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Ein Earthship-Haus aus Recyclingmaterial bauen: So geht's!
Earthship Null-Energiehaus

Earthship: Ein Recycling Haus aus Autoreifen

Alte Autoreifen, Glasflaschen, ein paar Balken und jede Menge Erde: So kann sich jeder, der ein paar kräftige Freunde hat zum Dumping-Preis ein Null-Energiehaus bauen – und sich ein Eigenheim leisten. Zudem gibt es nie wieder eine Strom-, Gas- oder Wasserrechnung. Wie das geht, wie schick, innovativ und nachhaltig so ein Earthship-Haus aus Recyclingmaterial ist, ein Einblick.

Der Erfinder der Earthship-Häuser, der «Erdschiffe», Mike Reynolds, bezeichnet die Earthship-Häuser als «radikal nachhaltig gebaute Häuser». Mit diesem über Jahrzehnte entwickelten und verfeinerten, nachhaltigen Bau-Stil trifft Reynolds den Nerv vieler. Wenn er sagt, dass er ein Haus baut, dass sich selbst beheizt, sein eigenes Wasser liefert und noch dazu sein eigenes Essen produziert, dazu keine teure Technologie nötig ist und es aus recyceltem Abfall und natürlichen Baumaterialien besteht, ist die steigende Zahl dieser Häuser weltweit verständlich.

Earthship-Haus in der Normandie: Nachhaltig, aus Flaschen und Autoreifen gebaut 

Radikal nachhaltig nennt der Architekt seine wunderschöne Erfindung: das Recycling Haus.

  • Leben wie Gott in Frankreich? Zumindest wohnt der Hausbesitzer in diesem französischen Earthship-Haus energieautark. Foto: www.earthship-france.com
  • Zudem gibt es den obligatorischen WIntergarten, der wie die Außenanlage zur Lebensmittelversorgung befplanzt werden kann. Foto: www.earthship-france.com
  • Und das Öko, Recycling und naturnah bauen nicht schlicht sein muss, zeigt dieses Schlafzimmer des Earthship-Hauses in der Normandie. Foto: www.earthship-france.com
  • Denkbar einfach und wie es Earthip-Begründer Reynolds nennt: Radikal nachhaltig. Alte Autoreifen, Lehm oder Sand und schon kann man ein Null-Energie-Haus bauen. Foto: Earthship
  • Die Konstruktion ist denkbar einfach, aber auch hoch variabel. Hier entsteht gerade der Wintergarten aus Holzbalken und mit Reifen-Fundament. Foto: Earthship Kirsten
  • Dies ist ein südlich ausgerichteter Wintergarten für maximale Sonneneinstrahlung. Foto: Earthship
  • Das heizt das Haus und die angebauten Zier- oder Nutzpflanzen. Hier gibt es sogar einen kleinen Teich. Foto: Earthship
  • Die Architektur ist unterschiedlich und höchst individuell. Hier stand wohl 1001 Nacht Pate. Foto: Earthship
  • Glas, Holz und sanfte Naturfarben - auf Lehm- oder Kalkputz - geben dem Earthship ein wohnlich-warmes Ambiente. Foto: Earthship
  • Warme Farben und Naturmaterialien machen das Schlafzimmer zum Wohlfühltempel. Foto: Earthship
  • Natur pur. In und um das Haus, abgesehen von den alten Autoreifen. Foto: Earthship
  • Selbst für frostige Klimazonen ist das Earthship-Haus bestens geeignet und gerüstet. Foto: Earthship
  • Das heizt das Haus und die angebauten Zier- oder Nutzpflanzen. Hier gibt es sogar einen kleinen Teich. Foto: Earthship

Ein recyceltes und komfortables Haus aus Materialien, die andere wegwerfen

Es scheint fast zu schön, um wahr zu sein: Günstig ein Haus bauen, das den Standards eines Passiv- oder Null-Energiehauses entspricht. Für wenig Geld noch dazu. Energie, Wasser und wohlige Wärme oder kühle Temperaturen im Sommer in jeder Klimazone. Autark von jedem Strom-, Gas- oder Öllieferant. Zusätzlich noch in unserem Klima etwa Ananas oder Bananen anbauen im eigenen Gewächshaus, nachhaltiger bauen geht es kaum.

Aus Recyclingmaterial wie Autoreifen, Flaschen und Erde werden Wände 

Mike Reynolds ist ein Revolutionär der Nachhaltigkeit. Schon in den 70er Jahren machte sich der heute sehr erfolgreiche und geschätzte Erfinder und Konstrukteur auf, nach neuen Möglichkeiten zu suchen, um nachhaltig zu bauen. Das Earthship-Haus besteht ausschließlich aus Materialien, die entweder überall auf der Welt im Überfluss vorhanden sind, nachhaltig erzeugt werden wie Holz oder durch den Hausbau nachhaltig recycelt werden. Weiterhin sollte das Earthship-Haus komplett auf natürliche Energiequellen zählen können und komplett autark sein. Schließlich solle jeder Mensch sich ein solches Haus ohne großen finanziellen Aufwand und ohne besondere Vorkenntnisse oder handwerkliches Geschick selbst bauen können.

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Auf der Suche nach einem nachhaltigen und geeigneten Baustoff für die Wände stieß Mike Reynolds auf gebrauchte Autoreifen. Überall auf der Welt liegen Millionen von den fast nicht verrottenden Altreifen herum, mit denen nichts Vernünftiges mehr anzufangen ist. In Deutschland fallen jährlich alleine 650.000 Tonnen Altreifen an. Reynolds fand jedoch heraus, dass mit Erde gefüllte Autoreifen ganz hervorragende Dämmeigenschaften besitzen, eine hohe Stabilität für den Hausbau haben und nahezu unbrennbar sind. Das Haus wird zusätzlich teilweise unter die Erde gebaut beziehungsweise in einen künstlichen Wall integriert.

Autark bauen und wohnen: Nachhaltig die Wärme der Erde nutzen

Ein Earthship-Haus ist nachhaltig. Es werden keine Ressourcen oder Energie benötigt.

Wohnlich und natürlich zugleich: Nachhaltig bauen in seiner schönsten und individuellsten Form. Foto: © Earthship

Earthship-Häuser nutzen, wie die Geothermie, die Wärme der Erde. Durch den künstlichen Hang sind die nachhaltig konstruierten Earthship-Häuser von drei Seiten teilweise mit Erde umschlossen. Dadurch entsteht im Sommer wie im Winter ein angenehmes Wohn-Klima. Bei Frost ändert sich die Temperatur der Erde – abgesehen von der direkten Oberfläche kaum. Nachhaltig Energiebedarf sparen, das ist das Ergebnis dieser simplen aber durchdachten Bauweise der Earthship-Häuser.

Die offene Hausseite ist dagegen komplett verglast und dient gleichermaßen als Heizung mittels Sonneneinstrahlung wie als Wintergarten. Hier kann Obst und Gemüse unter idealen Temperaturbedingungen angebaut werden. Soll die Sonneneinstrahlung und damit die Wärmewirkung reduziert werden, schaffen Jalousien Abhilfe. In sehr heißen Gegenden wird indes ein Kühlsystem integriert, in extrem kalten Gebieten ein Kaminofen, die günstige und umweltfreundliche Heizalternative.

Auch nachhaltig: Ein ausgeklügeltes, autarkes Wassersystem

Wasser wird in Earthship-Häusern gleich vierfach verwendet.

  • Gesammeltes Regenwasser wird zunächst durch ein Filtersystem gereinigt, sodass es Trinkwasserqualität hat.
  • Das Abwasser vom Duschen, Hände- oder Wäschewaschen wird durch die Wintergartenbeete grob gereinigt und das übrige, versickernde Wasser wird an die Toilettenspülung oder direkt in eine externe Bio-Kläranlage geleitet.

Absolut zuverlässig gereinigt – wie in unseren großen Kläranlagen wird es wieder dem Kreislauf zugeführt. Da beispielsweise biologisch produziert Seife verwendet wird, bleiben keinerlei bedenklichen Stoffe zurück und kann auf Chemikalien verzichtet werden. Ein Wasseranschluss beziehungsweise eine eigene Trinkwasserquelle kann zusätzlich installiert werden.

Sonne und Wind sorgen für die nötige Energie des Recycling-Hauses

Photovoltaik und kleine Windräder sind die Energiequellen eines Earthships. Die gewonnene Energie kann in einem Batteriespeichersystem zum Abruf zwischengelagert werden. Die Verwendung von zusätzlich benötigtem Strom aus dem Stromnetz oder von einem Generator gespeist ist ebenfalls möglich.

Earthship Haus: Ein nachhaltiges Haus aus Recyclingmaterial selber bauen

Earthship Haus: Ein nachhaltiges Haus aus Recyclingmaterial selber bauen

Viele Baustile sind denkbar, aber alle haben eines gemeinsam: Null Energie muss eingekauft werden. Foto: © Earthship Kirsten

Nach jahrzehntelanger Erprobung sind die von Mike Reynolds entwickelten, Spar-Häuser überall auf der Welt baubar. Gerade in Katastrophengebieten oder armen Ländern kann eine Earthship-Haus zu einer neuen Wohnung werden.
Bestes Beispiel: Nach dem verheerenden Wirbelsturm Katherina wurden aus den Trümmern viele Earthship-Häuser gebaut.

Seine Firma Earthship Biotecture schult interessierte Häuslebauer, aber auch DVDs und Bücher gibt es, die das Bauprinzip en detail erklären. In den USA wurden mittlerweile schon ganze Siedlungen in Earthship-Bauweise erstellt. Aber auch in Europa gibt es zahlreiche Earthships - Tendenz steigend. Nachhaltiger kann Bauen kaum sein. Es fragt sich nur: Gibt es in Deutschland hierfür eine Bauerlaubnis?

Das erste Earthship-Haus in Deutschland

Lange Zeit standen die Baumaschinen in Deutschland still, wenn es um den Bau des Recycling-Hauses nach dem Vorbild von Michael Reynolds ging. Bis im Mai 2016 in Baden-Württemberg, zwischen Stuttgart und Nürnberg, das erste Earthship-Haus deutschlandweit gebaut wurde. Eins von etwa 1.000 Earthships weltweit. Die Bewohner freuen sich über ein Haus, das sich selbst heizt, Wasser liefert, Essen produziert und seinen eigenen Abfall recycelt.

Das Haus wurde als Gemeinschafts-Wohnprojekt aufgebaut, zu dem 28 Menschen jeden Alters Zugriff haben. Die Bewohner sind Familien, Singles, Paare, alte und junge Menschen.
Mehr über das Earthship-Projekt Tempelhof erfahren Sie in diesem Artikel.

Was kostet ein Earthship-Haus?

Sie wollen ein Haus aus Recyclingmaterial bauen? Doch was kostet dieser umweltfreundliche Spaß, fragen Sie sich? Das Recycling-Haus in Deutschland mit 55 Quadratmetern kostete um die 300.000 Euro. Anders als die meisten Earthships wird das Haus gemeinschaftlich genutzt – die Bewohner teilten sich alle Kosten und finanzierten den Großteil aus eigenen Mitteln, den Rest aus Spendengeldern.
Auch als Einfamilienhaus müssen Sie mit etwa 200.000 bis 500.000 Dollar, umgerechnet etwa 166.000 bis 415.000 Euro, rechnen. Das mag auf den ersten Blick nach viel Geld für ein Haus klingen, speziell für ein Haus aus Müll, doch berücksichtigen sollte man: Es fallen keine laufenden Kosten an!

Earthship auf Zeit: Urlaub in einem nachhaltigen Haus verbringen

Wer ein Earthship-Haus einmal erleben möchte, seine Konstruktion und die vielen Vorzüge, kann in den USA in New Mexiko in solch einem Earthship-Haus Urlaub machen. Auch unter diesem Link finden Sie eine große Auswahl an nachhaltigen Earthship-Unterkünften.

Noch einfacher umgesetzt aber nicht minder wohnlich, baute ein Brite sein neues Haus. Und, irgendwie erinnert es an die Hobbits. Übrigens: Pilze werden das neue Plastik, werden zum rein natürlichen Dämmstoff und dem Verpackungsmüll den Kampf ansagen. Das das kein Scherz ist, lesen Sie hier.

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Quellen:Sein.de; Earthship, Earthship-France, Text: Jürgen Rösemeier