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Mehr als die Hälfte der Schokoladebohnen kommen aus Westafrika.
Klimawandel: Schokolade bald Luxusprodukt

Zu heiß für Schokolade: Droht die große Kakao-Schmelze?

In ein paar Jahren könnte Schokolade ein Luxusprodukt sein. Es ist die Klimaerwärmung, die der weltweit so beliebten Süßigkeit zusetzt. Denn in Westafrika, wo die Hälfte der weltweiten Kakaoproduktion erwirtschaftet wird, steigen die Temperaturen derart an, dass es zu heiß für den Kakaoanbau wird.

Wenn nichts gegen den Klimawandel unternommen wird und die durchschnittliche Jahrestemperatur weltweit um zwei Grad ansteigt, dann wird es in den flachen Großanbaugebieten Westafrikas schlicht zu heiß für hitzeempfindliche Kakao-Pflanzen. Schon jetzt mache sich in einigen Randgebieten dieser Region der Effekt bemerkbar. Das geht aus einer Studie des Internationalen Zentrums für tropische Landwirtschaft (CIAT) hervor.

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Mehr als die Hälfte (53 Prozent) der Kakaobohnen, die weltweit verarbeitet werden und als Schoko-Nikoläuse oder Tafelschokolade unseren Alltag versüßen, wachsen in Westafrika. Im großen Stil wird in Ghana und an der Elfenbeinküste der Kakaoanbau betrieben. Kakao ist dort die wichtigste Cash-Cow: Er wächst auf 40 Prozent des bepflanzten Landes. In der Regel wird Kakao von Kleinbauern kultiviert, die damit ihre Existenz oftmals zu 100 Prozent sichern. Geschätzt wird, dass es in Ghana rund 350.000 Kakaofarmbesitzer gibt. "Für viele von ihnen sind die Kakaobäume wie ein Geldautomat", wird der Hauptautor der Studie Peter Laderach von CIAT zitiert - "sie ernten die Schoten und verkaufen sie, um das Schulgeld bezahlen zu können oder die Arztrechnungen." Diese Bäume spielten eine alles entscheidende Rolle im bäuerlichen Leben.

Vor diesem Hintergrund scheinen die Prognosen der CIAT-Studie (PDF) umso schlimmer: Zwischen 2030 und 2050 wird sich durch die Veränderung des Klimas und die geringeren Niederschläge die für den Kakaoanbau geeignete landwirtschaftliche Fläche in Ghana extrem verringern. Die Bauern müssten auf höher gelegene Flächen ausweichen. Die für den Kakaoanbau dann noch geeigneten Flächen sind jedoch rar. Dieser Wandel wird sich auf die weltweite Schokoladenindustrie auswirken und die beschriebene kleinbäuerliche Landwirtschaft vor Ort. Das Ausweichen in höhere Lagen könnte zur Abholzung weiterer Gebiete führen, um diese urbar zu machen, was wiederum CO2 freisetzt und die Umwelt belastet.

Schokolade: Die beliebte süsse Versuchung wird nicht immer fair gehandelt.

Schokolade: Die süsse Versuchung wird aus hitzeempfindlichen Kakaobohnen produziert. © Richard Villalon - Fotolia.com

Doch möglicherweise entpuppt sich die bevorstehende Krise als Sternstunde für den ökologischen Anbau von Kakao und den Fairen Handel. Schon jetzt setzen einige Kleinbauern darauf, größere Bäume als Schattenspender für ihre Kakaopflanzen einzusetzen. Auch den Kakaoanbau in die bestehende Bewaldung zu integrieren, hat sich im Gegensatz zur Abholzung als vorteilhaft erwiesen. Die Autoren der Studie schreiben denn auch, dass eine größere Vielfalt von wirtschaftlich nutzbaren und genießbaren Pflanzen außerdem dafür sorgen kann, die Abhängigkeit der Farmer von einer einzigen Pflanze zu verringern. Darüber hinaus geben sie den Tipp, den Buschfeuern verstärkt vorzubeugen während der sich ausdehnenden Trockenzeit.

Den Regierungen wiederum empfehlen sie beispielsweise, den Kakaoanbau durch Kreditvergaben an die Bauern zu fördern. Aber auch alternative Anbaumethoden verstärkt zu bewerben sowie die Forschung nach Anpassungsmöglichkeiten zu unterstützen. Denn das generell geringe Einkommen der meisten Kleinfarmer in Westafrika und fehlende Kreditmöglichkeiten könnte es ihnen vereiteln, sich Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel zu leisten. Und auch das Problem der Kinderarbeit ist bei geringen Einkommen nicht in den Griff zu bekommen. Da aber stark wachsende Wirtschaften wie China immer mehr Schokolade importieren, ist die weltweite Nachfrage nach Schokolade in den vergangenen Jahren stark gestiegen und knappere Güter erzielen höhere Preise. Womöglich die Chance für Westafrikas Kakaolieferanten flächendeckend in den Fairen Handel einzusteigen?

Quelle: CIAT

Text: Sabine Letz