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Kaffee, Kaffeerösterei, vom Kleinbauern zum Händler eine Geschichte
Respekt für die Mensschen und das Produkt

Ich will die Geschichte des Kaffees erzählen

Ein Kaffeepionier hat sich auf fairen Kaffee in Spitzenqualität spezialisiert und ein nachhaltiges Geschäftsmodell etabliert, das auf Respekt gegenüber Mensch und Natur basiert. Er ist überzeugt: Die Kaffeewelt wird sich weiter verändern.

Als Thomas Eckel vor acht Jahren ins Kaffeegeschäft einstieg, war der weltweite Kaffeehandel fast ausschließlich über Kooperativen organisiert, vom Erzeuger bis zum Endverbraucher zog sich eine lange Handelskette, Individualverkäufe, also Bauern, die ihren Kaffee direkt verkauften, gab es nicht. Eckel wollte das ändern, denn er wollte die Geschichte des Kaffees erzählen – vom Baum bis in die Tasse. In der Murnauer Kaffeerösterei tut er das heute jeden Tag. Thomas Eckel hat die Kaffeewelt verändert.

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„Wenn das Kaffee ist, was trinken wir dann zuhause für eine Plörre?“

Wenn Deutschlands erster „Q-Grader“ – ein Titel, den man mit „Kaffeegutachter“ übersetzen kann – über seinen Kaffee erzählt, ist ihm die Begeisterung anzumerken. Kaum zu glauben, dass Thomas Eckel noch bis vor zehn Jahren passionierter Teetrinker war. Doch man muss noch weiter zurückgehen, um diese auf den ersten Blick paradoxe Geschichte zu verstehen. Als ihm vor zwanzig Jahren ein alter Kaffeebauer auf Hawaii eine Tasse seines Kaffees anbot, war es um Eckel geschehen: „Ich dachte, wenn das Kaffee ist, was trinken wir dann zuhause für eine Plörre?“, erinnert er sich. Wieder in Deutschland, blieb die Suche nach einem ähnlichen Geschmackserlebnis erfolglos und Eckel wandte sich dem Tee zu.

Kaffeeernte Kleinbauer

Vorübergehend. Der Kaffee ließ ihn nicht los, sodass Thomas Eckel sich nach der Ausbildung zum Chef-Diplom-Kaffeesommelier bei Professor Edelbauer am Institut für Kaffeeexperten Wien dazu entschloss, sein Leben ganz dem schwarzen Gold zu widmen. 2008 gründete er die Murnauer Kaffeerösterei und machte sich auf die Suche nach den besten Kaffees der Welt. Der Ansatz, den Thomas Eckel und sein Team verfolgen, ist ein ganzheitlicher, der Mensch und Umwelt in den Mittelpunkt stellt. Sie arbeiten nach dem Prinzip des Direct Trade („Direkter Handel“).

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Die Kaffeewelt hat sich verändert

Bei diesem Geschäftsmodell gibt es keine langen Handelsketten und entsprechend keine Zwischenstellen, die ebenfalls am Kaffee verdienen wollen. Es gibt nur den Kaffeebauern und den Käufer, zwei Parteien, die sich über den Preis ihrer Ware einig werden müssen. Die Kaffeewelt hat sich verändert. Vor acht Jahren war Thomas Eckel der einzige, der seinen Kaffee direkt von den Bauern gekauft hat, „inzwischen diktieren die Kaffeebauern die Preise“, berichtet der Experte. Er ist überzeugt, dass die Entwicklung noch nicht zu Ende ist: „So wie wir heute Kaffee trinken, werden wir ihn in zwanzig Jahren nicht mehr trinken.“

Kaffeesäcke und Kaffeefässer

Warum? Weil immer mehr Menschen die Vorzüge von Qualitätskaffee schätzen lernen. Den Statistiken des Deutschen Kaffeeverbands zufolge haben in den letzten fünf Jahren 3,5 Millionen Menschen den Weg von Massen- zu Qualitätsröstereien gefunden, „und die gehen nicht mehr zurück.“ Da ist sich Thomas Eckel sicher. Denn wer einmal einen echten Spitzenkaffee von einer Plantage getrunken hat, dem kommt seiner Erfahrung nach keine gewöhnliche Mischung mehr ins Haus. Eckel und sein Team fördern diese Entwicklung, wo sie nur können. Die Murnauer Kaffeerösterei bietet jährlich mindestens 250 Kurse an, in denen die Teilnehmer nicht nur Wissen über Anbau, Röstverfahren und die Barista-Kunst erlangen. Genauso wichtig ist die Sensorik.

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Sensorik ist wichtiger Bestandteil von Kaffeekursen

Den Grund dafür erklärt Thomas Eckel anhand eines im ersten Moment paradox erscheinenden Beispiels: „Wenn ich zehn Menschen auf der Straße bitte, zwischen handelsüblichem Kaffee und einem meiner Spitzenkaffees zu wählen, dann entscheiden sich mindestens acht für ersteren.“ Warum? „Aus Gewohnheit.“ Nach einem Sensorik-Kurs, bei dem sie an Blüten, Kräutern und Obst riechen, Honig, Schokolade und Nüsse verkosten, sieht das Ergebnis, da ist Eckel überzeugt, aber schon ganz anders aus: „Jetzt würden 60 Prozent sagen: Handelsüblicher Kaffee geht gar nicht.“ Mit der Kaffeeakademie will der Experte also das Wissen, das ihn seit Jahren fasziniert, weitergeben und möglichst viele Menschen vom Spezialitätenkaffee überzeugen.

frisch gerösteteter Spitzenkaffee

Abgesehen vom einzigartigen Geschmack überzeugen dabei nämlich auch die sozialen wie ökologischen Aspekte. Pacha Mama, Mutter Erde – so heißt das Anbaugebiet in den Hochlagen der peruanischen Anden, aus dem einer der köstlichen Kaffees stammt, die in der Murnauer Kaffeerösterei jeden Tag verkauft werden. Hier ist der Name Programm: Die „Pacha Mama“ wird respektiert, Ausbeutung ist ein Fremdwort und das gilt sowohl für die Natur als auch für die Menschen, die auf der Kaffeeplantage arbeiten und zu denen enge Kontakte bestehen. Das alles hat natürlich seinen Preis. Aber Thomas Eckel ist überzeugt, dass viele Menschen bereit sind, diesen zu bezahlen: „Als ich vor acht Jahren 20 Euro pro Kilo für meinen Kaffee verlangte, haben die Leute gesagt: Spinnst du? Heute bezahlen die Kunden sogar 30 Euro für ein Kilo Kaffee.“

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Kaffee in Bio-Qualität fördert die ökologische Vielfalt

Nachhaltigleben

Thomas Eckel

Eckel und seinen Mitstreitern ist es wichtig, dass ihre Partner Eigeninitiative in Sachen Umweltschutz zeigen. Das unterscheidet den Direct Trade ebenso vom Fair Trade wie die deutlich bessere Bezahlung. Bio-Qualität ist bei der Murnauer Kaffeerösterei übrigens selbstverständlich und garantiert, auch wenn einige kleinere Betriebe sich die offizielle Zertifizierung nicht leisten können. Bei regelmäßigen Besuchen der Partner in Afrika, Asien, Zentral- und Südamerika wird sichergestellt, dass der Anbau der wertvollen Kaffeebohnen im Einklang mit der Natur geschieht. Wovon die ökologische Vielfalt ungemein profitiert. „Einige Plantagen, zum Beispiel in Guatemala, gleichen botanischen Gärten“, erzählt Thomas Eckel. „Dort herrscht eine unglaubliche Vielfalt, die auch notwendig ist, um das ökologische Gleichgewicht zu bewahren.“

Kaffeebohnen

Auf der Pacha Mama-Plantage wird derzeit an einem neuen Projekt gearbeitet. Aus dem Fruchtfleisch der Kaffeekirsche, einem Nebenprodukt der Kaffeeproduktion, das früher weggeworfen wurde, lässt sich nämlich köstlicher Cascara-Tee herstellen. Und der bringt den Bauern teilweise sogar mehr Geld ein als ihr Kaffee. In den nächsten drei Jahren will die Murnauer Kaffeerösterei das Wissen um Anbau und Herstellung von Cascara-Tee an mehr als 3000 Kaffeebauern in Peru weitergeben, dabei wird sie von der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) gefördert. Es gibt also noch viel zu tun für den Kaffeepionier Thomas Eckel und sein Team. Die Kaffeewelt darf gespannt sein.

Weitere Bilder

Kaffeegeheimnis

Die frisch gerösteten Bohnen duften aromatisch und sind tiefbraun

Kaffeeset

Kaffeehaus Murnau

In seinem Kaffeehaus in Murnau serviert und verkauft er seit acht Jahren köstliche Plantagen-Kaffees

murnau kaffee

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Quelle: Murnauer Kaffeerösterei / Thomas Eckel,  Bild: C. Becker; W. Knauer; Murnauer Kafferösterei, Text: Ronja Kieffer