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Umweltfreundlich leben mit dem richtigen Baumaterial.

Mit ökologischen Baustoffen zum eigenen Haus

Bereits beim Hausbau kann der Grundstein für ein nachhaltiges Leben gelegt werden. Denn wer biologisch-natürliche Baustoffe wählt, leistet einen großen Beitrag zur Nachhaltigkeit. Gleichzeitig schafft sich der Hausbesitzer mit Baustoffen wie Lehm oder Stroh ein Haus mit unvergleichlichem Raumklima.

Häuser brauchen nicht erst dann Energie, wenn sie einzugsfertig sind, man einzieht und Strom, Wasser und Heizung aufdreht. Auch die Herstellung der Baumaterialen, der Transport zur Baustelle, der eigentliche Bau und irgendwann auch der Abriss brauchen Ressourcen. Nachhaltiges Wohnen beginnt also schon beim Planen eines Baus. Die Ziele bestehen darin, Energie und Wasser aber auch Baustoffe einzusparen und so den CO2-Ausstoß auf ein Minimum zu reduzieren. Die Baustoffe spielen beim Hausbau eine wichtige Rolle: Sie sollten ökologisch und somit umweltverträglich sein, eine hohe Lebensdauer aufweisen und aus Rohstoffen bestehen, die man entweder wiederverwerten kann oder deren Entsorgung zumindest unproblematisch ist. Zudem sollten sie einen kurzen Transportweg aufweisen.

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Althergebrachtes neu entdeckt? Baustoff Lehm

Lehm kommt fast überall vor und war schon in Fachwerkhäusern der dominierende Baustoff. Wenn er nicht gebrannt sondern luftgetrocknet wird, ist nur wenig graue Energie nötig. Lehm kann Feuchtigkeit und Wärme sehr schnell auf - und bei Bedarf auch wieder abgeben. In Häusern mit Lehmwänden herrscht deshalb ein sehr gutes Raumklima. Der Österreicher Martin Rauch arbeitet als Lehmbau-Pionier schon lange mit dem ökologischen Baustoff. Wenn das richtige Material verwendet werde und alles richtig konstruiert sei, sei es sogar möglich, die Außenwände des Hauses aus Lehm zu bauen. Laut Rauch herrsche eine angenehme Innentemperatur im Lehmhaus. Zudem werden Schadstoffe im Raum vermindert, Gerüche absorbiert und sogar die Akustik verbessert. Der Bau mit Lehm sei aber noch teurer als ein konventioneller Hausbau. «Der Arbeitsaufwand ist höher, da der Lehmbau nicht automatisiert ist», so Rauch. Zudem bestehe ein großer Mangel an ausgebildeten Lehmfachkräften. Einen Fortschritt in die Richtung von Ökosiedlungen aus Lehmhäusern könne es nur geben, wenn Lehmbau in allen Handwerksschulen und Architekturfakultäten gelehrt werde.


Bauen mit Stroh ist ökologisch und sorgt für effiziente Isolierung

Bauen mit Stroh, schützt und isoliert Ihr Haus effizient.

Der Strohballenbau hat Ende des 19. Jahrhunderts in den Vereinigten Staaten begonnen, wo in Nebraska ungefähr zwischen 1885 und 1890 die ersten Strohballenpressen gebaut wurden. Strohhäuser können mit einer tragenden Holzkonstruktion aber auch als lasttragende Variante realisiert werden. Die lasttragende Konstruktion wird heute auch noch Nebraska-Stil genannt.

Die Architekten Susanne Körner und Tilmann Schäberle aus dem hessischen Bad König beschäftigen sich schon mehr als zehn Jahre mit ökologischen und nachhaltigen Bauformen. Sie haben 2008 das erste Strohballenhaus Hessens gebaut, ein Jahr darauf sogar eine Gewerbehalle mit Strohballen. «Wir verwenden normale, mit Hochdruck direkt auf dem Feld verpresste Kleinballen. Anschließend werden die Ballen in einer Hilfskonstruktion aus Hozlständern eingestapelt und komprimiert, sodass der später aufgetragene Putz keine Risse bekommt», erklärt die Architektin. Danach wird Lehmputz in verschiedenen Schichten aufgetragen. So entsteht bei den hessischen Architekten ein sehr stabiler Wandaufbau, der noch dazu passivhaustaugliche Dämmwerte erzielt. «Eine Vielzahl verschiedener Wandaufbauten sind bei uns möglich, sodass das Aussehen eines Strohballenhauses ganz unterschiedlich sein kann. Die Palette reicht von einer hinterbelüfteten Holzfassade, über Kalkputz bis hin zu Putzsystemen für den Außenbereich. Auch den Innenbereich können wir ganz individuell gestalten», betont die Architektin.  

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Feuer, Schimmel, Mäuse oder Insekten gehören zur Liste der Ängste wenn man an ein Strohhaus denkt. Diese sind jedoch unbegründet: Mäuse zum Beispiel fühlen sich wohler in Styropor, das häufig für die Dämmung verwendet wird. Zudem sagen Experten dem Strohhaus eine Nutzungsdauer von bis zu 100 Jahren voraus. Man muss sich also auch nicht sorgen, dass sich die eigenen vier Wände innerhalb kurzer Zeit selbst kompostieren. Und gegen Feuer halten Häuser aus Stroh sehr gut stand. Teile der chinesischen Mauer, die Tausende von Jahren alt sind, wurden übrigens auch mit Strohballenbündel realisiert.

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Papier, Wolle und Co. als ökologisch-natürliche Dämmstoffe

Für die ökologische Dämmung gibt es auch noch andere Möglichkeiten. So zum Beispiel alte Zeitungen oder Schafswolle, Stroh, Holzfaser oder Hanf. Isofloc ist ein Dämmstoff aus Altpapier, das zu 89 Prozent aus Tageszeitungen besteht. Die Zelluloseflocken werden gegen Schädlinge geschützt und in die Hohlräume zwischen Fassade und tragender Wand sowie unter das Dach eingeblasen. Für die Umnutzung einer Tageszeitung zu einer weitaus länger andauernden Verwendung als Isolationsmaterial wird zudem nur wenig Energie benötigt. Auch ist Schafwolle für die Wand- oder Dachdämmung ein gut isolierender Dämmstoff. Leider wird oft ein chemischer Mottenschutz verwendet und die Transportwege können lange sein. Denn die in Deutschland verwendete Schafwolle kommt in aller Regel aus Neuseeland. Es gibt aber bereits Schafwoll-Produkte, die mit dem Qualitätssiegel «natureplus» ausgezeichnet sind. Es gilt in Europa als Label mit den höchsten Anforderungen an nachhaltige Baumaterialien.

Ebenso für die Isolation der Wände als Wärmedämmung geeignet sind Dämmstoffe aus Holz, Hanf, Kork oder Getreide. Dies sind allesamt nachwachsende Rohstoffe, das Holz oftmals sogar aus Abfällen der Holzverarbeitenden Industrie. Und eines haben alle gemeinsam: Die Produkte sind schadstoffarm beziehungsweise schadstofffrei, sie sind diffusionsoffen, atmen also, und sorgen für eine gesundes Raumklima. Selbst Allergiker können in diesen natürlichen Dämmstoffen endlich wieder aufatmen.

Quelle: nachhaltigkeit.org
 

Natureplus ist eine internationale Umweltorganisation, die eine nachhaltige Entwicklung im Bausektor zum Ziel hat. Es ist das internationale Qualitätszeichen für Bau- und Wohnprodukte, das allen Baubeteiligten Orientierung in Richtung Nachhaltigkeit gibt. Produkte, die dieses Zeichen tragen, zeichnen sich durch besonders hohe Qualität in Bezug auf Gesundheit, Umwelt und Funktion aus. Für die Zertifizierung kommen nur nachhaltige Produkte in Frage, die zu mindestens 85 Prozent aus nachwachsenden oder nahezu unbegrenzt verfügbaren, mineralischen Rohstoffen bestehen. Die synthetischen Anteile sind streng auf das technisch mögliche Minimum reglementiert. Zudem sind Gebrauchstauglichkeit und Langlebigkeit der Produkte Voraussetzung für die Vergabe.

Unter www.natureplus.org finden Sie eine Auflistung der Handelsstandorte, die natureplus-zertifizierte Produkte führen. Für Deutschland sind die Händler nach Postleitzahlengebieten aufgelistet.

Unter www.waermedaemmstoffe.com sind alle gängigen Dämmmaterialien aufgelistet und erklärt.
Unter www.shaktihaus.de können Sie die Architekten Schäberle und Körner kontaktieren und bei Interesse einen Besichtigungstermin eines Strohballenhauses vereinbaren. Der Standort ist ca. eine halbe Stunde südlich von Darmstadt.