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Nachhaltigleben
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ecowoman Kommentar: Plastiktüten - Gefahr für die Erde, Natur und Menschen

Wir leben in einer Plastikgesellschaft. Die Küche ist voll von Plastikgeschirr, Plastikdosen, Plastik-Kochlöffeln. Auch das Kinderspielzeug wurde vom Plastik erobert und es gibt fast keinen Lebensbereich mehr, der nicht dominiert wird von Kunststoff. Doch der Wahn hat negative Folgen für Mensch, Tier und Natur – Peter Rensch macht sich deshalb begründete Sorgen.

Nachhaltigleben

Plastikbeutel: Es gibt sie überall. ©Photodisc

10.000 Plastiktüten gehen in Deutschland pro Minute (!) über die Ladentheken -Darauf weist die Deutsche Umwelthilfe hin. Das macht pro Jahr 5,3 Millionen Tüten. Dafür werden jährlich 100.000 Tonnen Kunststoff benötigt, was wiederum einen Ausstoß des Treibgases Kohlendioxid in Höhe von 160.000 Tonnen verursacht. Der Plastikwahn hat seine Folgen: Viele Kunststoffe werden aus Erdöl produziert und das enthaltene Polyethen ist äußerst robust. Es baut sich in der Natur nahezu nicht ab und belastet die Umwelt unendlich viele Jahre. Herstellung und Recycling verbrauchen zudem hohe Energiemengen und dann werden unsere Ozeane auch noch zu Plastikmüllkippen.

Plastikmüll gefährdet die ganze Welt

Der Naturschutzbund NABU bezeichnet Plastikmüll als weltweites Problem. Von den jährlich weltweit bis zu 240 Millionen Tonnen produziertem Plastik, landen schätzungsweise 6,4 Millionen Tonnen in den Weltmeeren. 18.000 Plastikteile treiben auf jedem Quadratkilometer Wasseroberfläche oder versinken auf dem Meeresboden. Zehntausende Meerestiere verenden jedes Jahr qualvoll an dem Kunststoffmüll. Das Meer wird zum Müllplatz und zum Grab der Tiere. Das Plastik blockiert die Verdauungsorgane und lässt die Tiere verhungern. Damit nicht genug. Experten sprechen von 600.000 Kubikmeter Plastikmüll alleine in der Nordsee. Fische und Wattwürmer werden geschädigt, was unser Ökosystem bedroht. Und weiter geht es im Schwarzbuch Plastik.

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Plastik beeinflusst den Hormonhaushalt

Das ZDF berichtete, dass Plastikverpackungen für Lebensmittel Chemikalien enthalten, die verdampfen oder abgerieben werden können. Wurst- und Käseverpackungen aus Plastik können Weichmacher und Bisphenol A (BPA) enthalten. Lebensmittel können die Stoffe aufnehmen und gesundheitliche Schäden anrichten. BPA hat in Tierversuchen den Hormonhaushalt verändert und kann die Fruchtbarkeit beeinflussen sowie Diabetes, Asthma und Übergewicht fördern.

Plastik regiert unser Leben und ist ja so bequem. Einfach zu handhaben, leicht, praktisch und doch so schädlich. Was läuft da falsch im System? Mal ehrlich: Wir Verbraucher sind es doch, die es immer billig haben wollen. Und klar: Eine Plastiktüte ist billiger als eine Stofftasche und Spielzeug aus Holz hat seinen Preis. Doch sind das Gründe, um einen Plastikwahn zu pflegen, der Mensch, Tier und Natur schadet? Sollten wir nicht an unsere Umwelt denken und alles Mögliche tun, um sie von Giftstoffen freizuhalten?

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Das Problem ist der Konsum-Urtrieb

Das Problem liegt in unserem Konsum-Urtrieb. Alles was billig ist wird in Massen vertilgt. Früher wurde zu Festtagen Kaffee getrunken. Kaum bieten die Fast-Coffee-Shops billigen Kaffee an jeder Ecke an, rennen wir mit den Bechern durch die Straßen und kippen ihn literweise runter. Gab es früher Fleisch nur am Wochenende, schieben wir es uns heute täglich zwischen die Lippen. Die Massentierhaltung macht es möglich Schnitzel & Co. zu Tiefstpreisen anzubieten. Wussten Sie eigentlich, dass es Historiker gibt, die behaupten, dass in Kulturen, in denen es keine direkte Todesstrafe gab, Sträflinge dazu verurteilt wurden nur noch Fleisch zu essen. Die Übersäuerung soll zu einem Tod innerhalb von sechs Monaten geführt haben. Aber das nur so am Rande.

Die Heerschar der Verbraucher konsumiert, was die Läden anbieten. Hauptsache billig! Und unbewusst wird Plastik & Co. gekauft, was das Zeug hergibt. Wir Verbraucher haben jedoch Verantwortung und Macht. Was nicht gekauft wird, kann dauerhaft nicht produziert werden. Wer nur auf den Preis achtet und nicht hinter die Kulissen schaut, macht sich mitschuldig am Sterben der Tiere und dem Verderben der Natur. Schauen wir hin, öffnen wir unsere Augen und denken wir beim Konsum an die Umwelt. Das fängt schon damit an, beim nächsten Einkauf die Plastiktüte liegen zu lassen.

Text: Peter Rensch