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Feministische Pornos
Feministische Pornos

Feministische Pornos (sind keine Lesben-Filme)

Dieses  Filmfestival etwas anders als andere seiner Art. In Toronto findet bereits im zehnten Jahr ein Filmfestival statt, das sich ausschließlich feministischen Pornofilmen widmet. Wer bisher dachte, dass Pornos lediglich schmutzige Filmchen sind, in denen Frauen degradiert werden und die sexuelle Realität der meisten Paare beschönigt wird, kann hier eines Besseren belehrt werden. 

Authentizität trifft auf Gleichberechtigung

Pornofilme haben ja bekanntlich nicht den besten Ruf. Vor allem unter Frauen findet man wenige, die sie gerne anschauen – oder es zumindest zugeben. Dennoch gibt ein wachsendes Subgenre, das sich zunehmend größerer Beliebtheit freut: Feministische Pornos. Wer an dieser Stelle glaubt, es handele sich dabei um Lesben-Filme, irrt sich jedoch. Vielmehr geht es darum, eine authentischere Version von dem zu erschaffen, weswegen Pornografie oft einen unangenehmen Beigeschmack hat.

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In dieser erst in den 90ern entstandenen Form von Pornofilm geht es darum, möglichst wirklichkeitsnah zu bleiben. Das fängt schon bei der Optik der Darstellerinnen an: Statt überdimensionaler praller Brüste, dürfen sie hier auch mal kleiner und nicht ganz perfekt in Form sein. Die Körper können, aber müssen nicht makellos sein, geschweige denn jedes Härchen perfekt getrimmt oder vollkommen rasiert sein. Das Wichtigste jedoch ist, dass die Frau nicht als reines Objekt dargestellt wird. Sie ist ein gleichberechtigter Sexualpartner, sie dient nicht nur der Freude des Mannes, sondern darf und soll selbst Spaß haben.

In vielen feministischen Pornos geht es also nicht darum, dass Adam als geiler Hengst jede Eva dieser Welt haben kann und sie seine Bedürfnisse befriedigen soll. Vielmehr geht es darum, dass Gleichberechtigung herrscht. Natürlich geht es auch in dieser Filmsparte unter die Gürtellinie, nur mit dem Unterschied, dass beide gleichermaßen profitieren. Eva wird weder gezwungen, noch bleiben die Höhepunkte Adam überlassen.

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glückliches Paar

Schluss mit Klischees: zwei durchschnittlich hübsche Menschen können genau so Spaß haben

Keiner ist perfekt

Einigen Regisseuren feministischer Pornos liegt neben der Gleichberechtigung der Frauen auch viel daran, mit Klischees aufzuräumen. Sie haben die Hoffnung, dass der irrationale Erwartungsdruck, den Männer und Frauen sich oft aufgrund des in herkömmlichen Pornos gezeigten Bildes machen, mit der tatsächlichen Darstellung gesenkt werden kann: Zwei durchschnittlich hübsche Menschen können sich voneinander angezogen fühlen und Spaß haben, obwohl sie Konfektionsgröße L haben und nach nur wenigen Minuten alles vorbei ist – Ohne vorgetäuschte Orgasmen und eine Nummer nach der nächsten.

Das deutsche Regisseurenduo Maike Brochhaus und Sören Störung gehören hierzulande zu den aktuellen Vorreitern dieser Branche. Im Herbst 2015 haben sie ihren zweiten Film herausgebracht. Die Schauspieler in Schnick Schnack Schnuck sind allesamt Laiendarsteller und im Gegensatz zu vielen anderen Vertretern ihres Obergenres sehen sie aus wie du und ich oder eben unsere Freunde. Es gibt einen eindeutigen Handlungsstrang mit verhältnismäßig vielen Dialogen, die Sexszenen sind nicht gescriptet. Zwar wurde das Setting grob vorgegeben, aber was genau wie passiert, mitsamt aller Berührungen, Abläufe oder Geräuschen wurde den Darstellern in der Situation selbst überlassen. Das mag hier und da vielleicht nicht gerade Hollywoodcharme versprühen, aber der Zuschauer fühlt sich verstanden. Er wird daran erinnert, dass manche Dinge ganz normal sind, jedem passieren und man trotzdem ein ausgefülltes Sexualleben haben kann.

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Quellen: Bilder: Depositphotos/nd3000, Text: Jasmine Barendt