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Produktion bei Bleed Clothing.
Faire Mode Bio und vegan

Grüne Mode aus dem Skatermilieu

Während die Großen der Mode- und Bekleidungsbranche immer stärker unter Druck geraten sich ihrer Verantwortung für Umweltschutz und Arbeitsrechte zu stellen, passiert in der sich häufig revolutionär und aufgeklärt gebenden Street- und Skatewear- Szene in Sachen Nachhaltigkeit überraschend wenig. Doch die Zeichen stehen auch für Skater Mode auf Veränderung!

Funktionsjacken aus Recyclematerialien, vegane Lederjacken und Kollaborationen mit PETA Deutschland und der Surfrider Foundation – Bleed Clothing gelten als grüne Pioniere der Streetwear-Szene. Grund genug einen Blick hinter die Kulissen des süddeutschen Labels zu werfen und Designerin und Produktmanagerin Lena Grimm ein paar Fragen zu stellen.

Hallo Lena, wer steckt hinter Bleed Clothing?

Bleed wurde 2008 von Michael Spitzbarth gegründet. Michael hat vorher als Freelance-Textildesigner in der Modeindustrie gearbeitet und dabei schnell bemerkt dass Themen wie Nachhaltigkeit und faire und vegane Produktion in der Industrie kaum einen Platz haben. Um das zu ändern ist er mit gutem Beispiel voran gegangen und hat einfach sein eigenes Label an den Start gebracht. Die Styles waren übrigens Anfangs sehr vom Skaten inspiriert weil Michael auch noch als Skate-Pro unterwegs war. Mittlerweile sind wir ein eingeschworenes Team von zehn Leuten und ein ziemlich bunter Haufen dazu. Ich bin übrigens für Design und Produktmanagement zuständig.

Grüne Styles sind gerade im Streetwear Business nach wie vor eher selten. Was denkst du woran das liegt?

Naja, der Markt für grüne Mode wächst ja bereits seit einigen Jahren ziemlich rasant und die Entwicklung macht natürlich auch vor dem Streetwear-Bereich nicht halt. Aber du hast Recht, nachhaltige und fair produzierte Mode findet man in unserem Segment nach wie vor kaum was wahrscheinlich an der Dominanz der großen kommerziellen Konzerne liegt denen es vor allem um den schnellen Gewinn geht. Da muss noch viel Aufklärungsarbeit geleistet werden. Gleichzeitig bin ich aber sehr optimistisch, dass sich hier in Zukunft einiges ändern wird. Immer mehr Leute interessieren sich für das Thema und achten beim Einkauf auf Zertifizierungen, Fair Trade-Siegel und auch vegane Aspekte. Für Bleed war das Thema Nachhaltigkeit von Anfang an Teil des Selbstverständnisses. Michael war als Skater, Surfer und Wanderer unterwegs und da weiß man was man an der Natur hat.

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Ihr beschreibt euch selbst als Family-Business, der von externen Geldgebern unabhängig ist. Wie schwierig ist es unter dieser Prämisse zu wachsen und wie wichtig ist euch Wachstum insgesamt?

Klar wächst ein Familienunternehmen das konsequent auf externe Geldgeber verzichtet nur sehr langsam. Das war uns von Anfang an bewusst, hat aber beim Labelaufbau natürlich einiges erschwert. Allerdings unterstreichen wir mit dieser Entscheidung auch unsere Firmenphilosophie. Mit dem richtigen Investor kann ein Label ziemlich schnell durch die Decke gehen aber darum geht es bei Bleed eben überhaupt nicht. Wir wollen das Unternehmen nach unseren eigenen Vorstellungen gestalten, gesund wachsen und dabei keine Kompromisse machen oder uns reinreden lassen. Wenn es dann manchmal dann ein bisschen länger dauert ist das völlig okay.

Das Gots Siegel bestätigt die Arbeit mit biologisch erzeugten Naturfasern.

Mit welchen Materialien arbeitet ihr und wie sieht es mit den Zertifizierungen bei den Stoffen und der Produktion aus?

Wir arbeiten mit einer ziemlich breiten Palette unterschiedlichster nachhaltiger Materialien und sind dabei gleichzeitig ständig auf der Suche nach neuen innovativen Stoffen. Für unsere Funktionsjacken nutzen wir beispielsweise recyceltes, PFC-freies Polyester. Zudem kommen natürlich Naturfasern wie Hanf, Leinen und Biobaumwolle zum Einsatz. Tencel wird aus Eukalyptuscellulose gewonnen, ist unglaublich angenehm auf der Haut zu tragen und vor allem auch für Allergiker geeignet. Ganz neu in unserer Sommer 2017-Kollektion haben wir Bikinis, Boardshorts und Lycras aus recyceltem Nylon von Econyl. Das Material wird aus alten Fischernetzen und Textilabfällen hergestellt die am Strand gesammelt oder aus dem Meer gefischt wurden. Quasi aus dem Meer, für das Meer. Den Großteil unserer Kollektionen lassen wir in Europa fertigen. Die Jerseystyles kommen aus Portugal, die Hosen aus Polen und die Funktionsteile und Badebekleidung aus Kroatien. Kurze Lieferwege sind also garantiert. Die Stoffe selber werden zum Großteil in Italien, der Türkei und der Schweiz produziert. Etwa 20 Prozent der Ware stammt aus dem asiatischen Raum. Um sicher zu sein dass dabei die Rahmenbedingungen unseren Ansprüchen gerecht werden setzen wir auf GOTS-Zertifizierungen.

Es finden unter anderem also auch regelmäßige und vor allem unangekündigte Kontrollen statt die Standards wie geregelte Arbeitszeiten und einen fairen Lohn zu gewährleisten. Für unsere Baumwollprodukte verwenden wir ausschließlich GOTS-zertifizierten Cotton und die synthetischen Materialien sind zusätzlich Bluesign zertifiziert. Damit schließen wir den Einsatz giftiger Chemikalien aus. Der Material-Research ist ein ziemlich aufwendiger Prozess und wir sind froh da mittlerweile auf ein gutes Netzwerk an Produzenten zurückgreifen zu können.

Eure Kollektionen sind ausnahmslos vegan. Ist das ein Herzensthema für euch?

Veganismus ist für uns auf jeden Fall sehr wichtig. Wir sind der Meinung, dass für unsere Produkte niemand bluten sollte. Weder Mensch, Tier noch die Natur. Vegane Kleidung zu entwickeln bedeutet ja nicht nur auf Leder oder Wolle zu verzichten. In vielen Produkten die erst einmal einen veganen Anschein machen sind tierische Stoffe versteckt, etwa im Klebstoff, in den Farbstoffen oder auch in den Knöpfen. Das wirst du in den Bleed-Kollektionen alles nicht finden. Dass wir zudem auf Tierversuche verzichten versteht sich von selbst...

Was hat es in diesem Zusammenhang mit der Montano Black Edition auf sich?

Die Montado-Kollektion war eine große Sache für uns. 2015 haben wir eine umfangreiche Crowdfunding-Kampagne gestartet. Ziel war es die erste vegane ‚Lederjacke’ aus Kork auf den Markt zu bringen. Quasi die perfekte Alternative zu Jacken aus Tierhäuten oder giftigem Synthetikmaterial. Bleed arbeitet bereits seit Jahren mit Kork als Lederersatz, beispielsweise für Jacken- und Hosenpatches, und Michael hatte die Idee den Stoff schwarz einzufärben und zu Jacken und Accessoires zu verarbeiten. Daraus ist dann schließlich die Montano Black Edition entstanden die übrigens ziemlich erfolgreich war und uns einmal mehr gezeigt hat dass wir auf dem richtigen Weg sind.

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Thema Kollaborationen – ihr holt euch für Capsule-Kollektionen regelmäßig Partner mit ins Boots. Wie kommen diese Zusammenarbeiten zustande?

Grundsätzlich arbeiten wir nur mit Kollabopartnern zusammen, die ähnliche Ziele verfolgen wie wir selbst. PETA Deutschland setzt sich ja beispielsweise für Tierrechte ein, macht Tierleid publik und ist ein starker Partner wenn es um Veganismus geht. Die Surfrider Foundation kämpft gegen die Verschmutzung der Ozeane und als Label mit Wurzeln im Skate und Surfbereich stehen wir uns natürlich nahe. Wir haben zu beiden Organsationen bereits seit vielen Jahren einen guten und engen Kontakt und so kam dann eins zum anderen.

Skatermode von Bleed Clothing.

Auch für die Damenwelt hält Bleed Clothing schicke Streetwear bereit.

Wo kann man Bleed kaufen?

Wir haben etwa 100 Verkaufsstellen im deutschsprachigen Raum und dazu kommen noch etwa 50 Läden im weiteren Ausland. Du findest uns vor allem in öko/fair-orientierten Shops aber auch in Sportgeschäften und einigen Kletterhallen. Zudem gibt’s auch noch unseren Onlineshop und den Werksverkauf in unserer Heimat Helmbrechts. Wer im Fichtelgebirge also einmal einen Wander-, Bike-, oder Klettertrip mit einem Einkaufserlebnis verbinden möchte, der ist bei uns herzlich willkommen.

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Quelle: bleed-clothing.com, Bild: bleed-clothing.com, Depositphotos/lfz,Interview: Andreas Grüter