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Ein Traum: Ein Häuschen im Grünen mit viel eigenem Garten. Hier nicht alle Möglichkeiten der Ökostromherstellung auszunutzen, wäre fast schon eine Verschwendung
Gutes Umweltgewissen

Gutes Umweltgewissen: So wird das Eigenheim zum Ökostrom-Wunder

Selbst Niedrigenergiehäuser sind immer noch auf externe Stromquellen angewiesen. Und hier gibt es gleich mehrere Möglichkeiten, das Eigenheim vollständig auf nachhaltige Stromerzeugung umzustellen.

Es könnte perfekt sein: Ein Haus im Grünen mit einem mehr als großzügigen Garten. Alles aufwändig über mehrere Monate kernsaniert. Das Dach ist mit einer dicken Dämmschicht versehen und entlässt kein bisschen der teuer erzeugten Wärme mehr nach oben. Auch die Wände sind jetzt „warm eingepackt“ und gleiches gilt für die Fenster, die, dreifachverglast, nicht nur Wärme zurückhalten, sondern selbst den geringen Verkehr in dem kleinen Örtchen vollständig ausblenden. Im Keller werkelt eine brandneue Heizung, die Holzpellets verbrennt und somit nicht nur umweltschonend und nachhaltig, sondern auch noch im Vergleich mit anderen Heizungsformen ziemlich günstig heizt. Aber eines fehlt noch zum perfekten Ökohaus: Der Stromanbieter ist recht konventionell eingestellt und hat in seinem Mix quasi alle Stromarten, die sich landläufig erzeugen lassen. Darunter sogar richtige Klimakiller wie die Braunkohle und darüber hinaus auch aus Frankreich importierten Atomstrom – das passt zum Öko-Häuschen in etwa so gut wie die Bockwurst zum Marmeladenbrot.

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Die gute Nachricht allerdings lautet: Wer über ein Eigenheim verfügt, vielleicht noch mit genügend Garten drum herum, kann beim Strom so viel tun, dass nicht nur das Umweltgewissen der Besitzer sich freut, sondern vielleicht sogar deren Geldbeutel. Wie das geht, verrät der folgende Artikel.

1. Stromanbieter

Die mit Abstand einfachste Lösung, um das Eigenheim mit Ökostrom zu versorgen, ist der Anbieterwechsel. Dank der EU geht das mittlerweile im Vergleich zu früheren Zeiten wirklich rasend schnell: Seit 2009 schreibt das sogenannte „Dritte Energiepaket“ der Europäischen Union vor, dass Stromkunden, die den Anbieter wechseln möchten, dies innerhalb von maximal drei Wochen tun dürfen.

Echter Ökostrom?

Wechseln lässt sich der Stromanbieter mit wenigen Mausklicks – allerdings bieten nicht alle „echten“ Ökostrom an, sodass hier Vergleichen angesagt ist.

Das bedeutet: Es wird sich einfach ein Anbieter gesucht, der nur ökologisch sauberen Strom liefert. Eigentlich einfach, oder? Leider nur in der Theorie. Denn was Verbraucher unter Ökostrom verstehen, ist leider in der EU kein geschützter Begriff, wie auch Financescout beklagt. In ganz Europa existieren keine einheitlichen Standards, die definieren, was sich Ökostrom nennen darf und was nicht. Für den einen Anbieter gehört dazu auch Strom aus Gaskraftwerken, für den anderen wirklich nur das, was durch Windräder und Photovoltaikanlagen erzeugt wurde. Ein echtes Dilemma, das sich aber zumindest teilweise beseitigen lässt:

Denn wer wirklich sauberen Strom anbietet, kann das durch entsprechende Zertifizierungen belegen, dabei unterscheiden sich zweierlei Arten:

  • Erzeugerzertifikate
  • Gütesiegel

Leider ist die Definition und Abgrenzung beider Nachweise reichlich schwammig, lässt sich aber am besten folgendermaßen erklären: Erzeugerzertifikate sagen zunächst einmal nur aus, woher der Strom kommt. Gütesiegel hingegen geben Auskünfte darüber, wie umweltfreundlich der Strom produziert wurde.

Finger weg heißt es hingegen bei den sogenannten RECS-Zertifikaten. Denn diese sind echte Blender, Greenpeace spricht gar von einer Mogelpackung: Ein Hersteller, der eine Megawattstunde „echten“ Ökostrom produziert, erhält dieses Zertifikat- kann es allerdings verkaufen. Beispielsweise an einen Anbieter, der einen normalen Strommix offeriert. Und mit diesem Kauf erwirbt der zweite Anbieter das Recht, eine Megawattstunde Strom als „Öko“ zu deklarieren – selbst wenn er das gar nicht ist. Genaueres zeigt diese Grafik:

RECS-Zertifikat

Die Lösung für dieses Wirrwar an Siegeln und Zertifikaten kann also nur lauten: Vergleichen und noch mehr vergleichen. Hier kann es sehr hilfreich sein, nicht auf die Anbieter und ihre Worte zu hören, sondern sich auf entsprechenden Webforen mit Gleichgesinnten auszutauschen. Zudem: Nicht jedes „echte“ Ökostromunternehmen ist auch in jeder Ecke Deutschlands verfügbar. Und obendrein muss klar sein: Im Durchschnitt ist Ökostrom teilweise teurer als herkömmlicher „Graustrom“ – was sich allerdings durch die nächste Maßnahme wieder mehr als wettmachen lässt.

2. Stromerzeugung

Photovoltaik

Der beste Weg, um ein Maximum an Ökostrom zu bekommen und gleichzeitig das Haus auch noch weitestgehend autark zu machen, ist die Erzeugung von eigenem Strom. Und das geht bei Häusern, wie dem hier genannten, die einen brandneuen Dachstuhl eingebaut bekamen, besonders einfach. Dann nämlich sind die Weichen gestellt, um das Dach mit Photovoltaik-Platten zu bedecken, quasi als erste Maßnahme von vielen.

Solarpaneele auf dem Dach

Genügend Solarpaneele, um mehr als den Eigenbedarf zu decken, sind Grundvoraussetzung für eine KfW-Förderung der gesamten Anlage

Doch zunächst heißt es erst einmal: Rechnen. Denn eine Photovoltaikanlage sollte nicht einfach bestellt und montiert werden – dazu sind die Systeme erst einmal viel zu teuer. Aber es geht auch günstiger: Denn sobald die Anlage so üppig ausfällt, dass mehr Strom erzeugt wird, als das eigene Haus verbraucht, kommt die gesamte Anlage für eine Förderung der KfW in Frage. Und die fällt folgendermaßen aus:

  • Bewilligung eines sehr günstigen Kredits mit aktuell 1,10% effektivem Jahreszins
  • Förderung von komplett neu zu installierenden Anlagen sowie
  • Förderung der Modernisierung von alten Systemen, sofern durch den Umbau eine deutliche Leistungssteigerung erzielt wird.

Allerdings muss an diesem Punkt das Haus in genaueren Augenschein genommen werden. Denn gerade sehr alte Häuser haben eine vergleichsweise geringe Dachfläche. Würde nur diese mit Photovoltaik-Platten bedeckt werden, wäre zwar der Energieverbrauch des Hauses sichergestellt, aber wahrscheinlich könnte die Anlage nicht genug erzeugen, um den Strom auch ins Netz einzuspeisen, wodurch die Förderung hinfällig werden würde.

Abhilfe kann hier die Größe des Grundstücks sowie eventuell vorhandener Anbauten, auch Garagen, Scheunen usw. schaffen. Wurden diese nicht saniert, muss der erste Kontakt mit einem Statiker oder Architekten erfolgen. Der kann berechnen, ob sich die Dächer dieser Gebäude überhaupt dazu eignen, die hunderten Kilos an Gewicht einer Solaranlage zu tragen. Falls das nicht ohne tiefgreifende Sanierungen im Dachbereich möglich ist, können die Photovoltaik-Kollektoren natürlich auch immer noch im Garten aufgestellt werden, sofern die Besitzer mit den zwangsläufigen Einbußen an Rasen- und Gemüsebeetfläche einverstanden sind.

Solaranlagen auf dem Nebengebäude

Gehören zum Eigenheim Nebengebäude, sollten auch diese nach einer entsprechenden statischen Überprüfung mit Photovoltaik-Platten versehen werden. Allerdings ist bei diesen Gebäuden die Einspeisevergütung geringer.

Ist diese Hürde überwunden, muss ein dann ein Unternehmen gefunden werden, dass einen Kostenvoranschlag für die gesamte Anlage erstellt. Und mit diesem Dokument kann hernach die Förderung beantragt werden.

Interessant ist übrigens ein zusätzlicher Passus in den Förderbedingungen der KfW: Denn dieser sagt aus, dass nicht nur die PV-Anlage an sich für den vergünstigten Kredit in Frage kommt, sondern auch Stromspeicher. Und das kann sich richtig lohnen. Denn: Diese übergroßen Batterien ermöglichen auch die spätere Nutzung des selbst erzeugten Stromes – auch nachts oder bei schlechtem Wetter. Und damit kann ein Haus wirklich so autonom werden, dass der Vertrag  mit dem Ökostromanbieter nur noch als Rückfallebene für lange Schlechtwetterperioden fungiert.

Wurde die Anlage erst einmal installiert, was nur wenige Tage dauert, und ist in Betrieb, beginnt auch schon beim ersten Sonnenstrahl der eigene Geldbeutel zu klingeln. Denn: Jedes Kilowatt Strom, das die Anlage über dem Eigenverbrauch erzeugt, kann (und muss bei KfW-Förderung sogar) ins Netzt eingespeist werden – und das bringt bares Geld.

Früher war die Einspeisevergütung extrem hoch – die meisten PV-Anlagen, die ab Mitte der 2000er gebaut wurden, entstanden nur mit dem Hintergedanken, durch die Netzeinspeisung eine möglichst hohe Rendite zu erzielen. Allerdings wurden die Vergütungen sukzessive abgesenkt, wodurch sich Photovoltaik heute kaum noch als privater „Goldesel“ mit umweltschützendem Nebeneffekt eignet. Das deutsche Recht weist allerdings auch in diesem Fall Schlupflöcher auf: So können Besitzer einer alten Anlage teilweise auch nach einer Modernisierung deren Vergütungspauschale behalten – sofern Paneele nur aus Schadensgründen getauscht werden. Allerdings ändert das die primäre Laufzeit der Vergütung nicht.

Die Einspeisevergütung

Jedoch unterscheidet sich die Einspeisevergütung auch danach, wie umfangreich die Anlage ist. Und zudem, wo sich die Solarpaneele befinden: Strom, der auf einem Wohnhaus erzeugt wird, bekommt eine höhere Vergütung als solcher, der auf anderen Gebäuden entsteht. Und nicht zuletzt entscheidet auch das Datum der Inbetriebnahme der Anlage, wie hoch die Vergütung ausfällt. Einen genauen Einblick in diese, zugegebenermaßen etwas verwirrenden Zahlenspiele liefert dieser Überblick des Solarenergie-Fördervereins.

Kleinwindkraftanlage

Doch wer nicht nur die Sonnenenergie ausnutzen will, hat bei entsprechender Gartenfläche noch ein weiteres Ass im Ärmel: Die eigene Mini-Windkraftanlage. Diese Geräte funktionieren prinzipiell wie ihre „großen Brüder“, die auf Deutschlands Bergen mittlerweile zuhauf zu finden sind: Wind treibt einen Rotor an, dessen Drehbewegung wird auf eine Turbine übertragen, die einen Generator antreibt – und dieser erzeugt letztendlich den Strom.

Kleinwindkraftanlage

Bei entsprechender Grundstücksgröße sind Kleinwindkraftanlagen die perfekte Ergänzung – bis zehn Meter Höhe sind sie in den meisten Bundesländern genehmigungsfrei aufstellbar.

Wichtig ist hier die Lage des Grundstücks, denn es gilt die Maxime: Je ländlicher, desto weniger Einwände und Probleme wird es geben.

Grundsätzlich sollte dabei auf Kleinanlagen bis zu einer Maximalhöhe von zehn Metern gesetzt werden, denn die sind im überwiegenden Teil aller Bundesländer nicht genehmigungspflichtig, müssen teilweise nur dem Bauamt gemeldet werden  – allerdings, das wirft dieser Text ein, hat der Besitzer einer solchen Kleinst-Anlage dann auch keine Rechtssicherheit: Fühlt sich ein Nachbar durch die erzeugten Geräusche oder den Anblick gestört, kann das jahrelange Rechtsstreits nach sich ziehen.

Auf der Haben-Seite steht jedoch auch bei Kleinwindkraftanlagen das Finanzielle: Sie kommen für eine KfW-Förderung in Frage und natürlich dann auch für die Einspeisevergütung. Leider unterscheidet sich letztere mit momentan 8,41 Cent pro Kilowattstunde für eine 2016 aufgestellte Anlage kaum von größeren Geräten und ist sogar niedriger als die von PV-Anlagen auf Nebengebäuden, sodass Kleinwindkraftanlagen rein vom Finanziellen her weniger wirtschaftlich zu betreiben sind – für die Energieerzeugung des Eigenheims sind sie jedoch eine perfekte Ergänzung, wenn auf Seiten der Photovoltaik bereits sämtliche Möglichkeiten ausgeschöpft wurden.

Fazit

Wer sein Öko-Haus auch mit einer entsprechenden Stromversorgung krönen möchte, sollte möglichst schnell den Anbieter wechseln. Anschließend sollte sofort ein Architekt sowie Photovoltaik-Firmen konsultiert werden, damit durch die Erzeugung von eigenem Strom nicht nur dem eigenen Geldbeutel, sondern auch Mutter Natur Gutes getan wird.

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Bildquellen: fotolia.com/schulzfoto, @nt, Smileus, manfredxy, Petair, Autor: red