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Wie Bio sind meine Lebensmittel wirklich?
Gefälschte Lebensmittel

So betrügt dich die Lebensmittelindustrie

Gefälschte Lebensmittel zu erkennen, ist nicht leicht. Grün gefärbtes Olivenöl, Fisch, der gar keiner ist, Rindfleisch-Tortelloni aus Pferdefleisch oder Bio-Produkte aus konventionellem Anbau. Die Liste der Lebensmittelbetrügereien ist endlos. Immer wieder wird der Verbraucher bewusst getäuscht und „falsche“ Lebensmittel auf den Markt gebracht. 

So können sich Verbraucher schützen

Die EU will jetzt gezielter gegen Lebensmittelbetrüger vorgehen. Auf der Grünen Woche in Berlin zeigt das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), wie Behörden den Lebensmittelfälschern auf der Spur sind.

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Laut eines Berichts des Ausschusses für Lebensmittelsicherheit des Europaparlaments gehören Olivenöl, Fisch, Getreide, Bioprodukte, Kaffee, Tee, Honig, Gewürze, Wein und Milch zu den am meisten gefälschten Lebensmitteln in der EU.

Betrogen wird, indem beispielsweise falsche Tierarten auf Fleischprodukten gekennzeichnet werden, Inhaltsstoffe durch billige Alternativen ausgetauscht werden, falsche Gewichtsangaben gemacht werden, Zuchtfisch als Wildfang deklariert wird, abgelaufene Lebensmittel wieder in den Verkehr gebracht oder konventionelle Lebensmittel als „Bio“ verkauft werden.

Betrüger haben es leicht

In der Lebensmittelbranche wird zunehmend getäuscht und betrogen. Lebensmittelbetrug ist lukrativ und die Gefahr erwischt zu werden, gering. Falls ein Betrug wirklich mal aufgedeckt wird, sind die Sanktionen sehr gering und die Unterschiede zwischen den EU-Ländern groß.

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Laut eines Berichts des Ausschusses für Lebensmittelsicherheit im Europaparlament sei zudem die aktuelle Wirtschaftskrise schuld an den Betrügereien: „Die Kontrollstellen leiden unter Sparmaßnahmen und der Druck seitens des Einzelhandels und anderer Parteien, Lebensmittel noch billiger herzustellen, wächst.“ Die Supermarktlobby bestätigt die kritischen Thesen des Berichts teilweise. Der Deutsche Handelsverband teilte mit, dass der Preisduck in Deutschland nicht so hoch sei, es aber durchaus sein könne, dass es in Europa Länder gibt, in denen die Kaufkraft durch die Krise enorm gesunken ist, was nicht nur den Handel vor Probleme stellt.

Als Verbraucher ist es unmöglich alle Inhaltsstoffe zu kennen.Die Herausforderung als Verbraucher alle Stoffe zu enttarnen ist enorm.

Was wurde aus dem Pferdefleischskandal?

Der Pferdefleischskandal aus dem Jahr 2013 ist ein Beispiel für die bewusste Täuschung in der Lebensmittelindustrie. Damals wurden in verschiedenen europäischen Ländern Lebensmittel gefunden, die als Rindfleischprodukte deklariert waren, aber bis zu 100 % Pferdefleisch enthielten. Millionen Verbraucher in ganz Europa empörten sich über das Rossfleisch, das in Tortelloni, Lasagne, Leberwurst, Köttbullar oder Döner großer Handelsmarken zu finden war.

Daraufhin kündigten die EU-Kommission und Bundesregierung härtere Strafen für Betrüger an. Die damalige Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner versprach zudem ein internationales Frühwarnsystem im Kampf gegen Lebensmittelpanscher, sowie eine Internetseite, auf der zurückgezogene Produkte gelistet werden sollten.

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Zwar sind die Kontrollen immer noch lückenhaft und auch die gesetzlichen Strafen für Lebensmittelbetrüger wurden bislang nicht erhöht, doch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit entwickelte gemeinsam mit dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft eine Nationale Strategie zur Bekämpfung von Lebensmittelbetrug, die alle relevanten Akteure, wie die Staatsanwaltschaften, die Zollverwaltung und die Polizeibehörden Europol und Interpol miteinbezieht. Zudem fungiert es als nationale Kontaktstelle zwischen den Mitgliedstaaten und der Europäischen Kommission, um Lebensmittelbetrug in Zukunft frühzeitig erkennen und Präventivmaßnahmen ergreifen zu können.

Merkst du den Unterschied?

Um den Besuchern einen Einblick in die Welt der Lebensmittelbetrüger zu ermöglichen und sie für das Thema zu sensibilisieren, baut das BVL in der Halle 23a (Sonderschau des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft) auf der Grünen Woche in Berlin (vom 20. - 29 Januar) eine kleine Fälscherwerkstatt auf. Dort soll gezeigt werden, wie Lebensmittel gefälscht werden und wie die Behörden den Lebensmittelfälschern auf der Spur sind.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des BVL schlüpfen in die Rolle der Betrüger und panschen verschiedene Lebensmittel. Die Besucher können dann testen, ob sie den Unterschied zwischen dem Original und dem verfälschten Lebensmittel herausfinden.

Das grenzüberschreitende und interdisziplinäre Zusammenspiel der verschiedenen Behörden wird in diesem Comicfilm verständlich erklärt:

Die wichtigsten Informationen zum Thema Lebensmittelbetrug findest du außerdem in der Liste „Den Lebensmittelfälschern auf der Spur“.

Jetzt hier downloaden: Liste Lebensmittelbetrug

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Quellen: www.bvl.bund.de, Bild: Depositphotos/monkeybusiness,marcinwos, Text: Meike Riebe