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Regionale Lebensmittel haben nicht immer eine gute Ökobilanz

Das Motto «Denke globale – konsumiere lokal» scheint logisch: Wer einheimische, besser regionale Lebensmittel zum Essen kauft, trägt einen wesentlichen Beitrag zur Nachhaltigkeit bei. Doch: Der Schein trügt, denn regionale Produkte sind nicht immer umweltfreundlicher. Es kommt auf ihre Ökobilanz an.

Kaufen Sie Früchte und Gemüse regional, aber vor allem saisonal ein.

Obstu und Gemüse saisonal und regional zum Essen einkaufen, ist am wenigsten schädlich für die Umwelt.

Um Aussagen über die Umweltauswirkungen von Lebensmitteln zu treffen, müsste man sich einen ganzen Lebenszyklus eines Produktes anschauen: vom Anbau bis zur Entsorgung. Und eine Ökobilanz berechnen. Viele verschiedene Faktoren wie Transport, Lagerung oder Verpackung müssen betrachtet werden. Denn jeder Prozess verursacht Umwelteinflüsse, zum Beispiel durch Treibhausgas-Emissionen oder Versauerung.

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Eine umfassende Ökobilanz anzufertigen, ist eine Sisyphusarbeit. Sie zumindest zu einem kleinen Teil zu erledigen, hat sich Franziska Stössel vom Institut für Umweltingenieurwissenschaften an der Schweizer ETH Zürich vorgenommen. Für die Schweizer Handelskette Coop untersuchte sie 28 Gemüse- und Obstsorten aus 29 Ländern. Ziel war es, Ökobilanzen von Lebensmitteln aufzustellen. Coop will mit Ökobilanzen sein Nahrungsmittelangebot ökologisch verbessern. Die ersten Ergebnisse des Projekts «Nachhaltiger Konsum von Nahrungsmitteln» wurden bereits 2009 veröffentlicht, die Publikation eines wissenschaftlichen Artikels steht noch aus. Aus den ersten Ergebnissen haben wir hier eine Zusammenfassung erstellt und Rückschlüsse auf Deutschland gezogen.


Wer im Frühling im Supermarkt eine Tomate aus Deutschland statt aus Spanien kauft, glaubt oft, etwas Gutes zu tun. Denn bei einem lokalen Produkt fallen weite Transportwege und damit hohe Treibhausgas-Emissionen weg. Doch wer so denkt, liegt falsch. Ein Kilogramm Tomaten aus Spanien kann 75 Prozent weniger Treibhausgas-Emissionen verursachen als die gleiche Menge aus der Schweiz ergab die Studie. Warum? Das Problem liegt in der Beheizung von Gewächshäusern mit fossilen Brennstoffen. Tomaten, die im Frühling in der Schweiz wachsen, kommen meist aus beheizten Gewächshäusern. Spanische Tomaten nicht. Um ein Gewächshaus zu beheizen, sind fossile Brennstoffe notwendig, die für den hohen CO2-Ausstoß verantwortlich sind. Und für Deutschland ist diese Bilanz nicht anders. Somit gilt: Auch die Saison des Obst und Gemüse beim Einkauf beachten.

Das gilt übrigens nicht für Gewächshäuser, die mit regenerativen Energien beheizt werden. «Es gibt mittlerweile immer mehr Gewächshäuser, die zum Beispiel mit Abwärme beheizt werden oder mit Holz. Gewächshäuser, die mit alternativen Energien beheizt werden haben eine andere Bilanz und müssen aus der Kritik genommen werden», sagt die Schweizer Wissenschaftlerin Franziska Stössel.

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Ganz anders sieht die Situation natürlich ab Mitte Mai bis Herbst aus. Hier lohnt es sich gleich mehrfach auf die deutsche Tomate aus unbeheizten Gewächshäusern zurückzugreifen. Sie verursacht nur etwa halb so viele Treibhausgas-Emissionen wie eine aus Spanien, weil letztere jetzt den langen Weg mit dem LKW noch nach Deutschland zurücklegen muss. Außerdem wird in Deutschland weniger Wasser verbraucht. In Südspanien muss häufig künstlich bewässert werden, während in Deutschland die natürlichen Niederschläge ausreichen. Schließlich spielt der Landverbrauch noch eine Rolle. Dieser ist zwar in beiden Ländern gleich hoch. Doch rechnet man den Transport der Tomaten aus Spanien hinzu, der Land verbraucht sowie die Herstellung des Kraftstoffs, kommt die mediterrane Tomate schlechter weg.


Spargel aus Peru ist weniger umweltfreundlich als Spargel aus der Schweiz.

Wie viel Treibhausgase verursacht die Produktion von einem Kilo Spargel? Grafik: ETH Life, ETH Zürich

Wer im April 1 Kilogramm Grünspargel aus Peru kauft, belastet die Atmosphäre mit rund 12 Kilogramm Kohlendioxid-Äquivalenten (Äquivalente stehen hierbei für Kohlenstoffdioxid und andere treibhauswirksame Gase). Denn dieser Spargel kommen meist per Flugzeug und das verursacht den hohen Treibhausgas-Ausstoß. «Die Spargel aus Peru sind nicht per se eine Sünde. Es kommt einfach darauf an, mit welchem Transportmittel sie hierher gebracht werden. Kommen sie mit dem großen Frachtschiff, schneiden sie bezüglich Treibhausgaspotential etwa gleich ab wie wenn sie mit dem Lastwagen aus dem Mittelmeerraum hergebracht werden», gab Franziska Stössel in einem Gespräch mit den Schweizer Sender DRS 2 zu Bedenken.

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Kommt ein Kilogramm Spargel nicht per Frachtflugzeug, sondern mit dem Hochseefrachter, wird die Umwelt nur noch mit einem Kilogramm Kohlendioxid-Äquivalenten belastet. Meist betrifft das weißen Spargel, der einen langen Transport per Schiff besser übersteht als Grüner Spargel. Beim Schweizer Coop gibt es deshalb seit einigen Jahren keine Aktionen mehr mit grünem Spargel aus Peru, Mexiko und Kalifornien. So konnte nach Angaben der Coopzeitung die per Flugzeug importierte Menge von über 1.100 Tonnen (2008) auf 680 Tonnen (2009) reduziert werden.

Noch besser schneidet allerdings der einheimische Spargel mit etwa 0,5 Kilogramm CO2- Äquivalenten pro Kilogramm ab. Zudem ist der Wasserbrauch viel geringer. Wer ökologisch einkaufen will, sollte also bis Mai warten, wenn das Gemüse auch aus der Region kommt. Dann schmeckt es sowieso besser und er ist garantiert frisch.


Deutsche Äpfel werden im Spätsommer geerntet und müssen während des Winters im Lager gekühlt werden, damit sie auch noch im folgenden Juli genießbar sind. Trotz der verbrauchten Kühlenergie schneiden die gelagerten Äpfel in der Ökobilanz besser ab als frische Äpfel aus Neuseeland. Ein Kilogramm eingelagerte Äpfel, das über den Winter und den Frühling gekühlt werden muss, belastet das Klima bis Juli mit 350 Gramm Kohlendioxid-Äquivalenten. Ein Kilogramm Äpfel aus Neuseeland verursacht zur selben Zeit 600 Gramm Kohlendioxid-Äquivalente, hauptsächlich aufgrund des weiten Transportweges per Frachtschiff.

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Fazit: Kaufen Sie saisonal und regional ein

«Saisonale Produkte aus der Region schneiden in den drei Ökobilanzpunkten CO2-Äquivalente, Wasser und Land bei weitem am besten ab», so Franziska Stössel gemäß einem ETH Life Bericht. Sich so zu ernähren, fordert aber vor allem im Winter einiges an Disziplin ab. Tipps für eine nachhaltige Ernährung mit Wintergemüse finden Sie im Artikel «Winter-Gemüse: Kohl und Co. sind Fitmacher für die kalten Tage».

Die Studien von Franziska Stössel haben auch gezeigt, dass es zwar möglich ist, einzelne Produkte umfassend ökologisch zu beurteilen. Es fehlen aber noch weitere Indikatoren, wie zum Beispiel Bodenfruchtbarkeit oder Erosion. «Was aber eher schwieriger ist, ist die Deklaration aller Produkte, gerade, weil sie je nach Saison ganz anders sein müsste», sagt Franziska Stössel.

Einkaufs-Tipps für Obst und Gemüse

  • Kaufen Sie möglichst saisonal und regional ein.
  • Verzichten Sie auf eingeflogene Produkte.
  • Verzichten Sie auf Gemüse, das aus Gewächshäusern stammt, die mit fossilen Brennstoffen geheizt werden.
  • Verzichten Sie auf Obst und Gemüse aus sehr trockenen und niederschlagsarmen Regionen.

 

Text: Angela Zimmerling

Mehr über das Projekt «Nachhaltiger Konsum von Nahrungsmitteln» der ETH Zürich finden Sie

Mehr zum Thema Ökobilanzen finden Sie auf den Seiten des Umweltbundesamt unter: www.umweltbundesamt.de