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Für den Atomausstieg fordert die Industrie eine Sicherung der Stromversorgung.

Atomausstieg: Industrie fordert gesicherte Stromversorgung

Eben noch gab es die Laufzeitverlängerung für Kernkraftwerke durch Merkel und Co. und die Wählerstimmen für schwarz-gelb nahmen auch aufgrund von Fukushima ab. Jetzt hat die schwarz-gelbe Bundesregierung die Kehrtwende eingeläutet und die Industrie fordert konsequente Umsetzung für Ausfallsicherheit.

Bis 2022 soll der Atomausstieg perfekt sein und die Atomkraftwerke schrittweise, je nach Alter, abgeschaltet werden. Das beschloss die Koalition jetzt auch aufgrund des Anratens der Ethikkommission. Die Koalition hält sich jedoch einen Puffer von einem Jahr nach hinten offen, falls es zu Problemen bei dem beschleunigten Atomausstieg und damit der Energiewende kommen sollte. Noch am Sonntagabend trafen Vertreter der Grünen und von SPD im Kanzleramt ein um genauestens über die Pläne der Bundesregierung informiert zu werden. Die Kanzlerin strebt einen Konsens mit der Opposition an um das Thema Atomenergie und Atomausstieg aus unruhigen Gewässern zu manövrieren.

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Vom Bundeswirtschaftsminister Philip Rösler kam zudem der Vorschlag wegen der befürchteten Engpässe in Deutschlands Süden zur kalten Jahreszeit, ein bis zwei Atomkraftwerke auf Stand-by-Betrieb zu schalten und diese bei sich abzeichnenden Versorgungsschwierigkeiten als Stromlieferant wieder ans Netz gehen zu lassen. Experten halten dieses theoretische Vorhaben für in der Praxis nur schwer umsetzbar. Auch seien die Kosten rein für den Betrieb auf Abruf mit schätzungsweise 50 Millionen Euro pro Jahr und Atomkraftwerk betragen, zudem halten Experten diese Idee für nur schwer umsetzbar.

Die Brennelementesteuer stand zu keinem Zeitpunkt zur Debatte, sie soll beibehalten werden, würde sich jedoch, nach dem Entschluss zum Atomausstieg und nach dem Abschalten der ersten acht Atomkraftwerke, von heute 2,3 Milliarden Euro auf 1,3 Milliarden Euro verringern. Zwischenzeitlich war noch eine Abschaffung der Steuer im Gespräch. Allerdings wurde diese Idee schnell wieder verworfen, nachdem der Vorschlag von der Opposition als neuer Deal mit den Atomkonzernen scharf angeprangert wurde.


Eine Lösung für das Atom-Endlager wird noch gesucht.

Für das Atom-Endlager muss noch nach einer Lösung gesucht werden.

Noch offen sei hingegen weiter die Frage nach einem endgültigen Atom-Endlager. Immerhin erklärte sich der bayrische Ministerpräsident Horst Seehofer dazu bereit, Gorleben-Alternativen zu prüfen und nun auch südlich von Gorleben mögliche Standorte prüfen zu lassen. SPD Chef Sigmar Gabriel signalisierte Gesprächsbereitschaft, jedoch mit klaren Bedingungen. Der Atomausstieg der Grünen und SPD war ursprünglich ebenfalls für das Jahr 2022/23 geplant gewesen. Wissenschaftler sind sich zudem darüber einig, dass nicht nur die norddeutschen Salzstöcke für ein Endlager geeignet seien. Die einhellige Meinung ist, dass zumindest eine Prüfung von Ton- oder granitbasierten Endlagern möglich sei.

Die Gefahr für energieintensive Unternehmen

Große Industriekonzerne fürchten steigende Strompreise. Sollte es zu Versorgungsengpässen auf dem Strommarkt kommen, müssten große industrielle Verbraucher wie der Ludwigshafener Chemiekonzern BASF vom Netz genommen werden und energieintensive Produktionen müssten in der Engpassphase ausgesetzt werden.

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Der ehemalige Vorstandsvorsitzende Jürgen Hambrecht, Mitglied der Ethikkommission, forderte, dass «die oberste Prämisse für den Atomausstieg ist, dass die Wettbewerbsfähigkeit des Industrie- und Beschäftigungsstandortes erhalten werden muss, besser noch gestärkt wird. Dafür muss Energie zuverlässig, umweltverträglich und bezahlbar zur Verfügung stehen. Dies wird aber nur gelingen, wenn die Politik ein absolut striktes Projektmanagement aufsetzt.» Dazu gehöre laut Hambrecht auch, das die gesetzten Zwischenziele regelmäßig auf Einhaltung überprüft werden. Sei dies nicht der Fall, so müsse konsequent nachgesteuert werden, denn einen Stromausfall aufgrund des Atomausstiegs könne sich das deutsche Industrieland nicht leisten.


Quelle: www.solar-und-windenergie.de, Text: Jürgen Rösemeier