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Sich wieder auf seine Natur zu besinnen und zu essen wie es unsere Vorfahren taten. Die Paleo- Ernährung war geboren.
Die Steinzeit Diät

Zurück in die Steinzeit: Der Paleo-Lifestyle

Macht uns das Leben in der modernen Gesellschaft krank? Die Anhänger der Paleo-Bewegung  sagen, dass unser Körper an den schnellen Fortschritt der modernen Gesellschaft nicht angepasst sei und viele Zivilisationskrankheiten vor allem aus einer falschen Ernährung und Lebensweise heraus resultieren. Ihre Lösung: Paleo – leben und essen wie unsere Vorfahren vor 2,5 Millionen Jahren.

Die Bandbreite an Ernährungstrends ist groß – ob Paleo, vegetarisch, vegan, fruktarisch, rohköstlich, clean eating, soft health u.v.m. – für jeden ist etwas dabei. Immer mehr Menschen entschließen sich dazu, nicht von dem gesamten Nahrungsangebot Gebrauch zu machen, das uns heute zur Verfügung steht. Doch warum ist das so?

Der Hauptgrund dafür liegt wohl in dem Zusammenhang zwischen unserer modernen Ernährung und den sogenannten Zivilisationskrankheiten. Der Urvater der Paleo-Bewegung, Dr. Loren Cordain, studierte als einer der Ersten die Lebens- und Essgewohnheiten unserer Vorfahren und der noch heute existierenden Urvölker. In seiner Forschung stellte er fest, dass der Verzehr von Getreide, Milchprodukten und Hülsenfrüchten mit einer Reihe Zivilisationskrankheiten einherging. Bluthochdruck, Herz- und Kreislauferkrankungen, Übergewicht, Diabetes, Depressionen, Allergien und Auto-Immunerkrankungen kommen in ursprünglich lebenden Völkern nur sehr selten vor. Daher sprach Cordain die Empfehlung aus, sich wieder auf seine Natur zu besinnen und zu essen wie es unsere Vorfahren taten. Die Paleo- Ernährung war geboren.

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Falsche Ernährung

Die moderne Zivilisation ist gesamtgeschichtlich betrachtet nur einen Wimpernschlag alt, wenn man bedenkt, dass es Menschen schon seit rund 2,5 Millionen Jahren gibt. In dieser Zeit konnte sich unser Körper perfekt an die ihm zur Verfügung stehende Nahrung anpassen. Diese bestand hauptsächlich aus Fleisch, Fisch, Eiern, Samen, Nüssen, Obst und Gemüse.

Erst seit ca. 10.000 Jahren betreiben Menschen Ackerbau und Viehzucht. Die dabei produzierte Milch und das Getreide bereiten vielen jedoch Probleme in Form von Laktoseintolleranz, Glutenunverträglichkeit oder Zöliakie. „Aber wir hätten doch vor 10.000 Jahren nicht begonnen Getreide anzubauen und Kühe zu züchten, wenn es uns krank gemacht hätte und wir nicht davon hätten leben können“, werden vielleicht einige sagen. Stimmt, fraglich bleibt jedoch, ob unsere Vorfahren Getreide und Milch in diesen Mengen zu sich nehmen konnten, wie wir es heute tun. Hinzu kommt, dass unsere modernen industrialisierten Nahrungsmittel mit dem Urgetreide und der unbehandelten Milch von Damals nicht mehr viel gemeinsam haben. Heute wird die Milch pasteurisiert und homogenisiert um sie länger haltbar zu machen. Viele wichtige Nährstoffe werden dadurch zerstört und zudem wird sie schwerer verdaulich.

Unsere modernen Getreidesorten, allen voran der Zwergweizen, sind darauf gezüchtet, besonders resistent gegenüber Fraßfeinden zu sein. Das hat zur Folge, dass das Getreide nicht nur den Fraßfeinden, sondern auch unserer Verdauung standhält, so dass wir es immer weniger vertragen.

Moderne industrialisierte Nahrungsmittel sind nicht gut für uns

Der Steinzeit-Mensch

Im Gegensatz zu uns heute, hatte der Steinzeit-Mensch wesentlich mehr Bewegung. Er war immer zu Fuß unterwegs und musste sein Essen jagen bzw. sammeln. Dabei aß er, was er finden konnte. Wenn es Jagdbeute gab, aß er sich satt, ansonsten wurde auch mal gehungert. Sein Verdauungssystem war Hunger gewohnt und lernte flexibel zu sein.

Die Nahrung unserer Vorfahren war von Volk zu Volk und von Gebiet zu Gebiet verschieden. Während die Eskimos sich beispielsweise fast ausschließlich von Fisch und Robbenfleisch ernährten, bezogen einige in Südamerika lebende Urvölker ihr Protein hauptsächlich aus Pflanzen.

Zu wenig Bewegung

Die modernen Menschen sitzen zu viel. Die Muskelatur, die unsere Wirbelsäule stützt ist durch stundenlanges Sitzen am Schreibtisch zu schwach geworden – Rückenschmerzen und Verkrümmungen sind die Folge.

Der Steinzeitmensch hatte zudem eine höhere Knochenstärke, die sich verringerte als er anfing sesshaft zu werden und viele Muskeln dadurch nicht mehr zu gebrauchen. Was nicht gebraucht wurde, wurde von der Evolution gestrichen um Energie einzusparen. Denn in Hungersnöten waren die grazilen Menschen besser dran, die nicht so viel Energie zur Versorgung ihrer Knochen- und Muskelmasse benötigten. In unserer heutigen Wohlstandsgesellschaft sieht es jedoch anders aus: Die Menschen werden immer dicker, sodass ihre Knochen immer mehr Fettmasse tragen müssen, wozu sie aber eigentlich nicht mehr in der Lage sind. Arthrose, Rheuma und andere orthopädische Erkrankungen sind die Folge.

Barfußlaufen ist gesund

Schuhe sind zwar super praktisch und bequem, lassen aber die Fußmuskeln verkümmern, da die Füße nicht mehr „artgerecht“ beansprucht werden. Wenn man in Schuhen geht, kommt der Fuß zuerst mit der Ferse auf. Um Knie und Gelenke zu schonen, wäre ein Aufkommen mit dem Vorderfuß, der sogenannte Ballengang besser. Dieser lässt sich jedoch nur barfuß oder in Barfußschuhen umsetzen. Wie man die Kraft der Erde für sich nutzen kann erklärt die Earthing Methode sehr schön.

Barfußlaufen ist gesund

Verkümmerte Kiefer

Ein weiterer Punkt ist unser Kiefer. Dieser ist eigentlich nicht für die weiche zerkochte Nahrung, die wir heute essen, gemacht. Steinzeitkiefer waren robuster. Sie mussten viel kauen, was das Kieferwachstum anregte, so dass den Zähnen genügend Platz geschaffen wurde. Unsere modernen Kiefer dagegen sind häufig so klein, dass die Zähne nur mit Hilfe von Zahnspangen den Platz bekommen den sie brauchen.

Bakterien und Parasiten

Ein häufiger Grund dafür, dass so viele Menschen heutzutage unter Allergien leiden, ist neben der falschen Ernährung, auch das Fehlen von Parasiten und Bakterien.

Seit Millionen von Jahren ist unser Körper Sitz für Parasiten und Bakterien, vor allem im Darm leben 10 bis 100 Billionen Bakterien. Durch Antibiotika und penibler Hygiene werden jedoch zu viele Bakterien zerstört, leider auch die guten, die zu einer gesunden Darmflora beitragen.

Zudem braucht unser Immunsystem Beschäftigung durch Parasiten um sich vor Allergien und Autoimmunerkrankungen zu schützen. Seit 2004 testen Forscher daher an einer Therapie mit Schweinepeitschenwurmlarven, die in der Lage sein sollen, das Immunsystem so zu verändern, dass Lebensmittel wieder vertragen werden können.

Also am besten wieder zurück in die Höhle und leben wie vor 2,5 Millionen Jahren? „Nein!“, sagen die Befürworter der Paleo-Bewegung. Denn das Ziel ist nicht, die Steinzeit nachzuspielen, sondern einen Lebensstil zu finden, der am besten zu unseren genetischen Voraussetzungen passt.

Die Paleo-Ernährung

Eine Ernährung nach Paleo orientiert sich an der ursprünglichen Ernährungsform unserer Vorfahren, der Jäger und Sammler. Die Nahrungsmittel sollten ursprünglich, unverarbeitet und nährstoffreich sein. Auf eine gute Lebensmittelqualität und Nachhaltigkeit wird großen Wert gelegt. Daher eignen sich saisonale Nahrungsmittel aus der Region besonders gut. Lebensmittel, die die Paleo-Ernährung erlaubt, sind: Obst, Gemüse, Beeren, Samen, Nüsse, Fleisch, Eier, Fisch und gesunde Fette. Gemüse sollte dabei den Hauptbestandteil der Nahrung ausmachen.

Nicht erlaubt sind: Versalzene, übersüßte, raffinierte und industriell bearbeitete Produkte. Also kein Zucker, keine künstlichen Zusatzstoffe und keine stark verarbeiteten pflanzlichen Fette. Zudem nicht gegessen werden, sollten Getreideprodukte (wie Brot, Nuldeln, Pizza und Co.), Milch und Hülsenfrüchte.

Die Paleo-Anhänger gehen davon aus, dass Getreide und Hülsenfrüchte nicht nur schwer verträglich, sondern auch ungesund sind, da sie viele Antinährstoffe, wie Phytate enthalten, die den menschlichen Organismus schädigen.

Wer sich nach Paleo ernährt, bezieht seine Kohlenhydrate aus Kartoffeln, Süßkartoffeln, Kohlrabi und anderen Gemüsesorten. Zum Trinken eignen sich Wasser, Tee und Kokoswasser.

Die nährstoffreiche, aber kohlenhydratarme Ernährung mit gesunden Fetten, Vitaminen und Proteinen soll den Stoffwechsel ankurbeln und beim Abnehmen helfen.

Bei der Umstellung auf Paleo können jedoch zunächst Magen-Darm Probleme wie Blähungen oder weicher Stuhl auftreten. Diese verschwinden aber nach kurzer Zeit wieder.

Es ist sinnvoll auf Biolebensmittel zurückzugreifen, um die Pestizide und Hormonzugaben im Fleisch gering zu halten und die Biodiversität zu fördern.

Eine Paleo Ernährung orientiert sich an der ursprünglichen Ernährungsform unserer Vorfahren, der Jäger und Sammler.

ecowoman Tipp: Schauen Sie doch einmal vor Ihrer Tür nach, was dort wächst. Wildkräuter, wie Löwenzahn, Brennessel und Vogelmiere sind echte Superfoods, die sich gut in die Paleo-Ernährung integrieren lassen.

Wenn Sie folgende Symptome bei sich feststellen, könnte die Paleo-Ernährung sinnvoll für Sie sein:

•                     Fühlen Sie sich häufig krank und schlapp?

•                     Leiden Sie an Übergewicht?

•                     Sind Sie morgens immer müde und abends putzmunter?

•                     Haben Sie häufig Heißhungerattacken?

•                     Leiden Sie an Übergewicht?

•                     Leiden Sie an Appetitlosigkeit?

•                     Haben Sie Hautprobleme oder unreine Haut?

•                     Leiden Sie unter Niedergeschlagenheit und Stimmungsschwankungen?

•                     Haben Sie Verdauungsprobleme?

•                     Haben Sie Zahn- oder Zahnfleischprobleme?

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Quelle: www.paleo360.de, Bilder: depositphotos/luckybusiness/magone/mihtiander/Artmim, Text:  Meike Riebe