zwischen den einzelnen Wirbelkörpern hervortritt. Drückt es dann auf angrenzende Nerven, kann dies zu starken Schmerzen führen. Ein Bandscheibenvorfall kann allerdings auch schmerzfrei verlaufen.

Langes Sitzen kann zu Bandscheibenvorfällen führen

Bandscheibenvorfall: Experten unterscheiden drei Schweregrade

Laut Informationen des Bundesgesundheitsministeriums unterscheiden Ärzte und Ärztinnen in der Regel zwischen drei Schweregrade eines Bandscheibenvorfalls. Wichtig für die Unterscheidung ist dabei, ob der äußere Faserring der Bandscheibe noch intakt ist oder nicht.

  • Vorstufe eines Bandscheibenvorfalls (Protrusion): Die Hülle ist zwar noch intakt, allerdings geschwächt, sodass die Bandscheibe sich zwischen den Wirbeln vorwölbt oder vorfällt (Prolaps).
  • Weist der Faserring Risse auf, sprechen Experten von einer Extrusion. Hier kann das innere gallertartige Bandscheibengewebe austreten, ist jedoch noch mit der Bandscheibe selbst verbunden.
  • Das ist bei einem sequestrierten Bandscheibenvorfall nicht mehr der Fall. Das Gewebe es in den Wirbelkanal ausgetreten und es gibt keine Verbindung mehr zur Bandscheibe.

Schon eine Vorstufe des Bandscheibenvorfalls kann schmerzhaft sein und eine größere Beeinträchtigung für den Betroffenen bedeuten als ein Sequester. Die Symptome sagen daher nicht zwingend etwas über den Schweregrad des Bandscheibenvorfalls aus, können jedoch für den behandelnden Arzt bei der Wahl der Therapie von Bedeutung sein.

Bandscheibenvorfall erkennen und Symptome deuten

Welche Symptome bei einem Bandscheibenvorfall dominieren, hängt in der Regel davon ab, an welcher Stelle der Wirbelsäule die Bandscheibe ausgetreten ist. Treten Beschwerden im Hals- oder Nackenbereich auf, könnte es sich um einen Vorfall im Bereich der Halswirbelsäule (HWS) handeln. Ein Bandscheibenvorfall im Lendenwirbelbereich (LWS) ruft viel eher Schmerzen im unteren Rücken hervor. Die Schmerzen beschränken sich allerdings nicht unbedingt nur auf den Ort des Vorfalls, sie können auch in andere Körperregionen ausstrahlen.

Auch wenn ein Bandscheibenvorfall für lange Zeit beschwerdefrei verlaufen kann, treten über kurz oder lang ein oder mehrere der folgenden Symptome bei Patienten mit einem Bandscheibenvorfall irgendwann auf:

  • Rückenschmerzen werden mit der Zeit stärker
  • Ausstrahlende Schmerzen in die Gliedmaßen
  • Verhärtung der Muskulatur im betroffenen Bereich
  • Sensibilitätsstörungen wie Taubheitsgefühl und Kribbeln oder Lähmungserscheinungen im Bein, Gesäßbereich oder in den Armen
  • Einschränkung der Kontrolle über die Blase oder den Darm

Ist die Blasen- oder Darmfunktion nicht mehr intakt oder kommt es zu Lähmungserscheinungen, kann das auf ein Problem wie eine Nervenschädigung aufgrund Bandscheibenvorfalls hindeuten. Auch wenn dies selten der Fall ist, ist eine umgehende Operation meist unumgänglich.

Bandscheibenvorfall: Diagnose entscheidet über die Behandlungsmethode

Um herauszufinden, ob es sich bei den Rückenschmerzen tatsächlich um einen Bandscheibenvorfall handelt und wenn ja, in welchem Bereich der Wirbelsäule sich dieser ereignet hat, führt der behandelnde Arzt zunächst ein Gespräch mit dem betroffenen Patienten.

In Verbindung mit einer körperlichen Untersuchung kann dann in der Regel der Bandscheibenvorfall bestätigt oder ausgeschlossen werden. Die körperliche Untersuchung können dem Arzt oder der Ärztin Details zu Fehl- oder Schonhaltungen zeigen, Seitenunterschiede im Rücken offenbaren oder Informationen über eingeschränkte Reflexe liefern.

Eine Röntgenaufnahme ist nicht notwendig, denn darauf kann ein Bandscheibenvorfall nicht erkannt werden. Leidet der Patient allerdings schon unter akuten Symptomen wie Lähmungserscheinungen, haben sich in den letzten Jahren die Computertomografie (CT) oder die MRT (Magnetresonanztomografie) als ideale Verfahren für die Diagnostik eines Bandscheibenvorfalls herauskristallisiert. Sie zeigen das Ausmaß des Bandscheibenvorfalls, was wiederum wichtig ist, um über die passende Therapie zu entscheiden.

Bandscheibenvorfall behandeln: Eine Operation ist nicht unbedingt nötig

Viele Menschen gehen immer noch davon aus, dass ein Bandscheibenvorfall operativ behandelt werden muss. Heutzutage ist das aber nur noch in seltenen Fällen notwendig und eine konservative Therapie kann ebenso heilende Erfolge erzielen. Laut dem Gesundheitsunternehmen Bauerfeind werden in Deutschland nur noch lediglich fünf Prozent aller Bandscheibenvorfälle operativ behandelt. Das sportmedizinische Institut in Köln geht sogar nur von einem Prozent aus.

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Um eine Operation zu vermeiden, verschreiben viele Ärzte zunächst Schmerzmittel und empfehlen vor allem aktiv zu bleiben. Denn inzwischen weiß man, dass Schonung auf Dauer nicht bei einem Bandscheibenvorfall hilft, sondern vielmehr regelmäßiges Training, Stärkung der Muskulatur und ausreichend Bewegung die Bandscheiben entlasten. Ärzte verordnen daher oftmals Physiotherapie über mehrere Wochen und können damit den Bandscheibenvorfall schon erfolgreich behandeln.

Mit Rückentraining die Muskeln stabilisieren und dem Bandscheibenvorfall vorbeugen

Im Durchschnitt rechnen Experten mit einer Heilungszeit von zwölf Wochen bei einem Bandscheibenvorfall. Sobald der Patient nahezu schmerzfrei ist, wird die medikamentöse Behandlung mit Schmerzmitteln ausgesetzt und die Bewegungstherapie und die Krankengymnastik in den Vordergrund gerückt. Auch Wärmeanwendungen oder Massagen können den Heilungsprozess unterstützen, da sie die oftmals verhärtete Muskulatur an der betroffenen Stelle im Rücken lockern.

Hat sich der Bandscheibenvorfall zurückgebildet, sollte der Patient aber weiterhin kräftigende Muskelübungen für Rücken und Rumpf sowie ausreichend Bewegung in seinen Alltag integrieren. Auch eine verbesserte Ergonomie am Arbeitsplatz, zum Beispiel mit passendem Sitzmöbel oder Stehschreibtischen, kann hilfreich sein. In Verbindung mit Krafttraining bleiben Rückenschmerzen dadurch langfristig nur noch ein seltener Gast und das Risiko für einen erneuten Bandscheibenvorfall sinkt deutlich.

Quelle: red, Bild: Depositphotos: fizkes, implentar, Autor: Lisa Bender