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Ackerschlepper endokrine Pestizide
Gift in Obst und Gemüse

So gefährlich sind Pestizide für unseren Körper

Neben der toxischen Wirkung von Pestiziden, die jedes Jahr zu Hunderttausenden von Vergiftungen führt, haben Beobachtungen gezeigt, dass Störungen des Hormonsystems seit dem vermehrten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln stark zugenommen haben. Vor allem die Fortpflanzungsorgane sind davon betroffen. Trotzdem sind die gefährlichen Stoffe weiterhin erlaubt.

Umwelt- und Verbraucherschützer sind sich sicher, dass das Auftreten von hormonellen Störungen auf die endokrine Wirkung der Pestizide zurückzuführen ist. Das heißt, die giftigen Stoffe sind in der Lage, mit den menschlichen Hormonen in Wechselwirkung zu treten.

Aus Laboruntersuchungen an Zellkulturen, aber auch aus Untersuchungen an Ratten und Mäusen liegen inzwischen umfangreiche, belastbare und wissenschaftlich unumstrittene Daten über die hormonähnliche Wirkung von weltweit zugelassenen Pestiziden vor.

Kein Verbot für Pestizide

Obwohl die Auswirkungen der Pestizide auf die, in der Landwirtschaft Beschäftigten, bereits in zahlreichen Studien untersucht wurden, konnten die Ergebnisse, nach Meinung einiger Experten, nicht immer eindeutig mit der Pestizidbelastung in Verbindung gebracht werden. Deshalb ist es bisher nur in wenigen Fällen zu einem Verbot dieser Stoffe gekommen.

Dabei zeigen besonders Langzeitbeobachtungen von dänischen Untersuchungen, dass es bei Kindern von Gärtnern und Landwirten häufiger zu Fehlbildungen kommt. Das heißt, obwohl sie selber nie direkten Kontakt mit den Pestiziden hatten, wirkten sich die giftigen Stoffe während der Schwangerschaft ihrer Mütter negativ auf ihre Entwicklung aus.

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Studien zeigten zudem, dass die erste Generation von Immigranten, die nicht in Dänemark geboren wurde, weniger Störungen aufwies, als ihre in Dänemark geborenen Kinder. Dies spricht dafür, dass die Fehlentwicklungen, aufgrund von Umwelteinflüssen und nicht durch genetische Faktoren entstanden sind.

Diese Erkenntnisse sollten neben den zahlreichen Laborstudien und den festgestellten Umweltauswirkungen von endokrinen Pestiziden, ein massives Warnsignal für Politik und Gesetzgeber sein, um endlich umfassende Vorsorgemaßnahmen zu treffen.

So greifen Pestizide in unseren Hormonhaushalt ein

Zahlreiche Laborversuche haben folgende Effekte endokrin wirksamer Substanzen auf den Menschen ergeben:

Wirkung von endokrinen Pestiziden auf die Frau:  Vorzeitiger Eintritt in die Pubertät, Zysten in den Eierstöcken, Veränderungen der Gebärmutter, Brustkrebs, unregelmäßiger Menstruationszyklus, Abnahme der Fruchtbarkeit bis hin zur Unfruchtbarkeit, Schwangerschaftskomplikationen und vorzeitige Abbrüche, spontane Frühgeburten und Fehlentwicklungen beim ungeborenen Kind.

Fehlbildungen bei Kindern von Landarbeiterinnen

Untersuchungen haben gezeigt, dass die Kinder von Frauen, die in Gärtnereien beschäftigt waren, schwerwiegende Missbildungen der Geschlechtsorgane aufwiesen. Man hat nachgewiesen, dass sich bei Landarbeiterinnen mit der Zeit Pestizidrückstände im Fettgewebe anreichern, die während der Schwangerschaft mobilisiert werden, sodass sie zu dem Fötus gelangen können.

Zu den Fehlbildungen bei Söhnen von Landarbeiterinnen gehört das dreifach erhöhte Risiko eines Hodenhochstandes (Kryptorchismus), sowie die Fehlbildung der Öffnung der Harnröhre (Hypospadie). Beides wird als Verweiblichungstendenz angesehen.

In einer parallelen Untersuchung an Töchtern von Gärtnerinnen stellte sich heraus, dass des bei ihnen zu einem verfrühten Pubertätseintritt kam.

Störungen des weiblichen Hormonsystems

In einer Studie aus dem Jahr 2004 wurde bei 3103 Landarbeiterinnen in den USA ein sehr unregelmäßiger Menstruationszyklus mit Ausbleiben des Eisprungs beobachtet. Die Frauen hatten regelmäßigen Kontakt mit dem Pestizid DDT.

In einer weiteren Studie aus den USA wurden 8038 Arbeiterinnen untersucht, von denen 62% mit verschiedenen Mischungen von Pestiziden (DDT, Lindan, Atrazin, Carbaryl, Kohlenstofftetrachlorid, Carbamate wie Mancozeb und Maneb sowie Organophosphorverbindungen) zu tun hatten. Bei diesen Arbeiterinnen konnte eine Verzögerung des Eintritts in die Menopause von 3 bis 5 Monaten beobachtet werden.

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Wirkung von endokrinen Pestiziden auf den Mann: Abnahme des Testosterons, Minderung der Samenqualität, genitale Missbildungen, Hoden- und Prostatakrebs, Hodenhochstand bei Neugeborenen.

Die negativen Auswirkungen von Pestiziden auf die männliche Zeugungsfähigkeit sind schon lange bekannt. Werden die Keimzellen und/ oder Nährzellen der Spermien geschädigt, kann es zu einer lebenslangen Unfruchtbarkeit kommen.

Nachgewiesene Unfruchtbarkeit bei Männern

Bereits vor 40 Jahren wurde die unwiderrufliche Schädigung der Spermienbildung durch das Nematizid Dibromchlorpropan (DBCP) festgestellt. Vor allem bei Arbeitern in Bananenplantagen kam es zu vermehrter Unfruchtbarkeit. Insgesamt wird geschätzt, dass in den Siebziger-Jahren von ca. 26.000 Plantagenarbeitern in 12 Ländern 64% eine verminderte Zeugungsfähigkeit durch das Nematizid DBCP besaßen und 28% unfruchtbar wurden.

Durch die Belastung des männlichen Hormonsystems von Landarbeitern mit Pestiziden wurden zudem Schwangerschaftsverzögerungen bei der Frau beobachtet. Insbesondere war dies der Fall, wenn die Paare versuchten, in der Sprühsaison Nachwuchs zu bekommen.

Auch in der westlichen Welt sind laut WHO 15% aller Paare von Unfruchtbarkeit betroffen. In den meisten Fällen ist die verminderte Zeugungsfähigkeit des Mannes die Ursache.

Wirkung von endokrinen Pestiziden auf beide Geschlechter: Diabetes und Übergewicht, Störungen der Gehirnentwicklung, Störungen der Schilddrüsenfunktion (Unter- sowie Überfunktion), Schilddrüsentumore.

Pestizide in unserer Nahrung

In Westeuropa findet der weltweit höchste Pestizideinsatz statt. Teilweise sind in konventionellem Obst und Gemüse bis zu 15 verschiedene Pestizide zu finden. Es wird zwar gerne behauptet, die Stoffe würden bei Gemüse und Früchten lediglich die störenden Insekten, das Unkraut und die Pilze bekämpfen, doch sie wirken sich auch auf unsere Gesundheit und das gesamte Ökosystem negativ aus. Spuren von Pestiziden sind im Grundwasser, in der Erde und sogar im Fettgewebe der in der Arktis lebenden Eisbären zu finden.

Bei ständigem Verzehr von belasteten Nahrungsmitteln können die Pestizidrückstände im Körper angereichert werden, schleichend den Organismus vergiften und die Ursache von Krankheiten sein. Da hilft auch das Waschen der Nahrung nicht viel, da die Gifte von den Pflanzen absorbiert werden und sich schließlich im Inneren befinden.

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Die weltweiten Marktführer in der Pestizid-Herstellung

Die aufgelisteten Firmen sind die weltweiten Marktführer im Verkauf von Pflanzenschutzmitteln. Die folgende Tabelle zeigt die Marktanteile der führenden Pflanzenschutzmittel-Hersteller aus dem Jahr 2008 (Umsatz in Milliarden $):

Pestizid-Hersteller     Gesamtumsatz     Pflanzenschutz     Saatgut
Monsanto 11,965 5,333 6,632
Syngenta 11,673 9,231 2,442
Bayer CropScience 9,344 8,682 662
DuPont 6,632 2,640 3,992
BASF 4,991 4,991 -
Dow AgroSciences 4,535 4,065 470
Summe 49,140 34,942 14,198
Weltmarkt gesamt 57,400 40,500 16,900

Quelle: Phillips McDougall

Diese schädlichen Pestizide sind immer noch zugelassen

Obwohl man von der endokrinen Wirkung vieler Pestizide weiß, sind zahlreiche Stoffe immer noch zugelassen. 

Endokriner Wirkstoff     Produktgruppe Deutschland EU
2,4-D Herbizid, Wachstumsregulator zugelassen zugelassen
Amitrole Herbizid Nicht zugelassen     zugelassen
Bifenthrin Insektizid, Akarizid Nicht zugelassen Zugelassen
Bitertanol Fungizid Nicht zugelassen Zugelassen
Bromoxynil Herbizid Zugelassen Zugelassen
Captan Fungizid Zugelassen Zugelassen
Carbendazim Fungizid Zugelassen Zugelassen
Carbendazim Fungizid Zugelassen Zugelassen
Chlorothalonil Fungizid Zugelassen Zugelassen
Chlorotoluron Herbizid Zugelassen Zugelassen
Cypermethrin Insektizid, Akarizid Zugelassen Zugelassen
Deltamethrin Insektizid Zugelassen Zugelassen
Diflubenzuron Insektizid Zugelassen Zugelassen
Dimoxystrobin Fungizid Zugelassen Zugelassen
Diuron Herbizid Nicht zugelassen Zugelassen
Epoxyconazole Fungizid Zugelassen Zugelassen
Fenbuconazole Fungizid Nicht zugelassen Zugelassen
Fenoxycarb Insektizid Zugelassen Zugelassen
Flusilazole Fungizid Zugelassen Zugelassen
Flutriafol Fungizid Nicht zugelassen Zugelassen
Glyphosate Herbizid Zugelassen Zugelassen
Ioxynil Herbizid Zugelassen Zugelassen
Ipradione Fungizid Zugelassen Zugelassen
Isoproturon Herbizid Zugelassen Zugelassen
Lambda-cyhalothrin Insektizid Zugelassen Zugelassen
Linuron Herbizid Nicht zugelassen Zugelassen
Malathion Insektizid, Akarizid Nicht zugelassen Zugelassen
Methiocarb Insektizid, Mulloskizid, Repellent     Zugelassen Zugelassen
Methomyl Insektizid Nicht zugelassen Zugelassen
Metiram Fungizid Zugelassen Zugelassen
Metribuzin Herbizid Zugelassen Zugelassen
Molinate Herbizid Nicht zugelassen Zugelassen
Myclobutanil Fungizid Zugelassen Zugelassen
Oxamyl Insektizid Nicht zugelassen Zugelassen
Penconazole Fungizid Zugelassen Zugelassen
Phenyphenole Herbizid Nicht zugelassen Zugelassen
Phosphamidon Insektizid, Akarizid Zugelassen Nicht zugelassen
Picloram Herbizid Zugelassen Nicht zugelassen
Prochloraz Fungizid Zugelassen Zugelassen
Profoxydim Herbizid Nicht zugelassen Zugelassen
Propamocarb Fungizid Zugelassen Zugelassen
Propiconazole Fungizid Zugelassen Zugelassen
Pyrethrins Insektizid Zugelassen Zugelassen
Pyridate Herbizid Zugelassen Zugelassen
Pyripyroxyfen Insektizid Nicht zugelassen Zugelassen
Tebuconazole Fungizid Zugelassen Zugelassen
Tepraloxydim Herbizid Zugelassen Zugelassen
Thiram Fungizid Zugelassen Zugelassen
Tolclofos-methyl Fungizid Zugelassen Zugelassen
Triadimenol Fungizid Zugelassen Zugelassen
Tribenuron Insektizid Zugelassen Zugelassen


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    Quellen: Pan-Studie: Endokrine Wirkung von Pestiziden auf Landarbeiter, insbesondere auf Beschäftigte in Gewächshauskulturen und Gärtnereien, 2013, Bilder: Depositphotos/ilfede, Text: Meike Riebe