1. Home
  2.  › Familie
  3.  › Finanzen
Geld-Anlagen in nachhaltige Projekte sind ökologisch sinnvoll.

Sind nachhaltige Anlagen auch wirklich umweltfreundlich?

Grün ist in und überzeugt die Menschen. Wir schätzen gesundes, ökologisch produziertes Gemüse, umweltfreundliche Hybridautos und grüne Anlagefonds. Die verstärkte Nachfrage nach diesen Produkten ist erfreulich und zeigt den Trend zur Nachhaltigkeit auf. Oft gibt es aber auch Anlass zur Kritik.

Nur wenn grüne Produkte einen echten Nutzen für die Umwelt aufweisen, leisten sie einen Beitrag zum Erhalt der natürlichen Vielfalt unseres Planeten. Dies ist dringend nötig: Der vom WWF erhobene «Living Planet Index», ein globaler Indikator für den Zustand der Biodiversität, ist seit 1970 um rund 30 Prozent zurückgegangen. Ein wichtiger Grund hierfür ist der Ressourcenverbrauch der Menschheit: Er hat sich seit 1960 mehr als verdoppelt. Wir leben heute nicht mehr von den «Zinsen» unseres Planeten, sondern zehren vom Kapital der Ökosysteme, auf deren Funktionieren wir angewiesen sind.

Anzeige

Was bringen grüne Geldanlagen der Umwelt?

Was hat das nun mit Geldanlagen zu tun? Investitionsentscheide haben zwar häufig nur eine indirekte, aber nicht minder große Wirkung auf den Zustand der Umwelt. Das zeigt sich exemplarisch bei den erneuerbaren Energien. Über Jahre hinweg waren es Nischeninvestoren, die den Pionieren auf diesem Gebiet Kapital zur Verfügung stellten. Heute wächst der Sektor mit einer beachtlichen Dynamik und eröffnet interessante Perspektiven für eine saubere Energieversorgung. Wenn man bedenkt, dass sich die Investitionen in erneuerbare Energien in den letzten zehn Jahren auf 235 Mio. Euro summieren, wird klar, dass die Lenkung von Finanzströmen in zukunftsträchtige Sektoren einen echten Beitrag im Kampf gegen die Übernutzung natürlicher Ressourcen leistet. Das darf jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass heute auch Produkte als grün angepriesen werden, die einen sehr geringen oder gar keinen ökologischen Mehrwert aufweisen.

Selbst die Nutzung angeblich nachhaltiger Ressourcen kann verheerende Auswirkungen auf die Natur haben. So werden heute beispielsweise Agrokraftstoffe angeboten, deren Anbau und Verarbeitung mehr Energie verbraucht als schließlich in Form von angeblich nachhaltigem Kraftstoff zur Verfügung steht. Auch sind heute Agrotreibstoffe auf dem Markt, zu deren Anbau Tropenwald gerodet wurde - Stichwort E10 und Bio-Diesel -, von der preistreibenden Wirkung auf knapper werdende Grundnahrungsmittel ganz zu schweigen. Und die CO2-Bilanz, etwa durch Brandrodung ist schlechter, als beim Verbrennen von herkömmlichem Benzin oder Diesel. Das heißt nun nicht, dass Agrokraftstoffe keine Unterstützung verdienen. Werden dafür pflanzliche Abfallstoffe genutzt, macht das sehr viel Sinn. Aber das Beispiel zeigt, dass auch grüne Produkte sehr sorgfältig geprüft werden müssen. Das gilt auch für die Finanzanlagen. So kann die Anwendung eines undifferenzierten «Best-in-Class»-Ansatzes, wie ihn viele Finanzinstitute noch immer pflegen, zur paradoxen Situation führen, dass damit verstärkt Mittel in Sektoren wie die Erdölförderung oder den Abbau von Bodenschätzen fließen, was für die Umwelt definitiv kein Gewinn ist.


Nachhaltige Geld-Anlagen müssen ökologisch sinnvoll sein.

Die Investition in ökologisch sinnvolle Geld-Anlagen ist nachhaltig.

Eine glaubwürdige Investitionspolitik, die einen echten Mehrwert für den Anleger, die Gesellschaft und die Natur bringt, basiert deshalb auf drei Prinzipen:

Ein stringentes Auswahlverfahren, das in einem mehrstufigen Prozess sowohl Positiv- wie Negativkriterien berücksichtigt und diese für Anleger transparent macht. Eine regelmäßige Überprüfung der Nachhaltigkeitskriterien durch unabhängige Dritte. Der Schweizer WWF beispielsweise spielt diese Rolle in seinen Kooperationen mit der Zürcher Kantonalbank und mit Swisscanto. Nachhaltigkeitsüberlegungen müssen über den reinen Auswahlprozess hinaus wirken, beispielsweise indem sie bei der Ausübung von Stimmrechten berücksichtigt werden. Klar, nachhaltige Anlagen alleine retten die Welt nicht. Doch sie können einen bedeutenden Beitrag zur Lösung dringender Umweltprobleme leisten. Rentenkassen spielen dabei aufgrund ihrer langfristigen Anlageperspektive, der bedeutenden Volumen verwalteter Vermögen und der Einflussmöglichkeiten der Versicherten auf die Investitionspolitik eine zentrale Rolle. Sie sollten diese Rolle in Zukunft auch in Deutschland vermehrt wahrnehmen – denn langfristig betrachtet, bringt Nachhaltigkeit die beste Rendite. In jeder Hinsicht.



Quelle: Schweizerische Personalvorsorge; Text: Thomas Vellacott

Anzeige