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Mann in Wechseljahren: Er will doch nur spielen
Er will doch nur spielen

Männerzeiten: Kommen auch Männer in die Wechseljahre?

Bei einer kleinen Auseinandersetzung, einem so genannten Beziehungsscharmützel, welches nach über 30 Jahren Ehe schon mal vorkommt, reifte ein neuer Gedanke in mir. Ich wusste in diesen Situationen nicht nur nicht, was ich falsch gemacht haben sollte, sondern ich verstand gar nicht, um was es überhaupt ging! Hier kam die Situationserkenntnis: Lasst uns ein Buch über Männerzeiten schrieben.

Meine Frau Gudrun und ich befassen sich in diesem Werk mit dem Mann in den „Wechseljahren“. Während sich bei der Frau nach der traditionellen chinesischen Medizin alle Lebensrhythmen in siebener Jahresschritten vollziehen, bei sieben mal sieben Jahren kommt sie in die Wechseljahre, also mit um die neunundvierzig, verläuft beim Mann alles in achter Jahresschritten. Bei acht mal acht Jahren, also um das vierundsechzigste Lebensjahr, zieht er mit seinen „Wechseljahren“ nach.

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Allerdings kommt er sehr häufig vorher noch einmal in einen „postpubertären“ Zustand: Führerschein Klasse eins, das Motorrad oder Cabrio, das Drachentattoo auf dem Oberarm und die schlimmstenfalls die jüngerer Freundin nebenher. Er will sich noch mal beweisen, auf allen Ebenen steht er immer noch seinen Mann. Wenn sich Patientinnen bei mir über ihre Ehemänner in dem Alter beschwerden rate ich ihnen: Wenn es nicht all zu schlimm abläuft, versuchen Sie, darüber weg zu sehen – der will nur spielen.

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Der alte Platzhirsch bäumt sich noch einmal auf. Trotz aller Kaschierung merkt er aber im tiefsten Inneren, dass er nicht mehr dreißig ist. Dies macht ihm und seiner Beziehung Schwierigkeiten!

Beziehungsprobleme wegen Wechseljahre

Unser Werk befasst sich nicht nur mit den zwischenpartnerschaftlichen belastenden Interaktionen, sondern ebenfalls mit dem Umgang und den Möglichkeiten der Unterstützung der neuen Situation: Bluthochdruck, Erektionsprobleme, Schlafstörungen, depressiven Verstimmungen oder hormonelle Störungen, um nur einige zu nennen. Viele genannte Rezepte aus meiner naturheilkundlichen Praxis sollen Linderung und Unterstützung geben. Trotz eines witzigen Schreibstils und vielen Karikaturen von mir ist es doch kein humoristisches Buch, sondern ein ernstzunehmendes Werk mit vielen therapeutischen Hinweisen. Um es auf den Punkt zu bringen: meine Frau und ich haben versucht, diese Lebensphase des Mannes um die sechzig für ihn und seine Partnerin stressfreier zu gestalten. Genau wie in der Pubertät, wo wir nicht so ganz verstehen, was mit uns geschieht, wiederholt sich dies in den Wechseljahren. Und genau wie früher, wo wir dann Stress mit den Eltern hatten, haben wir ihn jetzt in der Partnerschaft. Aber das Alles ist nicht schlimm, sondern ein biologischer, vorprogrammierter Ablauf der Natur. Nur müssen wir beide, Mann und Frau, dies verstehen und akzeptieren – dann werden die Missverständnisse schon viel kleiner. Frauenbücher, die sich mit dieser Lebensphase auseinander setzten, gibt es sehr viele, auch von meiner Frau und mir das Pendant „Frauenzeiten“, aber die kritische und auch therapeutische Beleuchtung für den Mann, ist gar nicht häufig. Gern schreibe ich als Widmung in unser Buch „Männerzeiten“:

Auf den Postpubertierenden Mann!

Quellen: Bilder: Depositphotos/iakovenko123, serezniy, Text: Peter Germann

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