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Fairtrade-Town

© Fairtrade Towns

Mainz wird fair

Ein bundesweiter Trend ist entfacht: Deutschlands Städte wollen nun „Fair-Trade-Stadt“ werden. Über 130 deutsche Städte sind bereits mit dem Titel geadelt, nun will auch die rheinland-pfälzische Hauptstadt Mainz nachziehen. Vom Kantinenessen bis hin zur menschenwürdig produzierten Feuerwehruniform, doch Mainz hat noch weitere Pläne im Visier.

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Gründerzeitbauten des 19. Jahrhunderst in der Uferstraße und Dom St. Martin im Hintergrund © Landeshauptstadt Mainz

Schon 40 bis 50 Geschäfte in Mainz bieten Fair-Trade-Produkte an

Bis Ende Mai 2013 hoffen die Mainzer als Fair-Trade-Stadt ausgezeichnet zu werden. „Die formalen Kriterien für unsere Bewerbung sind erfüllt“, so Sabine Gresch vom Amt für Stadtentwicklung. „Wir sind jetzt dabei, alle Daten und Unterlagen für die Bewerbung zu sammeln.“ Bereits in 40 bis 50 Geschäften könne man in Mainz faire Produkte kaufen. In mindestens 15 Cafés wird fairer Kaffee ausgeschenkt und in vielen Schulen, Mensen und Kantinen faire Kost serviert. 

Und nun macht seit November 2012 auch das Rathaus mit. Das heißt, nicht nur bei Sitzungen und Veranstaltungen sind Fair-Trade-Produkte Pflicht, sondern auch bei allem, was die Kommune anschafft, müssen die Kriterien der Nachhaltigkeit eingehalten werden. Beispielsweise bei Pflastersteinen aus Steinbrüchen ohne Kinderarbeit, sowie nachhaltige Textilien für die neue Feuerwehruniform. 

Die Initiative Transfair – für fairen Handel

Fair-Trade ist ein wichtiges Thema. Um durch Faires Handeln die Lebens-und Arbeitsbedingungen benachteiligter Kleinbauern und Arbeiter in Afrika, Asien und Lateinamerika zu verbessern, wurde 1992 in Köln die unabhängige Initiative Transfair gegründet. Sie handelt nicht selbst mit Waren, sondern vergibt das Fairtrade-Siegel an Importeure, Verarbeitungsbetriebe und Händler, die die Standards des Fairen Handels erfüllen. Auch die Kampagne Fair-Trade-Town wird von dem Verein getragen. Dabei wird das Prädikat an Städte vergeben, in denen Akteure aus Politik, Gesellschaft und Handel sich dazu verpflichten, den Fairen Handel zu fördern.

So beispielsweise in der Mainzer Nachbarstadt Wiesbaden. Sie trägt bereits offiziell den Titel Fair-Trade-Stadt. In Rheinland-Pfalz machen Städte wie Trier, Mayen, Lahnstein und Unkel den Mainzern vor, wies geht. Der Vorreiter war jedoch das 500-Seelen-Dorf Rumbach im Kreis Südwestpfalz. Seit Ende 2009 ist es offizielle Fair-Trade-Gemeinde, da alle Vereine des Dorfes bei der Kampagne mitmachen.

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Dr. Sabine Gresch, Amt für Stadtentwicklung Mainz, Verantwortliche für die Kampagne Fairtrade-Stadt © Stadt der Wissenschaften Mainz

Wichtigster Punkt: Aufklärung der Bevölkerung

Doch ein Großteil der Kampagne in Mainz ist die Aufklärung der Bevölkerung. Denn einer Umfrage zufolge, sind die Mainzer Bürger was Fair-Trade betrifft noch unentschlossen. Die Bevölkerung bemängelt, dass die Fair-Trade-Produkte nicht ausreichend beworben werden, anderen sind sie völlig egal und wieder andere beschäftigen sich damit, können sie sich aber schlicht und weg nicht leisten.

Gresch hingegen kritisiert, dass die Bürger noch aufmerksamer für die Probleme der dritten Welt sein könnten. „Wir wollen auch versuchen, die Mainzer Wirtschaft stärker einzubeziehen“, so Gresch.

Weitere Maßnahmen für die Umwelt

Denn dies sind nicht nur die einzigen Maßnahmen, die Mainz in Richtung Nachhaltigkeit eingeschlagen hat. Seit dem 1. Februar 2013 haben Mainz und Wiesbaden eine gemeinsame Umweltzone eingeführt. Da in den beiden Landeshauptstädten regelmäßig die europaweit geltenden Grenzwerte für Luftschadstoffe überschritten wurden, ist nun eine grüne Feinstaubplakette Pflicht. Dadurch sollen die vom motorisierten Straßenverkehr ausgehenden ökologischen und gesundheitlichen Belastungen verringert werden.

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Über eine "Andock"-Station können die Fahrräder einfach ausgeliehen und auch wieder zurückgestellt werden © MVG

In Punkto Umwelt hat sich aber noch weiteres getan. Die rheinland-pfälzische Stadt hat die „MVG-Mein Rad“-Aktion ins Leben gerufen, die ist seit April 2012 in Betrieb. Bei dieser Aktion können, von der Mainzer Verkehrsgesellschaft (MVG) gestellte, Räder an knapp 100 Vermietstationen einfach per Karte selbst ausgeliehen werden. Dabei funktioniert das Mainzer System vor Ort weitgehend ohne Fremdenergie, denn der Strom wird aus den 120 Photovoltaikeinheiten der Stationen gewonnen.

Die Aktion wurde von der Bevölkerung gut angenommen. Über 100 000 Vermietvorgänge seit dem offiziellen Start am 21. April können sich sehen lassen und sind mehr als sich die MVG erhofft hatte. Aktuell sind mehr als 8000 Nutzer bei „MVGmeinRad“ registriert. Die Zahl der Vermietvorgänge klettert stetig. Im Juli lag sie bei knapp 20 000, im August bei rund 25 000. An Spitzentagen wurden über 1.000 Fahrräder verliehen, und selbst bei Schnee und Eis gab es keinen Tag unter 100 Fahrten.  Mit dieser Kampagne ist Mainz ganz klar heute schon Vorreiter für viele andere Städte.

Quelle: Mainz.de, MVG, Mainzer Rhein-Zeitung / Text: Christina Jung

Für Sie zusammengefasst: Eine Liste von 15 Läden in der Mainzer Innenstadt, in denen Sie fair gehandelte Produkte kaufen können, inklusive Stadtplan:

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Die Adressen der Ladengeschäfte mit fair gehandelten Produkten in der Innenstadt von Mainz © Mainz

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Fair gehandelte Produkte in der Mainzer Innenstadt © Mainz