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Eine Hand voll Chia-Samen © m-chin (iStock/thinkstockphotos)
Wunder-Samen: Chia

Chia der wirkungsvolle Wundersamen

Chia ist ein Super-Lebensmittel. Barbara Simonsohn erklärt im Interview, warum dies so ist und wieso Darmpflege, Diabetesprophylaxe und -therapie und mehr mit dem Wundersamen so einfach und lecker umzusetzen sind.

Frau Simonsohn, warum sehen Sie Chia als Super-Lebensmittel an? Was ist an Chia so herausragend?

Pflanzensamen wie Chia stellen die Essenz des Lebens dar. Im Samen findet sich die Lebenskraft einer Pflanze in geballter Form wieder, weil Samen die Fortpflanzung sichern. Sie haben eine hohe Nährstoffdichte - das macht sie zu einem hoch konzentrierten Lebensmittel. Fetthaltige Samen wie Chia wirken antioxidativ, das heißt, sie schützen den Körper vor Umweltgiften, liefern Moleküle zur Isolierung von Nervenfasern, beugen Herzkrankheiten vor und liefern uns einen „Dauerbrennstoff“. Ursprüngliche Samen wie Chia, die züchterisch nicht bearbeitet wurden - bereits die Azteken haben Sie angebaut -, schenken uns besonders viel Energie und Lebenskraft. Kein anderer Samen bietet eine solche Vitalstoffdichte. Weil unsere Lebensmittel immer nährstoffärmer werden, ist Chia ein Geschenk des Himmels für den Menschen der heutigen Zeit.

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Barbara Simonsohn - Autorin des Ratgebers zum Thema Chia

Barbara Simonsohn - Autorin des Ratgebers Chia Power © Theo Hodapp

Welche Stoffe sind denn in Chia enthalten?

Chia ist wirklich eine Pflanze der Superlative. Es ist die reichhaltigste Quelle von Omega-3-Fettsäuren und Ballaststoffen überhaupt. Chia enthält fast doppelt so viel Eiweiß wie Sojabohnen, 8-mal so viele Omega-3-Fettsäuren wie Lachs, 15-mal so viele Ballaststoffe wie Vollkorn-Reis, 8-mal so viele Mineralstoffe wie Reis, doppelt so viel Kalium wie Bananen, bis zu 6-mal so viel Eisen wie Spinat, mehr Eisen als Rinderleber, bis zu 6-mal so viel Kalzium wie Vollmilch, 15-mal so viel Magnesium wie Brokkoli, 7-mal so viel Vitamin C wie Orangen, 3-mal so viel Vitamin E wie Weizenkeime und 5-mal so viel Folsäure wie Spinat. Das Erstaunlichste: Chia ist kein Konzentrat wie Moringa, AFA-Algen oder Gerstengrassaft, sondern diese Vitalstoffdichte findet sich im ganzen, nicht bearbeiteten Samen. Chia enthält nur 440 Kalorien pro 100 Gramm, sehr wenig für eine Ölfrucht, denn das sind nur 22 Kalorien pro Teelöffel. Es war noch nie so köstlich wie mit Chia, gesund zu essen.

Weshalb sind gesunde Fettsäuren so wichtig, und wie trägt Chia zu einer gesunden Ernährung bei?

Wir sollten uns nicht nur beim Auto, sondern auch bei unserem Körper für einen „Ölwechsel“ stark machen, damit unser „Motor“ lange und störungsfrei läuft. Falsche Fette wie Transfettsäuren führen zu Arteriosklerose oder Arterienverkalkung: Risikofaktor für Herzinfarkt und Schlaganfall, Todesursache Nummer 1 in den Industrienationen. Bereits 700.000 Kinder leiden in Deutschland unter Bluthochdruck! Hier kommt Chia ins Spiel. 30 Prozent der Samen bestehen aus Fettsäuren, davon sind mehr als 60 Prozent spezielle essenzielle Omega-3-Fettsäuren, Alpha-Linolensäure (ALA). In Chia-Samen findet sich auch die wertvolle Omega-6-Fettsäure Linolsäure (LS) zu einem Drittel der Menge von Alpha-Linolensäure. Es gibt keine Ölsaat, die mehr von diesen beiden Fettsäuren aufweist, die der Körper nicht selbst herstellen kann. In unserer Ernährung ist das Verhältnis von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren komplett aus dem Gleichgewicht geraten, aufgrund von falschen Züchtungszielen von Ölpflanzen und von falscher Fütterung unserer Nutztiere mit Getreide. Bei den Menschen in der Steinzeit war das Verhältnis von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren 1 zu 1, bei uns ist das Verhältnis 16 zu 1, in den USA bereits 21 zu 1. Wir leiden fast alle unter einer „Überdosis“ von Omega-6-Fettsäuren und an einem eklatanten Mangel an Omega-3-Fettsäuren. Ein Zuviel an Omega-6-Fettsäuren führt zu chronischen Entzündungen, Herzerkrankungen, Diabetes, Krebs, Alzheimer, Arthritis, Darmentzündungen und Demenz. Omega-3-Fettsäuren laden die Lebenskraft des Organismus auf wie eine Batterie, besonders im Gehirn und im Nervensystem, durch ein Feld von Elektronen oder elektrischer Ladung. Das Leben in der Zelle hängt von der Funktion ungesättigter Fette in den Zellmembranen ab. Essen Sie Chia als Burnout-Prophylaxe! Chia enthält im Gegensatz zu Leinsamen eine Fülle von Antioxidanzien, welche die sensiblen und reaktionsfreudigen Fettsäuren vor Oxidation schützen.

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Die Chia-Pflanze wirkt gar nicht spektakulär und ist dennoch so wirksam

Die Chia-Pflanze wirkt gar nicht spektakulär und ist dennoch so wirksam © Theo Hodapp

Warum betrachten Sie Chia-Samen als Diabetesprophylaxe? Wie stabilisiert diese Ölsaat den Blutzuckerspiegel?

Etwa 6 Millionen Deutsche leiden an Diabetes, jährlich erkranken allein in Deutschland etwa 350 000 Menschen neu an dieser Krankheit. Chia kann sowohl bei Menschen mit Diabetes I als auch bei Diabetes II, dem erworbenen Diabetes, helfen, indem es die Kohlenhydratverdauung verlangsamt. Unsere Vorfahren haben täglich 60 Gramm Ballaststoffe zu sich genommen, heute werden nur noch durchschnittlich 15 Gramm verzehrt. Ärzte empfehlen ein Tages-Minimum von 30 Gramm. Chia liefert die reichhaltigste Quelle an Faserstoffen! Ballaststoffe verhindern das Schwanken des Blutzuckerspiegels, die „Zuckerschaukel“, mit suchtartigem Verlangen nach Süßem, über Stunden hinweg. Die Rate, in der Zucker vom Verdauungstrakt aufgenommen wird, verlangsamt sich durch Faserstoffe. Zink in Chia stärkt die Langerhansschen Inseln in der Bauchspeicheldrüse. Die B-Vitamine in Chia regulieren zusätzlich den Blutzuckerspiegel als Bestandteil des Glukosetoleranzfaktors (GTF). Vitamin E in Chia reduziert den Insulinbedarf. Auch die Omega-3-Fettsäuren in diesem Superfood helfen, Insulin zu sparen. Nehmen Kinder ausreichend Omega-3-Fettsäuren zu sich, sinkt ihr Diabetesrisiko um erstaunliche 55 Prozent. Mit Chia angereichertes Brot führte in einem wissenschaftlichen Experiment an der Universität von Toronto zu einer Senkung des Blutzuckerspiegels nach Mahlzeiten um durchschnittlich 41 Prozent. Eine Chiasorte, Salba, erhielt sogar ein medizinisches Patent als Lebensmittel für das erfolgreiche Management von Diabetes.

Wie sehen Sie die Rolle von Chia zur Darmpflege, Darmreinigung und für eine gute Verdauung?

Viele Verdauungsprobleme wie Verstopfung und Divertikulitis - unter dieser Krankheit leiden mehr als 60 Prozent der Männer über 60 Jahren! - haben ihre Ursache in einer ballaststoffarmen Ernährung. Chia ist die Lösung! Ein Esslöffel Chia-Samen, 12 Gramm, enthält rund 5 Gramm Faserstoffe. Jedes Samenkorn ist von einer Hülle löslicher Ballaststoffe umgeben, die bei Kontakt mit Flüssigkeit geleeartig wird. Weil der Magensaft unlösliche Ballaststoffe nicht aufbrechen kann, hilft Chia, Essen sanft durchs Verdauungssystem zu schleusen. Ballaststoffe erhöhen die Darmpassage, nehmen - wie ein Löschpapier - Darmgifte auf und scheiden sie aus. Somit wird Darmkrebs sowie Darmentzündungen vorgebeugt. Außerdem „füttern“ die Faserstoffe in Chia unsere physiologische Darmflora - wir besitzen rund 80 Milliarden Darmbakterien! ­- und stärken so das Immunsystem. Die Omega-3-Fettsäuren in Chia helfen Morbus-Crohn-Patienten und Menschen mit anderen Darmentzündungen, weil Omega-3-Fettsäuren Entzündungen eindämmen. Die Häufigkeit von Schüben bei Morbus-Crohn-Patienten, die ausreichend Omega-3-Fettsäuren zu sich nahmen, halbierte sich während einer einjährigen Studie. Chia-Samen stellen die reichhaltigste Quelle von Omega-3-Fettsäuren sowie Ballaststoffen im gesamten Tier- und Pflanzenreich darf.

Bilder: © Theo Hodapp