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Selbstversuch

Foodsharing: Gegentrend in der Wegwerfgesellschaft

Lebensmittelverschwendung ist in unserer Gesellschaft ein riesengroßes Problem und so landen jährlich Millionen Tonnen Essen im Abfall. Wir haben den Selbstversuch gemacht und mit Foodsharing dieser Verschwendung Einhalt geboten.

Wir Menschen werfen zu viel weg. Insgesamt entsorgen die Deutschen 11 Millionen Tonnen Lebensmittel pro Jahr, das heißt pro Kopf wirft jeder 82 kg Essen weg. Das sind zum Beispiel 41 Packungen Nudeln oder 82 Packungen Mehl oder Zucker. Während in anderen Teilen der Welt großer Bedarf an Lebensmitteln herrscht, scheint dies bei uns außer Acht gelassen zu werden. Sicherlich gibt es Lebensmittel, die schnell schimmeln (zum Beispiel Toast) – das ist aber nicht das eigentliche Problem:  Was ist mit Supermärkten, die Essen wegwerfen, weil es nicht mehr perfekt aussieht oder weil es einen Tag abgelaufen ist? Oder Verbrauchern, die verschlossenen, ständig gekühlten Joghurt entsorgen, der zwei Tage älter ist als es das Mindesthaltbarkeitsdatum vorgibt – normalerweise gehört so ein Joghurt nicht in die Tonne.

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Die Übergabe

Der Selbstversuch

Auf Facebook werden jeden Tag neue Gruppen geboren und gerade Foodsharinggruppen liegen momentan im Trend. Ihr Motto: Was ich nicht will, braucht vielleicht ein anderer. Ein guter Schritt für weniger Abfall. Bei einer dieser Gruppen haben wir uns umgeschaut und ganz in unserer Nähe bot eine Frau in Plastik verpackte Kuchen vom Discounter an – natürlich umsonst. Nach der Kontaktaufnahme mit der Anbieterin vertröstete diese uns erstmal damit, dass sich schon andere Interessenten gemeldet hätten. Glücklicherweise ließen die anderen Interessenten einen anderthalben Kuchen übrig und so machten wir uns auf den Weg in ein kleines Ein-Zimmer-Appartement am Stadtrand. Dort wurden wir freundliche begrüßt von einer Studentin Anfang 20. Sie schien sehr froh darüber zu sein, die Kuchen verschenken zu können, da sie am nächsten Tag für kurze Zeit verreisen wollte. Durch die Frage, warum sie denn so viele Kuchen zu verschenken habe, konnten wir erfahren, dass sie diese beim Containern erbeutet hatte. Vor einem Discounter stand, so erklärte sie, ein ganzer Abfallcontainer mit dutzenden dieser originalverpackten Kuchen, die zusätzlich auch noch mehr als eine Woche haltbar waren. Ihr einziger Makel war, dass sie nicht mehr perfekt aussahen. Trotzdem, die Tat der Studentin, also die Mitnahme der weggeworfenen Kuchen, gilt in Deutschland als Diebstahl, denn Containern ist bei uns nicht legal und wer erwischt wird, wird bestraft. Die Erkenntnis: Nicht nur der Verbraucher ist pingelig und wirft massenhaft Lebensmittel weg. Nein! Die Lebensmittelmärkte selbst sind einer der Hauptfaktoren für die unnötige Entsorgung von haltbaren, noch schmackhaften und nicht gesundheitsschädigenden (zum Beispiel durch Keime oder Bakterien) Lebensmitteln. Die Optik spielt beim Verkauf von Waren eine große Rolle und es müssen Regeln gefunden werden, die die Lebensmittelweiterverwendung legalisieren und entkriminalisieren.

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So sieht leckerer Kuchen aus

Der Geschmackstest

Wieder im Büro angekommen, musste sich der Kuchen natürlich sofort einigen Tests unterziehen. Er roch gut, sah auch noch gut aus und was noch viel wichtiger war, er schmeckte köstlich. Die Frage stellt sich also unweigerlich: Warum muss Kuchen, der etwas zerdrückt ist, entsorgt werden nur weil er optisch nicht mehr zu 100 Prozent perfekt ist? Ist es nicht die Hauptaufgabe eines Kuchens zu sättigen und zu schmecken? Hier muss unsere von Wohlstand geprägte Politik und Gesellschaft noch an sich arbeiten und ihre Vorstellung von guten Lebensmitteln überdenken, denn mit den Lebensmitteln, die wir jährlich wegwerfen könnten tausende von Menschen in anderen Teilen der Welt weiterleben.

Kleiner Tipp für weniger Müll 

Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob abgelaufene Produkte noch gegessen werden können, überprüfen Sie dies, in dem Sie erst einmal nachschauen, ob die Packung des Produkts unbeschädigt ist. Ist die Verpackung noch ganz, sollten Sie Ihren Sinnen trauen. Stellen Sie sich folgende zwei Fragen: 1. Sieht das Produkt noch gut aus oder zeigt es schon erste Anzeichen von Schimmelbildung oder Klümpchen. 2. Riecht das Produkt noch gut? Sollten Sie die beiden Fragen mit ja beantworten, können Sie nun den Geschmackstest wagen. Schmeckt das Lebensmittel noch einwandfrei, ist es essbar. Und noch ein kleiner Tipp zum Abschluss: Die Betonung liegt auf MINDESThaltbarkeitsdatum. 

Text: Kristina Reiß

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